Startseite · Klartext · Pasticcio

So ein Aufriss: Das denkmalgeschützte Opernhaus Stuttgart muss saniert werden © Matthias Baus/Staatsoper Stuttgart

Pasticcio

57 Bürger & eine Milliarde!

Ein Blick ins digitale Zeitungsarchiv lohnt immer. Dann wird einem nämlich jedes Mal wieder schlagartig klar, wie locker Finanzdecken auch im Kulturbetrieb eingerissen werden. Die Elbphilharmonie war gestern. Heute ist es das Stuttgarter Opernhaus. Mehr als nur in die Jahren gekommen ist der Bau. Weshalb er rundum saniert werden muss. Als nun 2015 die ersten Pläne in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, vermeldete die „Stuttgarter Zeitung“ am 9. Juni, dass in der Landeshauptstadt des angeblichen Sparer-Eldorados Baden-Württemberg schon die ersten Kostenschätzungen kalter Kaffee waren. Statt der geplanten rund 320 Millionen Euro stand nun eine Summe von 400 Millionen im Raum. Fünf Jahre später ist nun diese Marke gleich im ganz großen Stil gerissen worden. So geht man davon aus, dass das Gesamtpaket von Sanierung und Umzug in eine dann nötige Alternativspielstätte rund 1 Milliarde Euro verschlingen wird.
Nun wurde einmal mehr auch über bautechnische Details diskutiert. Zu diesen wichtigen Eingriffen bzw. Neuerungen gehört eine Kreuzbühne, mit der in dem Drei-Sparten-Haus endlich schnellere und einfachere Bühnenbildwechsel möglich sein sollen. So manche Experten stehen diesem Vorhaben kritisch gegenüber, da man für den Einbau die Fassade des denkmalgeschützten Opernhauses aufreißen müsste.
Zwar haben über den gesamten Komplex der Gemeinderat und der Landtag das allerletzte Wort. Doch da man solche Entscheidungen nicht von oben herab fällen wollte, wurde nun ein Bürgerforum mit ins Boot geholt, das getagt hat. Nun mag man dieses Bürgerforum mit seinen 57 per Zufall ausgewählten Bürgern nicht unbedingt als repräsentativ empfinden. Aber möglicherweise hat ihr Wort ja durchaus Gewicht. Mit klarer Mehrheit hat man sich jetzt nicht nur für den Umbau ausgesprochen. Zugleich gab man grünes Licht für die Kreuzbühne. Nur bei den Vorschlägen für das Ausweichquartier scheiden sich die Geister. Die einen befürworten ein Areal am Kulturzentrum Wagenhallen. Die anderen ziehen den Umzug in ein ehemaliges Paketpostamt vor. Über alles kann man sich ja aber zum Glück noch mal ausführlich unterhalten. Schließlich soll der erste Spatenstich für die auf fünf bis sieben Jahre angesetzten Bauarbeiten erst 2025 erfolgen. Und bis dahin gibt es bestimmt auch wieder ganz neue, frische Zahlen aus dem Bauamt.

Reinhard Lemelle



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Fanfare

Proben, Pleiten und Premieren: Höhepunkte in Oper und Konzert

Bruckner wieder Bruckner geben, „mit Sinn, Respekt und rotem Faden“, so die einfache wie […]
zum Artikel »

Testgelände

Hector Berlioz

Ein Platz im Panthéon

Anlässlich seines 150. Todestages rufen zahlreiche Neuaufnahmen und Wiederveröffentlichungen den […]
zum Artikel »




Top