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Musik-Krimi

Folge 38: Der Tuba-Code

Als Hauptkommissar Reuter und Doktor Stradivari bei dem Musikantiquitätenladen von Urs Schnitzer ankamen, stand der Inhaber schon wartend vor dem Geschäft. „Die Einbrecher kamen durch den Keller vom Nachbarhaus“, sagte er. „Es ist unbewohnt und wird renoviert. Sie haben am Wochenende eine Trennwand eingerissen.“ Gemeinsam betraten sie den Laden, der ein wahres musikalisches Wunderland darstellte. In Vitrinen gab es Geigen, Trompeten, Flöten und Gitarren. Sie kamen an mehreren Klavieren vorbei, und in einer Ecke wurden alte Vinyl-Schallplatten angeboten.
Im Keller führte Schnitzer sie zu einer Backsteinwand, vor der ein Haufen Schutt lag. Anderthalb bis zwei senkrechte Reihen Steine fehlten. Das gezackte Loch war höchstens 1,70 Meter hoch. „Wer immer hier durch kam, muss also klein gewesen sein“, stellte der Hauptkommissar fest. „Herr Schnitzer, gibt es noch andere Möglichkeiten, hier hereinzukommen?“ „Nein. Die Fenster und der Eingangsbereich sind vergittert. Nur ich kann hier auf normalem Weg herein.“ Reuter quetschte sich mühsam geduckt und mit eingeschalteter Handylampe durch das Loch. „Gut, dass ich gerade abgenommen habe“, meinte er, bevor er in dem Nachbarraum verschwand.
„Wohnt jemand hier bei Ihnen im Haus?“, fragte der Doktor, denn ihm war, als dringe von ferne Musik an sein Ohr. „Eine Musikerin“, sagte Schnitzer. „Sie spielt Tuba. Sie hat ihr Instrument bei mir gekauft. Leider hat sie es immer noch nicht abbezahlt, obwohl ich sie oft gemahnt habe.“ Der Hauptkommissar kam zurück. „Oben im Erdgeschoss des Nachbarhauses wurden Scheiben eingeworfen. Da sind sie rein.“ Er wischte sich den Staub vom Anzug, denn er war an den Steinen entlanggeschrammt.
Sie befragten Anwohner der Nachbarschaft, auch die Tubistin. Sie war schlank und mindestens einen Kopf kleiner als der Hauptkommissar, der knapp 1,80 maß. Wie alle Befragten hatte sie angeblich nichts von dem Einbruch am Wochenende mitbekommen. „Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als zu überprüfen, ob die gestohlenen Wertgegenstände irgendwo zum Kauf angeboten werden“, sagte Reuter. Schnitzer hatte ihnen eine Liste gegeben. „Zehn LPs, eine Flöte, eine Trompete und ein besonders wertvoller Kaiserbass“, las der Kripomann vor. „Was auch immer das sein mag …“ Er sah Stradivari an. „Es ist doch seltsam, dass nicht mehr gestohlen wurde. Die Diebe hatten ja Zeit genug. Oder wurden sie vielleicht gestört? Da fällt mir etwas ein. Die Dame, die über dem Laden wohnt, wäre klein genug, um als Täterin in Frage zu kommen. Aber hätte sie die Mauer einreißen können? Hätte sie die Kraft dazu?“
„Ich glaube, es dürfte klar sein, dass das Loch in der Mauer ein Ablenkungsmanöver war“, sagte Stradivari. „Und wie das alles insgesamt ablief, auch.“
Was meint Doktor Stradivari damit?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

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Auflösung aus Magazin 4/2019:

Dr. Stradivari hat bereits genug vom Vortrag des Professors gehört, als Reuter ihn anruft. Hätte es sich beim Referenten wirklich um Professor Traunstein gehandelt, hätte er anders gesprochen, sein Bruder Simon aber, der sich die Ähnlichkeit des Zwillings zunutze machen möchte, um zu entkommen, redet sich um Kopf und Kragen. Den Tonumfang gibt er noch korrekt wieder, aber die hohe Oboe ist nicht dünn, sondern scharf im Klang. Vor allem kommt sie in den Begleitorchestern der Concerti grossi von Corelli, sowie der Solokonzerte von Vivaldi und Bach gar nicht vor. Der Mörder ist entlarvt.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2019



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