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Lang Lang und Leer: Mit einem Livestream rief das Konzerthaus Berlin u.a. auch um Unterstützung für die Kultur auf © Markus Werner

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Unterstützung!

Am vergangenen Mittwoch fand im Berliner Konzerthaus ein topbesetztes Konzert statt. Ohne anwesendes Publikum natürlich, Dafür konnte man per Live-Stream dabei sein, wie Lang Lang, Avi Avital und Daniel Hope einige Kostproben ihres Könnens und auch ein paar Statements zur Corona-Lage gaben. Und immerhin war es Hope, der seine Sorge um all jene freien Kollegen zum Ausdruck brachte, die nicht wie er ein goldenes und vor allem abgesichertes Musikerleben führen, sondern angesichts wegbrechender Engagements noch mehr als sonst ums Überleben kämpfen müssen. Was Hope damit meinte, hat gerade auch ein Artikel in der FAZ eindrücklich anhand diverser Fallbeispiele beschrieben. Dazu gehören selbst namhafte Solisten wie die Alte Musik-Expertin Katharina Bäuml und Top-Ensembles wie die Berliner Akademie für Alte Musik und das Frankfurter Ensemble Modern. Wobei speziell Christian Fausch, Geschäftsführer des in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiernden Ensemble Modern, auf einen Umstand hinweist, der den jetzt existenzbedrohlichen Krisenmodus noch verschärft hat: „Laut deutschem Zuwendungsrecht dürfen wir keine Rücklagen für schlechte Zeiten bilden. Das ist ein grandioser Fehler des Systems, der nun voll zuschlägt.“
Die freie Szene mit ihren zigtausenden Musikern steht dementsprechend kurz vor dem Abgrund. Um den drohenden Kollaps aber vielleicht doch noch abzuwenden, gibt es mittlerweile diverse Initiativen, Projekte und Aufrufe, die zumindest vorerst für einen gewissen finanziellen Schutzschirm sorgen wollen. So hat u.a. der Deutsche Musikrat den Hashtag #ichwillkeingeldzurück ins Leben gerufen, mit dem Ticketbesitzer gebeten werden, „auf die Rückerstattung ihrer bereits bezahlten Tickets für ausgefallene Veranstaltungen zu verzichten. Durch diese solidarische Geste können die Veranstalter zumindest längst gebuchte Reisen und ein Ausfallhonorar für betroffene Künstlerinnen und Künstler bezahlen.“ Zugleich hat der Deutsche Musikrat einen Appell an die Kirchen formuliert, auch dann die vereinbarten Honorare auszuzahlen, wenn diese abgesagt werden.
Um den Musikern eine gewisse Sicherheit bis zur hoffentlich raschen Entwicklung eines Impfstoffs zu geben, wird nun auch wieder die Frage nach einem bedingungslosen Grundeinkommen für die Zeit der Coronakrise diskutiert – doch nicht allein das: Auf der Plattform „Change.org“ haben innerhalb nur weniger Tage mehr als 250.000 Selbstständige eine an Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier gerichtete Petition unterschrieben. Jeder Person sollte da für sechs Monate ein Grundeinkommen von 800-1200€ zur Verfügung gestellt werden - „schnell, unbürokratisch, zeitlich begrenzt. DAS würde den sozialen Absturz Tausender verhindern und gleichzeitig die Kaufkraft im Land erhalten.“
Bis darüber aber eine Entscheidung gefällt wird, ist Solidarität und die helfende private Hand gefragt. Genau das verbirgt sich auch hinter einem von der Deutschen Orchester-Stiftung eingerichteten Nothilfefond, der Geld für besonders bedürftige Musikerinnen und Musiker sammelt. Und dass es davon viele gibt, verdeutlicht eine von der Künstlersozialkasse veröffentlichte Zahl: so gibt es in Deutschland rund 54.000 freischaffende Musiker, die jährlich mit einem Durchschnittseinkommen von lediglich 14.500 Euro über die Runden kommen müssen.

Guido Fischer



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