home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Startseite · Künstler · Gefragt

(c) lolin

Tiroler Festspiele Erl

Unterhaltung auf höchstem Niveau

Wagners „Rheingold“, inszeniert von Brigitte Fassbaender, Jazz mit Christian Muthspiel und Beethoven mit Paul Lewis – das sind einige Highlights der Sommeredition der Tiroler Festspiele in Erl.

Seit 1998 gibt es die Tiroler Festspiele in Erl. Auf der Suche nach einem Ort, an dem Wagners Opern ein neues künstlerisches Zuhause in den Alpen finden könnten, erwies sich der kleine Ort am Grenzland zu Bayern als ideal. Das alte Passionsspielhaus bot in den ersten Jahrzehnten auch akustisch eine perfekte Bühne. Inzwischen ist das neue, moderne Festspielhaus von 2012 die Hauptspielstätte, und Bernd Loebe, der 2019 die künstlerische Leitung übernahm, setzt auch nicht ausschließlich auf Wagner. Vielmehr kommen bei ihm gleichermaßen die unterschiedlichsten Genres und Spielarten zu ihrem Recht – vom Orchesterkonzert über den Jazz und die Musik des 20. Jahrhunderts bis hin zu musikliterarischen Abenden. Dementsprechend facettenreich und enorm hörenswert ist denn das Gesamtprogramm für die 23. Ausgabe des Festival-Sommers ausgefallen. Der englische Top-Pianist Paul Lewis gratuliert mit der Camerata Salzburg unter Andrew Manze Beethoven nachträglich zum 250. Geburtstag – mit all seinen fünf Klavierkonzerten. Das Klangforum Wien, das seit nunmehr knapp 40 Jahren zu den weltbesten Klangkörpern in Sachen Moderne gehört, legt unter der Leitung von Emilio Pomàrico den Fokus auf die klassische Moderne, auf Schönberg, Mahler und Hindemith. Und während der österreichische Jazz-Posaunist Christian Muthspiel mit seinem Orjazztra Vienna anreist, steht ein brandneues Projekt der Tiroler Musicbanda Franui in den Startlöchern. Zusammen mit Schauspieler Sven-Eric Bechtolf präsentiert man eine Fassung von Arthur Schnitzlers erotischem Skandal-Stück „Reigen“, bei dem sich diesmal über die Stücke von Verdi, Mahler und Cage neue Liebschaften und Beziehungen entwickeln. Um die Eruptionen menschlicher Gefühlswelten, um die toxische Gemengelage aus Liebesleid und Liebesfreud drehen sich aber auch die Opern. Und da im letzten Jahr coronabedingt die Neuinszenierung des „Lohengrin“ durch Katharina Thoma ausfallen musste, gibt es in diesem Jahr gleich drei Premieren. So dirigiert Titus Engel den „Lohengrin“. Anlässlich des 100. Todesjahres von Engelbert Humperdinck übernimmt Matthew Wild die Regie in dem Erwachsenenmärchen „Königskinder“. Und wie Bernd Loebe schon 2019 bei seiner Amtsübernahme angekündigt hat, kehrt die große Brigitte Fassbaender nach Tirol zurück, für eine Neuinszenierung von Wagners „Ring“. Mit Wagners Tetralogie hat sich die Regisseurin natürlich intensiv auseinandergesetzt, seit sie in den 1970er-Jahren unter Karajan bei den Salzburger Festspielen auch als „Fricka“ in „Rheingold“ begeisterte. Diese Partie übernimmt jetzt Dshamilja Kaiser. Und mit dieser „Kriminalkomödie“ (so Fassbaender über das „Rheingold“) will sie direkt „Unterhaltung auf höchstem Niveau“ bieten. Wenn das mal kein verlockendes Versprechen ist.

Tiroler Festspiele Erl Sommer
8. Juli – 1. August
www.tiroler-festspiele.at
Tickets: +43 (53 73) 81 000 20

Guido Fischer, 22.05.2021, RONDO Ausgabe 3 / 2021



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Murray Perahia

Zeit für Bach

Nach einer längeren Auszeit meldet sich der Pianist zurück – wieder mit Bach, aber diesmal bei […]
zum Artikel

Musikstadt

Eines der besten Orchester des Landes

Toulouse

Im Südwesten gelegen, offeriert die viertgrößte Stadt Frankreichs als „ville rose“ mit dem […]
zum Artikel

Da Capo

Wien, Theater an der Wien: Straussʼ „Salome“

Wir lieben die Wiener Weltopernprovinz. Da steht am gleichen Abend die fast 50-jährige […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top