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(c) Juliana Paulos

Lea Birringer

Im Dienst der Musikalität

Die Geigerin legt mit „Di tanti palpiti“ eine CD voller hoch virtuoser Raritäten vor – von Sarasate bis Paganini.

RONDO: Sie haben mit drei Jahren angefangen, Geige zu spielen, das ist extrem früh. Wie kam es dazu?

Lea Birringer: Meine drei Jahre ältere Schwester hatte damals gerade mit dem Klavierunterricht angefangen. Und ich habe mit einem Finger sofort auch Interesse am Klavier gezeigt, sodass meine Eltern mich einfach zu ihrem Klavierlehrer mitgenommen haben. Der sagte dann: „Das ist aber nicht so toll, wenn jetzt beide Schwestern Klavier spielen. Gehen Sie doch mal einen Stock höher zu meiner Frau, die ist Geigenlehrerin.“

RONDO: Wer kam auf die Idee, dieses Repertoire aufzunehmen?

Birringer: Die Idee war gänzlich meine. Ich wollte mich immer schon auch einmal mit virtuosem Repertoire präsentieren. Stücke wie etwa „Tzigane“ von Maurice Ravel oder die „Carmen-Fantasie“ von Franz Waxman wollte ich unbedingt! Und dann habe ich um diese Stücke herum versucht, ein möglichst breites Spektrum aufzufächern. Mir war auch wichtig, dass die Auswahl einem roten Faden folgt.

RONDO: Hatten Sie immer schon eine Vorliebe für diese hoch virtuose Literatur?

Birringer: Für mich persönlich gehört das dazu! Dieses Repertoire liegt mir sehr. Aber die Stücke legen nicht nur den Fokus auf Virtuosität. Es ist sehr viel Musikalität drin!

RONDO: Dazu muss man sie aber technisch souverän beherrschen.

Birringer: Nicht nur mit dem Virtuosen beschäftigt sein, sondern sich ganz der Musikalität zu widmen, das ist die Herausforderung dieses Programms. Und es hintereinander weg zu spielen im Konzert, geht ganz schön an die Kondition! Ich habe mich bei der Vorbereitung auf die Aufnahmen sehr viel mit mir selbst beschäftigt, mit meiner Haltung, meiner Ausdauer, ich habe mich selber dabei gut kennengelernt.

RONDO: Man könnte ketzerisch sagen: Das ist eine CD mit Encore-Stücken!

Birringer: Sie meinen wegen der Virtuosität? Als Zugaben sind aber die meisten viel zu lang mit teils mehr als zehn Minuten. Und ich tendiere bei Zugaben eher zu Stücken zum Runterkommen.

RONDO: Also eher Bach als Paganini?

Birringer: Genau.

RONDO: Welches ist das anspruchsvollste Stück dieser Aufnahme?

Birringer: Das ist schwer zu sagen. Die „Tzigane“ gilt als sehr schwierig, aber da ich sie spiele, seit ich elf bin, fühle ich mich unglaublich wohl damit. Sie können mich nachts wecken, und ich spiele das sozusagen im Schlaf. Auch die „Carmen-Fantasie“. Sehr fordernd ist die „Figaro“-Konzertrhapsodie von Mario Castelnuovo-Tedesco, damit habe ich aber auch erst spät angefangen. Ich finde auch die „Humoresque“ von Antonín Dvořák schwierig.

RONDO: Aber das ist doch gar kein virtuoses Stück.

Birringer: Die Stimmung, den richtigen Drive und das Tempo zu finden, ist sehr schwierig!

RONDO: Was für ein Instrument spielen Sie?

Birringer: Eine Geige von Andreas Hudelmayer, gebaut 2013 nach einem Guarneri-Modell. Sie gehört mir, ich bin sehr zufrieden damit.

RONDO: Sind Sie nicht scharf auf eine alte Geige?

Birringer: Ich habe jahrelang eine Giovanni-Battista-Ceruti-Geige von der Deutschen Stiftung Musikleben gespielt. Dann hatte ich die Altersgrenze erreicht, das war der Moment, wo ich ein Instrument finden musste, und diese Geige hat sich sofort angefühlt, als wäre sie meine.

Neu erschienen:

„Di tanti palpiti“ (Bravourstücke von Schostakowitsch, Saint-Saëns, Sarasate u.a)

Lea Birringer, Esther Birringer

Rubicon/harmonia mundi

Regine Müller, RONDO Ausgabe 5 / 2019



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