Startseite · Klartext · Pasticcio

Ohne großes Theater: Kostümabteilungen in Mundschutzproduktion (Illustration) © pixabay.com

Pasticcio

Helfende Hände

Man hofft ja fast täglich, dass ein überschlauer Labor-Miraculix plötzlich mit einem Zaubertrank bzw. Impfstoff um die Ecke kommt, mit dem der ganze Corona-Spuk dann auf einen Schlag vorbei ist. Doch nüchtern betrachtet, scheint alles sogar noch dramatischer zu werden. Was auch für all jene Berufsgruppen gilt, die schon jetzt am Rande des existenziellen Absturzes balancieren. Dass es im Bereich der Kulturschaffenden düster aussieht, bestätigt nun eine Studie des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Danach erwartet die Bundesregierung Umsatzeinbußen der Kultur- und Kreativwirtschaft von bis zu rund 28 Milliarden Euro – wobei die Musikwirtschaft möglicherweise Einschnitte bis zu 5,1 Milliarden Euro verkraften muss. Besonders getroffen sind davon all die freischaffenden Musiker, denen auf einen Schlag die kompletten Einnahmen weggebrochen sind. Um zumindest ein Zeichen der Solidarität zu setzen, melden sich daher inzwischen immer mehr Orchester, die Geld in den von der Deutschen Orchesterstiftung ins Leben gerufenen Nothilfefonds einzahlen. So haben etwa gerade die Musiker der Dresdner Philharmonie 10.000 Euro gespendet. Die Staatskapelle Dresden will hingegen mit mindestens 20.000 Euro Aushilfen des Orchesters sowie Mitglieder der Nachwuchsakademie unterstützen.
Natürlich fällt auch bei den auf unbestimmte Zeit geschlossenen Theatern und Opernhäusern für viele Freie jetzt eine wichtige Geldquelle weg. Davon betroffen sind viele jener über immerhin 700 Mitarbeiter der Bayreuther Festspiele. Tatsächlich musste selbst dieses traditionsreiche Festival-Flaggschiff nun seine komplette Sommerspielzeit absagen.
Dass Not erfinderisch macht, stellen aber mittlerweile immer öfters auch die flinken Hände hinter den großen Theater- und Opernkulissen unter Beweis. So lassen etwa in Freiburg, Trier, Koblenz, Bonn und Berlin die Mitarbeiter der Kostümabteilung ihre Nähmaschinen auf Hochtouren rotieren, um am laufenden Band Mund-Nasen-Masken für die örtlichen Kliniken, aber auch für Hospize, die Feuerwehr sowie Pflege- und Altenheime zu produzieren.
Dass man in dieser livemusik-losen Zeit trotzdem nicht ganz ohne große Musikstunden auskommen muss, ist dem Internet zu verdanken. Und da haben jetzt führende europäische Konzerthäuser ein digitales Programm auf die Beine gestellt, das sich hören und sehen lassen kann. So streamen u.a. die Philharmonien aus Köln und Hamburg, das Concertgebouw in Amsterdam sowie das Wiener Konzerthaus täglich um 20 Uhr einen Konzertmitschnitt mit prominenten Musikern. Abzurufen ist der Stream auf allen Facebook-Seiten der teilnehmenden Konzerthäuser. Zu schade daher, dass auf der Website der dafür verantwortlichen „European Concert Hall Organisation“ (ECHO) bisher nichts Näheres über die kommenden Termine zu erfahren ist. Da müsste unbedingt nachgebessert werden.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Fanfare

Proben, Pleiten und Premieren: Höhepunkte in Oper und Konzert

„Die Entarteten“: Eben war es möglich, in Lyon und Berlin zwei der bedeutendsten Werke jener […]
zum Artikel »

Gefragt

Bruno Monsaingeon

Nahaufnahmen

Im Dezember feierte der Geiger, Dirigent, Musikschriftsteller und Filmemacher seinen 70. Geburtstag […]
zum Artikel »




Top