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Blick zurück nach vorn: Das Ensemble Modern mit Enno Poppe © Kai Bienert

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„Los, einfach machen!“

Erstaunlich ist es rückblickend schon. Da mauserte sich die Bundesrepublik ab Ende der 1940er Jahre zu einer der international florierendsten (manche meinen sogar: zu einer der wichtigsten) Landschaften für zeitgenössische Musik. Trotzdem brauchte es sage und schreibe drei Jahrzehnte, bis sich endlich mit dem Ensemble Modern ein Team gründete, das die Neue Musik zur künstlerischen Chefsache machen sollte. Angestoßen hatte dieses scheinbare Wagnis der Komponist und Dirigent Hans Zender. Und wie man sofort die avancierteste Moderne ins Visier nahm, spiegelt das Programm des Gründungskonzerts am 30. Oktober 1980 wider. Neben Werken von Schönberg und Webern spielten die jungen und eben enorm neugierigen Musiker Mathias Spahlingers „Phonophobie“ sowie Friedrich Goldmanns „Konzert für Posaune und drei Instrumentalgruppen“.
Genau 40 Jahre und auch unzählige Uraufführungen später ist das im hessischen Frankfurt beheimate Ensemble Modern weiterhin eine Bank für musikalische Abenteuerrouten. Was sich auch in der ständig anwachsenden Diskografie mit zum Teil längst legendären Aufnahmen widerspiegelt. Dazu gehört etwa Heiner Goebbels „Eislermaterial“ mit Josef Bierbichler genauso wie Schuberts „Winterreise“ in der Neufassung von Hans Zender. Außerdem ragt auch „Yellow Shark“ heraus. Dieses mit Frank Zappa aufgenommene Album, auf das im Jahr 2000 mit „Greggery Peccary & Other Persuasions“ eine zweite Zappa-Hommage folgen sollte.
Schon bald wird aber ein Doppel-Album erscheinen, auf dem gleich 40 neue Werke zu hören sind, die extra für das Ensemble Modern geschrieben wurden. „Beschenkt“ lautet der Titel und versammelt alle 40 Klangpräsente, die von engen Komponistenfreunden anlässlich des 40. Geburtstags des EM entstanden sind. Peter Eötvös, Brian Ferneyhough und Wolfgang Rihm gratulieren da, aber auch Enno Poppe, Rebecca Saunders sowie Brigitta Muntendorf, die kürzlich den Geist und Motor des EM kurz und knapp mit dem Satz charakterisiert hat: „Los, einfach machen!“
Wer dieses Klangbouquet live erleben will, der hat dazu am 9. Dezember die Gelegenheit, wenn Ingo Metzmacher das Ensemble Modern im Rahmen eines Festakts in der Alten Oper zu Frankfurt dirigiert (auch als Live-Stream digital zu sehen ). Vorher gibt es hier (am 13.11.) sowie eine Woche zuvor in der Essener Philharmonie (am 7.11.) die Gelegenheit, das Ensemble Modern mit einem (natürlich) außergewöhnlichen Programm zu erleben. Es lautet „Afro-Modernism In Contemporary Music“ und präsentiert brandneue Werke von zeitgenössischen schwarzen Komponisten und Komponistinnen.

Guido Fischer



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