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René Jacobs (c) Molina Visuals

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Sopranistin Marlis Petersen glaubt an Elfen, Nixen und Wassermänner. Sogar an Trolle! „Ich war schon immer so veranlagt. Mir gibt das was“, sagte sie in München. Sie lasse sich dafür sogar belächeln. „Ich werde als esoterisch angesehen und tröste mich, dass es in Island sogar einen Beauftragten für Naturgeister und Elfen gibt. Letztere möchten nämlich nicht gern gestört werden. Da leitet man schon mal eine Straße um.“ Das bedeute allerdings nicht, dass die Vorstellung von Geistern und Grenzwesen beruhigend sei. „Immerhin gibt’s auch finstere Wesen“, so Petersen. Gottlob sei sie ein „relativ angstfreier Mensch“. Anders gehe es in ihrem Beruf nicht. „Sänger, die Angst kriegen, denen schnürt das die Kehle zu. Ich bin positiv erfreut, wenn ich auf die Bühne gehe.“ Dann hörten auch die „wilden Träume“ auf, „die man die ganze Probenzeit hindurch hatte“.
Opern- und Schauspiel-Regisseur David Bösch, der in Berlin Otto Nicolais komische Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ inszenierte, findet, dass in Werken dieser Art unbedingt gelacht werden müsse. „Das Problem ist, dass Humor stärker polarisiert als Tragik. Über traurige Sachverhalte weint jeder. Humor ist verschieden.“ Außerdem gelte der Grundsatz: Einmal weinen, und die Tragödie ist gelungen. „In der Komödie gilt: Einmal Lachen ist keinmal.“ Deswegen, und weil komische Opern viel mehr Arbeit machen, wollten nur wenige Kollegen komische Werke inszenieren.
Alte Musik-Dirigent René Jacobs hat sich (gegenüber der Zeitschrift „Oper!“) erstmals dazu geäußert, dass sein Dirigierstil häufig mit dem Aufhängen von nasser Wäsche verglichen wird. „Ich hänge nie Wäsche auf. Das macht nicht einmal meine Frau“, so Jacobs zuhause in Paris. Wer sich so über ihn äußere, wisse hoffentlich „auch, dass dieser Dirigier-Stil seine Resultate hat. Ich bin kein Dirigent, der seine Stücke im Spiegel probt.“ Er wolle das Drama zum Klingen bringen. „Und kein Ballett aufführen.“
Filmmusik-Papst Frank Strobel glaubt, dass Filmmusik meistenteils so komponiert wurde, dass sie vom Blatt gespielt werden kann. „Ganz wie bei Opern!“, so Strobel in Berlin. „Oder glauben Sie, dass bei Mozart oder Donizetti viel Probenzeit zur Verfügung stand?!“ Die großen Hollywood-Komponisten Korngold, Tiomkin, Rosza, Steiner und Waxman hätten dagegen „sämtlich sauschwer komponiert“. Sie waren Klassik-Kinder ihrer Zeit. „Deutsche Filmorchester waren allerdings sehr versiert. Ein ordentlicher Berliner Filmpalast besaß locker 3000 Bände Musik – fürs Repertoire. Die Noten gibt es noch.“
Geiger Gidon Kremer, befragt nach dem splissigen Geigenton, der sein Markenzeichen ist, antwortete dem Berliner „tip“-Magazin: „Das bella voce ist kein Selbstzweck für mich, obwohl ich Künstler bewundere, die wahren Schönklang haben.“ Ein echter Künstler solle sich für Komponisten einsetzen, die es verdienen. „Sehr viele Komponisten haben überhaupt nicht an Schönklang gedacht.“ Ihm gehe es darum, was hinter den Noten steht.
Alte Musik-Legende William Christie, der aus Buffalo (New York) stammt, hat nichts dagegen, als „Buffalo Bill“ bezeichnet zu werden. „Ich bin schon immer so genannt worden, und es hat mir nie viel ausgemacht“, so Christie in Südfrankreich, wo er lebt. „Buffalo Bill, das war doch ein netter Kerl. Eigentlich süß.“ Zur Frage, warum vergleichsweise viele Dirigenten homosexuell seien, äußerte Christie, der sich schon vor vielen Jahren geoutet hat: „Mir scheint Homosexualität eine kulturhistorisch so alte und unauffällige Angelegenheit zu sein – denken Sie nur an die griechische Antike! –, dass wir aufhören sollten, zu viel Wind um das Thema zu machen.“ Viele Dirigenten seien homosexuell, nun gut. „Sie bringen Sensibilität und Schönheitssinn mit. Beides können sie gut brauchen.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2019



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