home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Immer noch ein Geheimtipp

Er war der Sohn einer Klavierlegende. Trotzdem ließ sich Peter Serkin vom langen Schatten seines Vaters Rudolf nicht davon abhalten, eine eigene Pianistenkarriere zu versuchen. Und: Es sollte klappen. Noch während seiner Studien bei Mieczysław Horszowski und Stefan Wolpe gab Serkin jr. als 12-Jähriger sein Debüt mit einem Haydn-Klavierkonzert. Und im Laufe seiner Karriere konzertierte er nicht nur mit Größen wie Abbado, Boulez und Ozawa. Peter Serkin erspielte sich ein riesiges Repertoire, bei dem immer auch die jüngste und jüngere Moderne einen wichtigen Platz einnahm. Was für ein ungemein expressiver und zugleich reflektierter Musiker Serkin war, bewies er immer wieder live auch in Deutschland. So gab er vor wenigen Jahren in Köln ein bemerkenswertes Recital mit Werken von Sweelinck über Mozart und Beethoven bis hin zu Max Reger. Am 1. Februar verstarb der Amerikaner im Alter von 72 Jahren. Kurz zuvor hatte Serkin jedoch noch die Möglichkeit, die geplante Veröffentlichung seiner vielen Einspielungen für das Label RCA zu betreuen. Nun ist diese Box postum erschienen. Und die insgesamt 35 CDs bilden das Porträt eines Musikers, der erstaunlicherweise Zeit seines Lebens diesseits des Atlantiks immer noch als Geheimtipp gehandelt wurde. Neben Einspielungen auch der großen Variationszyklen von Bach und Beethoven sowie seinem Faible für Mozart und Chopin ist Serkin vor allem als Teamplayer zu erleben. Mit Alexander Schneider und Isaac Stern etwa sind ihm Sternstunden in Sachen Mozart und Berg gelungen. Mit Pablo Casals entstanden herrlich luftige Bach-Einspielungen. Und in der zeitgenössischen Musik fühlte sich Peter Serkin unüberhörbar in seinem Element – ob mit seinem Ensemble Tashi oder in den filigranen Klavierwelten des Japaners Takemitsu. Kaum zu glauben, dass Peter Serkin im Vorfeld der CD-Box-Produktion zunächst nicht unbedingt an den Wert so mancher Aufnahmen glaubte, wie eine Notiz von ihm im Booklet bezeugt. Doch nach erneutem Abhören war er wieder von ihnen begeistert – zu Recht!


Peter Serkin: The Complete RCA Album Collection, 35 CDs

RCA/Sony Classical

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 3 / 2020



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Intendanten von morgen

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Auf der Seite des „Deutschen Musikinformationszentrums“ erfährt man haarklein in Zahlen und […]
zum Artikel

Pasticcio

Einfach mal drauf…

Da hat Anna Netrebko ein großes Herz gezeigt und eine stolze Million für einen guten Zweck […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top