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Leidenschaftlicher Sachwalter der Neuen Musik: Reinbert de Leeuw † © Juri-Hiensch

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Schirmherr der Neuen Musik

Die Niederlande sind bekanntlich ein Paradies für Alte Musik-Fans. Und auch im Jazz hat sich bereits in den 1960er Jahren eine lebendige Szene entwickelt. Doch was Hege und Pflege der zeitgenössischen Musik angeht, da haben sie bis heute in Reinbert de Leeuw tatsächlich nur eine wirklich durchschlagende Stimme gehabt. Aber immerhin: Was der aus Amsterdam stammende Dirigent, Pianist, Komponist, Ensemblegründer und überhaupt Fach-Anwalt für alles Neue und Avancierte im letzten halben Jahrhundert von Konzertprojekten bis hin zu zahllosen Aufnahmen realisiert hat, war von der Vision geleitet, dass es eben auch in der Musik immer und immer weiter und vor allem nach vorne gehen muss. Und dass er sich dabei so ganz ohne musikideologische Scheuklappen das riesige Repertoire der klassischen bis jüngsten Moderne erkundete, sollte eine prachtvolle CD-Box exemplarisch dokumentieren 2006 kam ein grauer Pappkarton mit 25 CDs und DVDs heraus, in dem es von Schönberg bis Kagel, von Messiaen bis Stockhausen und von Antheil bis Henze so prominent wie musikalisch verzweigt bunt zuging.
Aufgenommen hatte de Leeuw alles vorrangig mit seinem Schönberg-Ensemble, das er 1974 gründete und mit dem er schon bald zum Stammgast nicht nur auf den internationalen Neue Musik-Festivals wurde, sondern ebenfalls immer mehr die großen Konzerthäuser eroberte. Diese erfolgreiche Arbeit setzte man auch ab 2008 fort, als man mit dem „Asko Ensemble“ zum „Asko|Schönberg-Ensemble“ verschmolz.
Glücklicherweise war Reinbert de Leeuws im höheren Alter unaufhörlich auch im Aufnahmestudio aktiv. Zu seinen letzten bedeutsamen Einspielungen gehört etwa György Kurtágs komplettes Schaffen für Ensemble und Chor. Und mit seiner Lieblingssängerin, der kanadischen Wahl-Niederländerin Barbara Hannigan hat er sich u.a. Erik Satie gewidmet, der zu seinen absoluten Lieblingskomponisten zählte. Im Alter von 81 Jahren ist Reinbert de Leeuw nun in Amsterdam verstorben. Ein Musiker, über den einst sein alter Freund Mauricio Kagel sagte, dass es für ihn nur eins gab: „Nur Musik, Musik machen, Musik hören, sich in Musik mit Haut und Haaren vertiefen.“

Guido Fischer



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