Startseite · Klartext · Pasticcio

Der Tod als Endzweck des Lebens: Einer der drei neu erworbenen Mozart-Briefe im Salzburger Mozarteum © Digitale Mozart-Edition/ Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg, Bibliotheca Mozartiana

Pasticcio

Abschiedsbriefe

Als „Picasso der Kinder“ wurde der amerikanische Illustrator Maurice Sendak einmal bezeichnet. Und in dieser Funktion baute Sendak auch mit seinen populären Büchern wie „Wo die wilden Kerle wohnen“ ein Vermögen auf, mit dem er sich besondere Wünsche erfüllen konnte. Wie den Erwerb von gleich drei Briefen aus der Feder Mozarts. Nun gut – man weiß zwar nicht, was für eine Summe Sendak dafür einst hingeblättert hat. Aber sicherlich wird jetzt seine Familie um ein Vielfaches mehr für diese drei wertvollen Dokumente erhalten haben. Für „mehrere 100.000 Euro“ hat das Salzburger Mozarteum nämlich die Briefe ersteigert. Alle drei Schriftstücke waren zwar bekannt. Aber eben bislang für die Forschung nicht zugänglich. Nun aber hat man sie im Besitz.
Zu den Neuerwerbungen gehört da ein Brief von Mozart an seine Frau Constanze aus Prag, den er 1789 im Rahmen einer Reise nach Berlin, Dresden und Leipzig geschrieben hat. Zudem gibt es einen Brief von 1770 und aus der Feder von Vater Leopold an seine Frau Anna Maria, an dessen Ende der 14-jährige Wolferl Grüße an seine „carissima sorella“ Nannerl notierte. Das aber wertvollste Stück stammt vom 4. April 1787, mit dem sich Mozart rückblickend von seinem schwerkranken Vater Leopold verabschiedete. Darin schrieb Mozart: „da der Tod |: genau zu nemen :| der wahre Endzweck unsers Lebens ist, so habe ich mich seit ein Paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, daß sein Bild nicht allein nichts schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel beruhigendes und tröstendes!“
Dass Mozart den Brief nicht nur mit seinem Namen und dem Kürzel „manu propria“ unterschrieben hat, sondern noch ein Freimaurerzeichen - zwei ineinander verschlungene Dreiecke - angefügt habe, sei neu, so der Mozart-Experte Ulrich Leisinger. Das Original mache nun deutlich, dass dieser Brief von der Freimaurerei beeinflusst gewesen war, ergänzt der Präsident der Internationalen Stiftung Mozarteum, Johannes Honsig-Erlenburg. Mozart nehme damit eigentlich nicht als Sohn von seinem Vater Abschied, sondern als Bruder zu Bruder.
Einen ebenfalls berührenden Brief, der sich um das Leid eines schwerkranken Vaters dreht, konnte nun auch das Lübecker Brahms-Institut ersteigern. Er stammt aus dem Jahr 1872. Und in dem Brief berichtet Johannes Brahms seiner Jugendliebe Bertha Faber vom Besuch seines todkranken Vaters in Hamburg: „Ich sehe wenigstens daß m. Vater nicht von Schmerzen geplagt ist […]. Bisweilen plaudert m. Vater auch ein weniges u. hört auch zu.“ Dieser bislang unbekannte Brief stammt aus dem Nachlass des polnischen Pianisten und Komponisten Wladyslaw Szpilman. Und wie Institutschef Wolfgang Sandberger verriet, wurde er für (geradezu lächerliche) 6.000. Euro ersteigert.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Charlie Siem

Mit Schirm, Charme und Violine

Der englische Geiger macht nicht nur auf dem Griffbrett Bella Figura. Nebenbei modelt Siem für […]
zum Artikel »

Pasticcio

Anlagemöglichkeiten

Jahr für Jahr, und das nicht nur zur besten Bayreuther Festspielzeit, quält die […]
zum Artikel »




Top