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Musik-Krimi

Folge 39: Rühmanns Brille

Auf Hauptkommissar Reuters Schreibtisch lag ein Foto, das eine Brille zeigte. Die Gläser waren rund eingefasst, und sie sah alt aus. „Weswegen haben Sie mich hergebeten?“, fragte Stradivari. „Hat Ihr neuer Fall mit Musik zu tun? Wenn nicht, kann ich ja gleich wieder gehen.“
„Ich kann es noch nicht sagen … Diese Brille auf dem Foto ist jedenfalls sehr wertvoll. Sie kommt in einem berühmten Film vor. ‚Die drei von der Tankstelle‘ von 1930. Heinz Rühmann, der in dem Film mitspielte, hat sie darin getragen. Sie hat sich über den Krieg gerettet und ist heute Eigentum eines Sammlers. Sie wurde vor kurzem gestohlen.“ Stradivari lächelte. „In dem Film gibt es auch Musik“, sagte er. „Zum Beispiel dieses berühmte Lied ‚Ein guter Freund …‘ Aber …“ „Schon gut“, unterbrach Reuter. „Ich gebe zu, das fällt nicht in Ihr Fachgebiet. Das Lied ist keine klassische Musik, und es hat auch mit der Brille und ihrem Diebstahl nichts zu tun …“
„Wo ich schon mal da bin, kann ich auch versuchen, Ihnen zu helfen“, meinte der Doktor. „Haben Sie denn eine Spur?“ „Oh ja. Eigentlich sogar eine sehr gute. Aber dabei geht es wieder um ein Gebiet, das wohl nicht Ihres ist. Das Internet.“ „Lassen Sie es mal meine Sorge sein, ob ich Ihnen helfen kann oder nicht“, meinte Stradivari.
„Also gut. Die Brille wurde von einem Unbekannten im Darknet angeboten. Unsere IT-Abteilung sagt, dass sich drei Interessenten gemeldet haben. Einer davon hat die Brille wohl gekauft. Wir wissen aber nicht, wer von ihnen.“ „Überprüfen Sie alle drei und noch den Verkäufer, dann wissen Sie mehr“, schlug der Doktor vor. „Das geht leider nicht. Der Verkäufer ist sehr gut verschlüsselt. Von den Interessenten kennen wir nur die Spitznamen, die so genannten Nicknames. Das Verfahren, sie zu identifizieren, ist langwierig und teuer. Wir haben nur einen einzigen Versuch.“
„Wie nennen sie sich denn?“, fragte der Doktor. Der Hautkommissar las von einem Zettel ab: „‚Herzensbrecher‘, ‚Gilbertfan‘ und ‚Brühne‘. ‚Herzensbrecher‘ klingt nach dem Lied ‚Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n‘, das Rühmann gesungen hat. Und bei ‚Brühne‘ habe ich herausgefunden, dass ein gewisser Lothar Brühne dieses Lied komponiert hat. Es muss also einer von den beiden sein. Aber welcher?“ Stradivari dachte nach. Das war wirklich nicht ganz sein Fachgebiet. Doch dann kam ihm eine CD in den Sinn, über die er vor kurzem gelesen hatte. Sie enthielt Werke eines Komponisten, der nach seiner klassischen Ausbildung sinfonische Musik geschrieben hatte, dann aber zum Tonfilm gegangen war …
„Sie haben Unrecht“, sagte er schließlich. „Ich kann nicht garantieren, dass Sie Erfolg haben, aber ich würde es bei diesem ‚Gilbertfan‘ versuchen.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label Rondeau fünf Mal die neu erschienene Einspielung sinfonischer Werke des Komponisten Werner Richard Heymann, der auch als mitreißender Filmschlager-Komponist von sich reden machte. Es spielt das Capitol Symphony Orchestra unter Roland Böer. Einsendeschluss ist der 24. Januar 2020. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 5/2019:

Alles sieht nach einem Einbruchsdiebstahl aus – doch mit der Liste gestohlener Musikalien hat sich Antiquitätenhändler Urs Schnitzer verraten. Das im Zick-zack der Ziegel verlaufende Loch im Keller misst nie mehr als zwei Steine in der Breite, und Reuter hat schon Mühe, hindurchzukommen. Trompete, Flöte, LPs, alles kein Problem – aber ein stattlicher Kaiserbass, also eine Basstuba? Wohl kaum. Möglich, dass die notorisch klamme Tubistin als Preis für ihr Schweigen einem Versicherungsbetrug zugestimmt hat, der ihr unbezahltes Instrument abdecken soll. Das wird eine Vernehmung zeigen – doch Schnitzer muss auch so erst mal einiges erklären.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 6 / 2019



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