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(c) Meisel/BR

BR-KLASSIK

Von München in die Welt

Zum 10-jährigen Jubiläum feiert das Label die Bandbreite der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks auf interessanten Neuerscheinungen.

In den Zeiten von Downloads, Streamings und Digital Concert Halls ist auch das Geschäft mit der klassischen Musik ein schnelleres geworden. Als vom Bayerischen Rundfunk vor zehn Jahren das Label BR-KLASSIK ins Leben gerufen wurde, gab es daher durchaus einige, die diesen Schritt skeptisch beäugten. Doch zum ersten von hoffentlich noch vielen runden Geburtstagen hat man diese Zweifler wohl endgültig eines Besseren belehrt. Rund 150 Titel umfasst der Münchner Katalog inzwischen. Wobei sich neben verkaufsträchtigen Namen wie Bach, Beethoven, Mozart oder Schubert auch Raritäten von Walter Braunfels, Gija Kantscheli oder Josef Suk finden.
Eine gesunde Mischung sucht das Team von BR-KLASSIK aber keineswegs nur in Sachen Repertoire. Auch die drei Klangkörper des Hauses – Rundfunkorchester sowie Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – sind ausgewogen dokumentiert. Und das sowohl mit individuellen Programmen, wie auch bei gemeinsamen Projekten wie etwa einem Verdi-Requiem oder den Mahler-Sinfonien. Die Auswahl aus dem reichhaltigen BR-Archiv fällt da nicht immer leicht, wie Stefan Piendl, Berater des BR seit der Gründung des Labels, im Gespräch verrät. „Es gibt einen klaren Fokus auf den neuen Aufnahmen, gerade was die Dirigenten betrifft, die regelmäßig hier arbeiten. Aber natürlich freuen wir uns immer, wenn wir im Archiv etwas entdecken.“ Wobei sich das Heben von akustischen Schätzen oft schwieriger gestaltet, als man auf den ersten Blick meinen würde. Sei es aus rechtlichen Gründen oder aufgrund der Tatsache, dass das Archivmaterial nicht mehr komplett erhalten ist. Denn auch, wenn man natürlich Aufnahmen aus einem Guss den Vorzug gibt, schadet es hin und wieder nicht, für kleinere Korrekturen auch den Mitschnitt der Generalprobe zu haben.
Dass die veröffentlichten Konzertmitschnitte dennoch stets Momentaufnahmen bleiben, sieht Stefan Piendl dabei nicht als Nachteil. „Die Zeiten aufwändiger und teurer Studio-Produktionen sind lange vorbei. Vor allem im Bereich der Oper. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass das als Notlösung empfunden wird. Ganz im Gegenteil. Es hat sich gezeigt, dass die Live-Aufnahme durchaus geschätzt und manchmal sogar bevorzugt wird.“ Und dies nicht zuletzt von den Dirigenten. Einzelne Studioprojekte, vor allem im Bereich der Sängerporträts, die beim Rundfunkorchester eine lange Tradition haben, sind da für Piendl lediglich eine die Regel bestätigende Ausnahme. „Das Konzept des Labels ist ja nicht Live gegen Studio. Uns geht es vor allem darum, das Beste herauszuholen, was die beiden Orchester und der Chor zu bieten haben. Diese Bandbreite in bestmöglicher Klangqualität zu dokumentieren und es anschließend möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.“ So ist es zwar schön, wenn sich ein Abonnent ein Konzert, das er gehört hat, später mit nach Hause nehmen kann. Doch denkt man auch bei BR-KLASSIK global und hat nicht zuletzt vor allem jenes Publikum im Auge, das außerhalb von München wohnt und nicht die Möglichkeit hat, regelmäßig die Veranstaltungen der BR-Klangkörper zu besuchen. Denn abseits des deutschen Marktes gibt es vor allem in Japan und den USA zahlreiche Fans, die bei Aufnahmen mit Mariss Jansons und Co. gerne zugreifen.

