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(c) Marco Borggreve

Internationales Musikfestival Koblenz

Rhein-Romantik

Zum siebten Mal findet 2020 das vom Cellisten Benedict Kloeckner gegründete Musikfestival Koblenz statt. Diesmal trotzt es Open Air der Krise.

Gibt es das wirklich, das schwarze Festivalloch, gleich hinter dem Rheingau und seinem für gewöhnlich übervollen Musiksommer? Nein, denn ein wenig weiter rheinabwärts, am Mosel-Zufluss, liegt Koblenz. Und hier, am von der Festung Ehrenbreitenstein und dem reitenden Bronze-Wilhelm I. markierten Deutschen Eck, da tönt es seit einigen Jahren auch weniger martialisch, um nicht zu sagen: harmonisch. Zum siebten Mal findet dort und in der sanft über die Hügel sich schwingenden Umgebung nämlich das liebevoll IMUKO abgekürzte Internationale Musikfestival Koblenz statt. Ja, es findet statt, auch in Corona-Zeiten, intimer und draußen, aber doch mit einer schönen Anzahl von Konzerten – wie immer konzentriert auf die Wochenenden, vom 4. Juli bis zum 29. September.
Seit einigen Jahren ist das zarte Kulturpflänzchen, das von privaten Förderern gepäppelt, aber auch von der von Anfang an enthusiastischen „Rheinpfalz“ medial wohlwollend begleitet wurde, auch vom Bundesland Rheinland-Pfalz als zuschusswürdig befunden worden. Und so lässt sich auf der Homepage auch die Ministerpräsidentin Malu Dreyer aufmunternd vernehmen: „Die Freude über die Veranstaltung ist in diesem Jahr besonders groß, denn gerade in Zeiten wie diesen, ist die Musik ein bewährtes Mittel, um den Herausforderungen des Alltags für einen Moment zu entrücken. Auch wenn die Konzerte unter ungewöhnlichen Bedingungen stattfinden, bleibt das vertraute, hohe musikalische Niveau erhalten.“
IMUKO, das sind anspruchsvolle Musikerlebnisse der Spitzenklasse: Junge Talente, oftmals gespeist aus dem offenbar unerschöpflichen Genpool der Kronberg Akademy im Taunus, wechseln sich neben Spitzenstars der internationalen klassischen Musikszene auf den diversen Bühne ab. Und das gern kommende Publikum zeigt sich von ihrem virtuosen Spiel verzaubert.

Freiluftkonzerte

Dieses Jahr aber wird für die Gäste beste musikalische Unterhaltung unter freiem Himmel an den schönsten Orten des Rheintals geboten. Man wagt sich sogar bis ins Rheingau-Terrain, in den Kreuzgang von Kloster Eberbach. Auch Schloss Vollrad, Schloss Burg Namedy und Fort Fürst Konstantin sind dieses Jahr Spielorte, erstmals auch eine besondere Perle im Unesco-Kulturerbe Oberes Mittelrheintal – die Loreley, die sonst meist mit großen Popacts ausgebucht ist. Für diejenigen Musikliebhaber, die nicht zu den Konzerten kommen können, oder wegen der wenigen Karten keine bekommen haben, gibt es zudem die Möglichkeit, alle Programme live über das Internet für einen verminderten Ticketpreis auf stage-hub.com mitverfolgen zu können.
Das internationale Musikfestival ist ein Baby des umtriebigen Cellisten Benedict Kloeckner. Obwohl der Vielgefragte längst in Paris lebt, wollte er seiner Heimatstadt etwas zurückgeben. „Es ist so schön hier, das soll die Musikwelt ruhig erfahren. Und zu den Koblenzern möchte ich im Austausch tolle Künstler bringen. Mit vielen bin ich schon lange freundschaftlich verbunden. Hier musiziert also eine auf Zeit erweiterte Family.“ Als Gründer und künstlerischer Direktor des Festivals beweist Benedict Kloeckner nicht nur als Musiker auf der Bühne, sondern auch als Organisator hinter den Kulissen große Kreativität und Improvisationskunst – die dieses Jahr besonders gefragt war, da binnen Kürze ein komplettes, der Pandemie trotzendes Ersatzprogramm zu entwerfen war. „Um solches Wirklichkeit werden zu lassen, braucht es viele helfende Hände. Deshalb sei an dieser Stelle insbesondere den vielen ehrenamtlichen Unterstützern und Unterstützerinnen gedankt“, tritt Kloeckner gleich in die zweite Reihe, „aber auch weil viele Künstler sofort bereit waren, um- und neuzudisponieren, war solches überhaupt möglich. Da ich auch schon öfters auf Open-Air-Festivals wie etwa auf Lesbos in dem wunderbaren Dorf Molyvos, gespielt habe, besitze ich auch vollstes Vertrauen in die Technik. Wenn das Wetter mitspielt, dann kann auch dieses IMUKO nicht nur ungewöhnlich, sondern auch unvergesslich werde.“
Wie stets für Kloeckner gilt auch 2020 das Motto des legendären Cellisten Pablo Casals: „Kunst und Menschlichkeit sind untrennbar“. Und deshalb wurden dieses Jahr die Konzerte mit „Klänge des Lichts“ überschrieben. Sie wollen eine Antwort auf Herausforderungen der aktuellen Zeit versuchen, einen interkulturellen Dialog, der drei Jahrhunderte und sechs Kontinente umfasst. Deshalb haben Komponisten als Echo auf die weltweite Krisenzeit speziell Werke geschrieben. Und Stars wie Benjamin Grosvenor, Hyeyoon Park, Tianwa Yang, Kirill Troussov, Yury Revich, Diana Tishchenko, Danae Dörken und Louis Schwizgebel sind dabei, mit Ragnhild Hemsing sogar eine Virtuosin der norwegischen Hardangerfiedel. Da wird es sicher den einen oder anderen „Lichtblick“ geben.

Weitere Informationen:
www.internationales-musikfestival-koblenz.de


Benedict Kloeckner

1Seine künstlerische Ausbildung erhielt der gebürtige Koblenzer Benedict Kloeckner in Karlsruhe sowie im Masterstudiengang der Kronberg Academy. Wichtige Impulse und wertvolle Unterstützung für seine künstlerische Entwicklung erhielt er von Gidon Kremer, Steven Isserlis, Michael Sanderling und Sir András Schiff. „Außergewöhnlich, wirklich bemerkenswertes, perfektes Spiel! Absolute Kontrolle über die Technik, die Intonation und die Klangfarbe“ – so schwärmt Daniel Barenboim über ihn. Von der Stiftung Musikleben wurde ihm ein Violoncello von Francesco Rugeri (1680) zugesprochen. Seine zehn CD-Einspielungen wurden von der internationalen Presse hochgelobt und für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 3 / 2020



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