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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Startseite · Konzert · Café Imperial

Vladimir Jurowski (c) Roman Gontcharov

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

„L.E.O.“, das steht für „Letztes Erfreuliches Operntheater“ in Wien. Schon der Name weckt grammatische Bedenken. (Operntheater? Ja, was denn nun?!) Gelegen im 3. Wiener Gemeindebezirk (Landstraße), verbirgt sich dahinter ein Salon-Theater der Miniaturen- Art. Mit Fresken, Halbreliefs und Wolkenstores ist das Parterre- Theater reich ausgeziert. Halb Gründerzeitmuseum, halb Gelsenkirchener Barock. Hier hat man alle großen Opern in kommentierten Kleinstfassungen im Programm, sogar Wagners „Ring“, Dvořáks „Rusalka“ und Offenbachs „Insel Tulipatan“. Impresario Stefan Fleischhacker ist Tenor und Kunstpfeifer zugleich. Er übernimmt die Hauptrollen gern selbst. Die Hütte ist meist übervoll, erst recht bei Klassikern des Hauses wie „Hoffmanns Erzählungen“. Ein dringender, klingender Opernführer in einer Stadt, die eigentlich keine Nachhilfe braucht. Kurz: eine der verschwiegendsten, skurrilsten Besonderheiten von Wien. Worauf hier doch einmal hingewiesen sei! Wer das „L.E.O.“ nicht kennt, hat Wien missverstanden.
Im Café Imperial, dem Musikerlokal unter den Wiener Kaffeehäusern, denken wir heute über die Macht von Namen nach. Von dem Dirigenten Felix Weingartner heißt es, er habe unbekannte Werke (mitunter sogar von sich selbst) einfach für solche von Edvard Grieg ausgegeben – und prompt hatten sie Erfolg. Sein Kollege Fritz Busch pflegte in seinen jungen Jahren, als er noch in Bad Pyrmont dirigierte, alle möglichen Werke einfach dem Komponisten Paul Lincke zuzuschreiben. So lange, bis Lincke selbst einmal zufällig dort urlaubte. „Ich habe jetzt schon so viele Werke von mir angekündigt gefunden, aber noch nicht eines gehört“, beklagte sich Lincke. Busch errötete.
Auf große Namen, mit andern Worten, ist Verlass, solange die Personen selber sich raushalten. Basta. Großes mit großen Namen steht auch an den drei Wiener Opernhäusern bevor. Für die Staatsoper hat Olga Neuwirth eine Virginia Woolf-Oper „Orlando“ komponiert (ab 8.12., mit Kate Lindsey und Constance Hauman). Der Name der Schriftstellerin mag es richten. Im Theater an der Wien hat Tenor- Star Piotr Beczała so lange gedrängelt, bis man ihm die polnische Nationaloper „Halka“ zugestand (ab 15.12., Regie: Mariusz Treliński). Er selber singt die Hauptrolle. Im Januar macht man für Marlis Petersen eine neue „Salome“ (Inszenierung: Nikolaus Habjan, ab 18.1.). In der Volksoper folgt mit dem monumentalen „König Karotte“ eine der selten aufgeführten Féerien von, immerhin: Jacques Offenbach (ab 23.11.).
Die Wiener Philharmoniker im Musikverein werden von Mariss Jansons (29.11. – 2.12., 5./6.1.), Riccardo Muti (6. – 9.12.) und John Williams (18./19.1.) dirigiert – sowie beim Neujahrskonzert von Andris Nelsons (im Fernsehen; Tickets aussichtslos). Muti führt auch sein Chicago Symphony Orchestra aus (11., 13./14.1.). Yevgeny Kissin spielt Beethoven (16.1.). Einen Meisterkurs gibt Klavier- Königsmacher Dmitri Bashkirov (8./9.2.). – Im Wiener Konzerthaus, mehr als konkurrenzfähig, dirigiert Santtu-Matias Rouvali die Wiener Symphoniker (4., 6.12.). Grigory Sokolov gibt seinen jährlichen Klavierabend (mit Mozart und Brahms, 5.12.). Ton Koopman bringt das Weihnachtsoratorium (10. und 11.12.), Vladimir Jurowski das London Philharmonic Orchestra (12.12.). Mezzo- Röhre Anita Rachvelishvili singt alles von Verdi bis Verismo (19.1.). Philippe Jaroussky wagt sich an Schubert (11.2.). Und Jan Lisiecki, ganz bei sich, spielt Klavier solo (27.1.). Wenn das nicht Namen sind … Ober, zahlen!Die Wiener Philharmoniker im Musikverein werden von Mariss Jansons (29.11. – 2.12., 5./6.1.), Riccardo Muti (6. – 9.12.) und John Williams (18./19.1.) dirigiert – sowie beim Neujahrskonzert von Andris Nelsons (im Fernsehen; Tickets aussichtslos). Muti führt auch sein Chicago Symphony Orchestra aus (11., 13./14.1.). Yevgeny Kissin spielt Beethoven (16.1.). Einen Meisterkurs gibt Klavier- Königsmacher Dmitri Bashkirov (8./9.2.). – Im Wiener Konzerthaus, mehr als konkurrenzfähig, dirigiert Santtu-Matias Rouvali die Wiener Symphoniker (4., 6.12.). Grigory Sokolov gibt seinen jährlichen Klavierabend (mit Mozart und Brahms, 5.12.). Ton Koopman bringt das Weihnachtsoratorium (10. und 11.12.), Vladimir Jurowski das London Philharmonic Orchestra (12.12.). Mezzo- Röhre Anita Rachvelishvili singt alles von Verdi bis Verismo (19.1.). Philippe Jaroussky wagt sich an Schubert (11.2.). Und Jan Lisiecki, ganz bei sich, spielt Klavier solo (27.1.). Wenn das nicht Namen sind … Ober, zahlen!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2019



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