Schwerpunkte und Lieblingsprojekte

Schwerpunkte bei den Veröffentlichungen ergeben sich dabei allein schon durch die unterschiedlichen Konzertreihen, aber ebenso aus wirtschaftlichen Überlegungen. Gibt es neben klassischen Selbstläufern doch auch andere ehrgeizige Programme, die man aus künstlerischen Gründen oder auch mal aus persönlichen Vorlieben für die Ewigkeit festhalten möchte. Ebenso wie Verträge mit anderen Musikkonzernen. „Das Symphonieorchester findet mittlerweile fast exklusiv auf BR-KLASSIK statt, aber der Chor und das Rundfunkorchester wurden schon immer auch gerne von anderen Labels und Veranstaltern gebucht. Da existieren über lange Zeiten gewachsene Beziehungen und Kooperationen, die es schon vor BR-KLASSIK gab, und denen wir uns auch nicht in den Weg stellen wollen.“
Ein persönliches Lieblingsprojekt von Piendl, und ebenfalls exklusiv auf BR-KLASSIK zu haben, sind unter anderem die mit großem Aufwand produzierten Hörbiografien, die einmal jährlich als zehnteilige Sonder-Reihe auf der Klassik-Welle des Bayerischen Rundfunks auf Sendung gehen und anschließend auch auf CD zu den Verkaufsschlagern des Labels zählen. Einblicke in das Leben berühmter Komponisten, gewürzt mit Aufnahmen aus dem BRKatalog. „Das freut uns besonders, weil wir hier ja durch die Sprachbarriere eigentlich fast ausschließlich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz beschränkt sind. Es ist ein Format, das in dieser Form auf dem Markt sonst nicht präsent ist. Aber gerade bei dieser Reihe bekommen wir regelmäßig Zuschriften von Hörerinnen und Hörern, die begeistert sind und wissen wollen, wann es weitergeht und welcher Komponist als nächstes kommt.“
Und so macht sich Stefan Piendl auch keine allzu großen Sorgen um die Zukunft des Labels. Auch wenn die physischen Tonträger schon öfters totgeredet wurden. „In der klassischen Musik haben wir einfach andere Formen und Formate. Eine große Sinfonie hört man sich eben doch nicht in der U-Bahn mit Ohrstöpseln an. Die will man dann lieber zuhause auf der Couch in guter Tonqualität mit dem sprichwörtlichen Glas Rotwein genießen.“

Neu erschienen:

Mariss Jansons: The SACD-Recordings (Werke von Haydn, Beethoven, Brahms, Tschaikowski, Bruckner, Mahler, Schostakowitsch)

Symphonieorchester des BR, Mariss Jansons

BR-KLASSIK/Naxos

„Fuoco di gioia!“ (Opernchöre von Borodin, Glinka, Leoncavallo, Mascagni, Puccini)

Chor des BR, Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repušić

BR-KLASSIK/Naxos

Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 7 „Leningrader“

Symphonieorchester des BR, Mariss Jansons

BR-KLASSIK/Naxos

Erscheint am 25.10.:

Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 10

Symphonieorchester des BR, Mariss Jansons

BR-KLASSIK/Naxos


Familienangelegenheit

Die Werke Dmitri Schostakowitschs nahmen im Schaffen von Mariss Jansons von jeher eine herausgehobene Stellung ein. Schon als Kind hatte er seinen Vater in Leningrad zu Proben mit Jewgeni Mrawinski begleitet, der mit dem Komponisten nicht nur eng befreundet war, sondern auch zahlreiche seiner Werke aus der Taufe gehoben hatte. Diese Eindrücke aus erster Hand klingen bis heute in Jansons‘ Schostakowitsch-Interpretationen nach. Pünktlich zu einer Reihe von Konzerten in München, Hamburg und Wien erscheint nun ein Mitschnitt der 10. Sinfonie, der diese Beziehung zwischen Dirigent und Komponist dokumentiert und zu interessanten Vergleichen einlädt.


Tobias Hell, RONDO Ausgabe 5 / 2019



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