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Das war einmal: Die für Molyvos typische Nähe zum Publikum auf der Insel muss in Corona-Zeiten anders entstehen (c) Molyvos International Music Festival/ Olga Saliampoukou

Danae und Kiveli Dörken

Ein Symbol der Hoffnung

Das Molyvos International Music Festival findet im sechsten Jahr unter dem Motto „Synchronicity“ in veränderter Form statt – zeitgleich in Deutschland und Griechenland.

Am äußersten Rand von Europa, auf der griechischen Insel Lesbos kurz vor der türkischen Küste, findet seit 2015 das Molyvos International Music Festival statt. Vor der Kulisse der byzantinischen Burg von Molyvos fanden sich vor Corona jedes Jahr eine Schar von hochkarätigen MusikerInnen ein, um mit den beiden Gründerinnen des Festivals, den Pianistinnen Danae und Kiveli Dörken Raritäten der Kammermusik zu präsentieren.
Im letzten Jahr waren es 26 MusikerInnen, die ihre Konzertprogramme erst hier auf der Insel erarbeiteten. Die Blaupause des Festivals ist das von Lars Vogt initiierte Festival „Spannungen“ in Heimbach, das dessen Schülerinnen Danae und Kiveli inspirierte, Musik auf die Insel zu bringen. Auf Lesbos verbrachten die Schwestern stets ihre Ferien im Haus der Großmutter. Wie Lars Vogt laden sie befreundete MusikerInnen ein, das Festival ist kein Star-Zirkus der festen Tourprogramme, sondern ein Festival, bei dem der Probenprozess und das Miteinander im Mittelpunkt stehen. Die Musiker kommen dort ganz zu sich. Danae Dörken kann das bestätigen: „Das ist vielleicht die Essenz des Musikmachens, weg vom Musik-Betrieb. Wir wollen eine Zeit im Jahr, in der es es wirklich nur darum geht. Die Musiker sind offen für Stücke, die sie vorher noch nie gespielt haben. Man muss sich wirklich darauf einlassen. Und wenn man das tut, dann entstehen magische Momente.“
In diesem Jahr freilich ist durch Corona alles anders. Den Umständen angepasst ist das neue Motto „Synchronicity“, das drei Konzerte in Stuttgart und auf der Insel bietet und via Live-Streamings auf den gängigen sozialen Plattformen kostenlos gesehen werden kann. Die Schwestern sehen im Festival 2020 eine Fortsetzung der ursprünglichen Idee: „Es war schon immer ein Symbol der Hoffnung und der Beharrlichkeit in schwierigen Zeiten. Bereits in der Vergangenheit war es dem Festival ein wichtiges Anliegen, eine positive Gegenkraft von herausfordernden Zeiten darzustellen.“ Das Gründungsjahr 2015 markierte den Beginn der Flüchtlingskrise, auf der völlig unvorbereiteten Insel Lesbos trafen Tausende von Flüchtlingen ein. Das Festival setzte sich damals spontan mit der Situation auseinander und spielte auch für die Flüchtlinge. Auch mit dem diesjährigen Festival wollen die Macherinnen der Krise trotzen. Danae Dörken ist überzeugt: „In Zeiten, in denen es noch nie wichtiger war, physische Distanz zu wahren, bringt Musik uns einander näher. Sie erzeugt Verbundenheit in einer Zeit, in der unser Leben von Spaltung bestimmt ist.“
Erneut setzt das nun binational aufgeführte Programm auf selten oder nie zu hörende Kammermusik unter anderem von Robert Schumann, Benjamin Britten, Kinan Azmeh, Oliver Truan, Kelly-Marie Murphy, Mikis Theodorakis, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Einen Höhepunkt bildet die Uraufführung der Auftragskomposition „Moments“: Die Piano-Schwestern baten Kinder aus Flüchtlingsklassen darum, Klänge eigener Wahl aufzunehmen. Aus den neun Beiträgen wurde ein Tape erstellt, zu dem Nickos Harizanos ein parallel aufzuführendes Werk für klassische Instrumente komponierte.
molyvosfestival.com

Regine Müller, RONDO Ausgabe 3 / 2020



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