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(c) Thomas Ernst

Capella de la Torre

Im Mutterboden der Musik

Mit „Earth Music“ beschließt das Renaissance-Ensemble seinen erfolgreichen Themenzyklus über die vier Elemente.

Katharina Bäuml hat in den letzten Jahren viel gesehen und erlebt. Gemeinsam mit ihrem Ensemble Cappella de la Torre, das sich der Renaissance-Musik in allen Schattierungen und Varianten verschrieben hat, durfte die versierte Oboen- und Schalmeispielerin zum Himmel hoch steigen, sich nass machen und rösten lassen, zuletzt wandelte sie über Flure und wühlte sich in die Tiefe. Denn nachdem sie und die Ihren eine thematische Konzert-Erkundung in das feuchte Element des Wassers geführt hatte, man sich benetzt, aber eben auch rettungslos angefixt hatte, sollte die Klangreise auf der Suche nach dem Tönen der vier Elemente weitergehen. So entstanden zwei weitere vielgelobte Alben zu den Themen „Feuer“ und „Luft“. Nun endlich wird dieses elementarische Klangereignis mit „Erde“ abgeschlossen. Als „Erzählungen von Silber, Gold und anderen unterirdischen Geheimnissen“. „Mir ist immer noch mulmig, wenn ich an die letzten Februartage denke, als wir die Aufnahmesitzungen abgeschlossen hatten. Denn da stand Corona schon als Bedrohung im Raum“, erinnert sich die herzliche Katharina Bäuml. „Wir haben gerade noch den Torschluss hinbekommen, sonst wäre es ein Desaster geworden, schließlich ist ,Erde‘ mit 25 Mitwirkenden, darunter gleich acht Solisten vom RIAS Kammerchor, unser bisher aufwendigstes Projekt.“ Aber auch eines das besonders viel Spaß gemacht hat, wie die couragierte Ensemble-Chefin erklärt, die ihre Spieler durch den Lockdown manövriert hat und jetzt, wie die meisten Musiker, jedem Konzert entgegenlechzt: „Obwohl leider in einer zweiten Welle wieder viel abgesagt wird, weil die Veranstalter Angst haben.“ So kann sie sich immerhin an dieses großartige Themen-Kleeblatt halten, dass von dem Spürsinn und dem la-Torre-Können gleichermaßen kündet. Das Suchen, längst war sie im Flow, hat noch mal besonders viel Spaß gemacht. Leider musste am Ende wieder viel aussortiert werden, bis so ein Programm ausbalanciert ist, abwechslungsreich klingt und alle Mitwirkenden zu tun haben. Besonders stolz ist sie über die Bandbreite von ganz groß bis klein, wenn einmal nur eine einsame Bassstimme singt. Variantenreich gespannt ist neuerlich der Bogen der Vokal- und Instrumentalwerke aus der Renaissance- und Barockmusik von Komponisten wie Giovanni Gabrieli, Cristofano Malvezzi, Giovanni Giacomo Gastoldi, Guillaume de Costeley, William Byrd, Francesco Cavalli, Anthony Holborne und Michael Praetorius. Sechs Kapitel umfasst diesmal ihre Erzählung in Klängen, von der Schöpfung und der „nährenden Erde“ geht es in die Tiefe (mit Melchior Franks „Das Bergwerk wolln wir preisen“) bis hin zu „Erde und ihre ganze Fülle“. Die spektakuläre Psalmvertonung von Schütz’ „Domini est terra et plenitudo ejus“, wenn auch vielleicht nicht authentisch, wollte Katharina Bäuml übrigens aufnehmen seit sie die als kleines Kind erstmals gehört hat. Und ja, vielleicht folgt sozusagen als fünftes Element noch ein Seuchen- und Pest-Album. Ein solches Programm hat man vor Jahren schon ersonnen. Klarsichtig, wie sich nun zeigt.

Earth Music (Tales of Silver, Gold and other subterranean Secrets)

Katharina Bäuml, Capella de la Torre

dhm/Sony

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 4 / 2020



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