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Der stumme Komponist? Junge Menschen kennen Ludwig van Beethoven, aber nicht unbedingt seine Musik © pixabay.com

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Beethoven-Lese

Das Beethoven-Jahr 2020 ist noch nicht einmal zwei Wochen alt – und bereits jetzt leidet so mancher heftig daran. Kein Wunder. Denn ähnlich wie die Schoko-Industrie, die einen schon im Sommermonat August mit ihren Produkten aufs Weihnachtsfest einstimmt, bereiteten die Tonträgerindustrie, Konzertveranstalter und Verlage einen schon in den letzten Monaten von 2019 flächendeckend auf den wahren Beethoven-Hype vor. Dass es dennoch immer noch Bevölkerungsschichten gibt, die weiterhin kein Werk des Bonners rückwärts flöten können, geschweige kennen, ist daher kaum zu glauben. Ist aber so. Diesen ernüchternden Tatbestand hat jetzt eine repräsentative Umfrage zu Tage gebracht. Das Marktforschungsinstitut Yougov hat sich bei der Gruppe von über 18-Jährigen mal umgehört, wie verbreitet der Name „Beethoven“, aber auch sein Schaffen ist. Das Resultat: immerhin 95 Prozent der Befragten konnten mit seinem Namen etwas anfangen. Doch jeder Siebte musste leider zugeben, keine Stück von ihm zu kennen. Dafür hatten 74 Prozent der Befragten schon mal von der Neunten gehört.
Um dementsprechend vielleicht so nahe wie möglich an die 100 Prozent zu gelangen, gibt es also noch einiges zu tun. Und da sind natürlich Experten gefragt. Aber nicht nur Intendanten, Dramaturgen und PR-Spezialisten. Auch Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) machen sich bereits so ihre Gedanken darüber, wie man das Werbegesicht „Beethoven“ noch populärer und damit gewinnbringender einsetzen kann. Dafür hat man nun in Bonn für den 24. Januar eine kostenfreie Informationsveranstaltung anberaumt, die in der örtlichen IHK stattfindet. Da hält dann IHK-Geschäftsführer Professor Dr. Stephan Wimmers einen Impulsvortrag (also wenn der nicht zündet!) über „Beethoven für die Region Bonn/Rhein-Sieg und die regionale Wirtschaft“. Danach widmet man sich der „Marke Beethoven – geschätzt, geschützt und weiterentwickelt!“. Außerdem lauscht man Erfahrungsberichten von Unternehmern unter dem Motto „Was bedeutet Beethoven für mein Unternehmen?“ (nähere Infos und Anmeldung unter www.ihk-bonn.de).
Wer stattdessen Beethoven von einer etwas anderen Seite kennenlernen möchte, der fährt ab dem 25. Januar nach Regensburg, um sich die Oper „Minona“ anzuhören, die der estnische Komponist Jüri Reinvere über Beethovens Liebschaften geschrieben hat. Und nicht nur für die restlichen 26 Prozent, die noch nie etwas von der 9. Sinfonie gehört haben, hier noch ein Nachhörtipp: im SWR 2-Radio hat gerade der Komponist, Autor und Musikphilosoph Claus-Steffen Mahnkopf im Gespräch mit Dorothea Bossert fast eine Stunde lang dieses Schlüsselwerk der Musikgeschichte spannend neu entschlüsselt!

Guido Fischer



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