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(c) Astrid Ackermann

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Die Sopranistin Fatma Said (*1991), Tochter eines ägyptischen Politikers, glaubt, dass sie Ähnlichkeit mit der Nofretete hat. „Mir ist häufig gesagt worden, ich hätte dieselben Augenbrauen und dieselben schönen Augen. Ich kann mir kein größeres Kompliment vorstellen“, so Said über den Vergleich mit der Gemahlin des altägyptischen Königs Echnaton. In Berlin, wo sie lebt, habe sie die erste Gelegenheit wahrgenommen, um die berühmte Kalkstein-Büste zu besuchen. Gutes Aussehen rangiere für sie allerdings weit hinter Fitness. „Der Beruf, den wir ausüben, ist viel zu anstrengend geworden, als dass man sich die geringste körperliche Schwäche leisten kann.“

Der Opern-Dirigent James Levine kassierte nach seinem Crash mit der Metropolitan Opera eine Abfindungs-Summe von 3,5 Millionen Dollar. Das erfuhr die New York Times. Die Komponistin und Siemens-Preisträgerin

Rebecca Saunders hat während des Lockdowns ihren Arbeitsplatz in Berlin-Prenzlauer Berg kaum verlassen. „Ich war in diesem Zimmer, die ganze Zeit“, so die 52-Jährige. „Alle Werke seit 23 Jahren habe ich in diesem Raum komponiert. In Klausur.“ Beim Musikfest Berlin wurden von ihr jüngst nicht weniger als 16 Stücke aufgeführt.

Der schwedische Wagner-Sänger John Lundgren, derzeit Wotan in der neuen Berliner „Walküre“ (Inszenierung: Stefan Herheim), hat von seinem Beruf als Sozialarbeiter für die Oper gelernt. „Ich bin im Knast großen Operngefühlen begegnet und weiß, dass man nicht alle Probleme zugleich lösen kann – auch nicht die von verrückten, vielleicht hysterischen Opernsängern, die es natürlich wirklich gibt.“ Ursprünglich, mit 13 Jahren, hatte er Leichenbestatter werden wollen. „Als mein Großvater starb, empfand ich seine Beerdigung als eine sehr würdige, wenn nicht schöne Veranstaltung. Sehr respektvoll.“ Stattdessen wurde er Opernsänger.

Der Star-Flötist Emmanuel Pahud (50) glaubt, dass die Flöte das erotischste Instrument von allen ist, weil man es „mit offenen Lippen spielen kann“. Das sagte er dem Stadtmagazin „tip“. „Ich selber bin beim Spielen allerdings viel zu sehr beschäftigt, um den Klang erotisch zu finden.“ Obwohl die Flöte sogar ein irgendwie phallisches Instrument sei, glaube er nicht, dass sie bald verboten wird. „Das würde den Reiz der Flöte doch nur erhöhen!“

Der brasilianische Tenor Martin Muehle, ein vielgefragter Otello, Calàf und Andrea Chenier, wollte das Singen eigentlich aufgeben. Das Studium in Lübeck habe er mit dem Ergebnis abgeschlossen, „dass ich mich immer kleiner fühlte“, so Muehle. Danach kamen „alle möglichen kleinen Meister in den Meistersingern und der Erste Gralsritter im Parsifal. Mein Höhepunkt war 2009 der Narraboth in Salome in Toulouse und Palermo. Ich steckte fest und wollte nicht mehr singen.“ Befreien konnte er sich erst, als er anfing Gesangsunterricht zu geben. „Ich habe von meinen Schülern mehr gelernt als von meinen Lehrern.“ Der Durchbruch kam als Verdis „Stiffelio“ in Mannheim. Helfen musste er sich selber.

Die Sopranistin Lucia Aliberti (63) hat ein problematisches Verhältnis zur Opern-Ausstattung: „Ich mag keine kurzen Kleider“, so Aliberti in Messina, wo sie zurückgezogen lebt. „Norma in blue jeans: Nichts für mich!“ Heute sei sie „hauptberuflich Tante“, so die Sängerin über die Liebe zu ihren Nichten Constanca und Matilde. In den 80er-Jahren galt sie als eine Art Callas-Nachfolgerin, die sogar das Interesse Karajans weckte. „Das griechische Profil, die Nase, all das waren schon Dinge von mir, bei denen man an Maria Callas denken kann.“ Ansonsten sei der Vergleich eine „Waffe“ gewesen, mit der man gegen sie vorging. „Es hat mir viel Probleme gemacht“, so Aliberti. „Ach, ich vermisse Deutschland!“, seufzt sie. Vor drei Jahren feierte sie ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einer Gala im Berliner Konzerthaus. Und sagte den Opern-Auftritten ade.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2020



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