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(c) Marc Paton

ensemble K

Akzent auf Farbigkeit

Musik in ihrer Originalsprache möchte das neugegründete Ensemble auf seinem Debüt-Album „Accents“ kammermusikalisch hörbar machen.

20 Musiker, 15 Nationalitäten und Musik aus vier Erdteilen: Simone Menezes übertreibt wahrlich nicht, wenn sie das neu erschienene allererste Album ihres ensemble K als „multikulturelles Projekt“ bezeichnet. Als Spross italienischer Eltern in Brasilien aufgewachsen und seit vielen Jahren in der Nähe von Paris beheimatet, kennt sie sich aus mit einem Leben zwischen den Welten. Zudem hat sie als Dirigentin den halben Erdball bereist und das klassische Repertoire nicht nur aus der Perspektive seiner historisch-stilistischen Vielfalt, sondern auch mit all den Eigenheiten, die sich aus den unterschiedlichen nationalen Aufführungstraditionen ergeben, kennengelernt. „Es ist kaum möglich, sich der Sprache eines Komponisten zu nähern, ohne sein eigenes Herkommen, seinen eigenen Akzent einzubringen“, sagt sie vor dem Hintergrund dieser Erfahrung. Und doch versucht sie nun gemeinsam mit ihren Mitstreitern vom ensemble K gerade das zu vermeiden. „Unsere unterschiedliche Abstammung gibt uns die Chance, uns vorbehaltlos dem Kosmos eines Komponisten zu öffnen und die Geschichte seiner Musik in der Originalsprache zu erzählen“, sagt Antonia Menezes. Der Album-Titel „Accents“ sagt dazu einiges: Die Vielfalt der aufeinandertreffenden Akzente ist es, die den Blick weitet und gleichzeitig fokussiert. Gerichtet ist er auf die Musik des 20. Jahrhunderts, aber auch auf Werke des 19. und 21. Jahrhunderts, die durch ihren eindeutig folkloristischen Bezug miteinander verbunden sind. So verströmen etwa zu Beginn die „Polowetzer Tänze“ aus Alexander Borodins Monumentaloper „Fürst Igor“ die exotischen Düfte Zentralasiens, gefolgt von der nicht minder atmosphärischen Sinnlichkeit des Debussy-Klassikers „Prélude à l’aprèsmidi d’un faune“ und dem tropisch eingefärbten „Chôros N° 5“ des großen Brasilianers Heitor Villa-Lobos. Am Ende begibt sich schließlich die zeitgenössische Komponistin Sophie Lacaze mit ihrer „Histoire sans paroles“ auf musikethnologische Spurensuche nach dem urtümlichen Klang der australischen Landschaft. Eingebettet ins Programm ist die 25-minütige Ballettmusik „Appalachian Spring“, deren Schöpfer Aaron Copland auf fantasievolle Weise Musiktraditionen der nordamerikanischen Einwanderer aufgreift. In der ausbalancierten Besetzung ohne Blechbläser, dafür aber mit den eher orchesteruntypischen Instrumenten Klavier und Akkordeon, wirken die Stücke ausgesprochen duftig und feinkoloriert. „Ein bisschen haben wir uns an der Idee und den Besetzungen des berühmten Vereins für musikalische Privataufführungen orientiert“, verrät die Dirigentin und Ensemblegründerin. Dieser war unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg von Arnold Schönberg in Wien initiiert worden und sollte im Rahmen vereinsinterner Konzerte Werke zeitgenössischer Komponisten vorstellen – in eigens arrangierten Kammerversionen, da in den schwierigen Nachkriegszeiten an Aufführungen in Originalbesetzung kaum zu denken war. „Die Corona-Pandemie kam kurz nach der Ensemble-Gründung. So ist auch – wie bei Schönberg und seinem Verein – unsere Musik unfreiwillig zu einer Art Kommentar zur Krise geworden.“ Von den Problemen, die die Musiker in Zeiten des Lockdowns schon allein aus organisatorischer Sicht hatten, ist auf der im Juli entstandenen Aufnahme allerdings nichts zu hören. Auch das nächste CD-Projekt ist schon in Planung, diesmal mit Werken von Giacomo Puccini und Arvo Pärt.

Neu erschienen:

Borodin, Debussy, Copland u. a.

„Accents“

mit ensemble K, Menezes

Aparté/hm

Stephan Schwarz-Peters, RONDO Ausgabe 1 / 2021



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