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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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(c) Markus Konvalin

Ivan Repušić

Ein Stopp-Signal im rasanten Alltag

Mit dem Münchner Rundfunkorchester und der Konzertreihe „Paradisi gloria“ strebt der kroatische Dirigent nach himmlischer Seligkeit. An seiner Seite: ein prominenter Begleiter.

Zur himmlischen Seligkeit: Wen zöge es da nicht hin?! Das Münchner Rundfunkorchester (MRO) strebt inzwischen schon seit mehr als zwei Jahrzehnten nach diesem fernen Ziel – zumindest musikalisch mit seiner Konzertreihe „Paradisi gloria“. Das indes höchst erfolgreich, wie nicht allein die Besucherzahlen am Spielort in der architektonisch ebenso schlichten wie eindrucksvollen Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Neuhausen der bayerischen Landeshauptstadt zeigen: Vor allem sind es die Werke und ihre Interpretationen in dieser Reihe für moderne und zeitgenössische Sakralmusik, die immer wieder aufhorchen lassen und inzwischen auch regelmäßig in Aufnahmeprojekte münden. Initiiert einst von seinem Vorgänger Marcello Viotti hat auch Ivan Repušić sein Herz für eines der markantesten Alleinstellungsmerkmale des Orchesters entdeckt, seit der Kroate 2017 den Chefdirigentenstab an der Isar übernahm: „Unsere Aufgabe ist es, diese Werke des 20. und 21. Jahrhunderts nicht nur zu spielen, sondern auch aufzunehmen, um die Kompositionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.“ Zuverlässiger Begleiter des 43-Jährigen und seines Ensembles ist dabei der Chor des Bayerischen Rundfunks – und Arvo Pärt. Nicht nur, weil der estnische Komponist durch die Vielzahl seiner geistlichen Werke den sakralen Klängen unserer Tage neue Aufmerksamkeit verschafft hat und sich dafür geschickt verschiedenster historischer Glaubens- und Klangquellen bedient: Nein, seit der Prediger der Stille in der Musik einst eine hiesige Probe seiner Werke miterlebte, ist er auch zum Fan des Chors geworden. An seine eigene, allererste Begegnung mit Pärts außergewöhnlicher Klangsprache erinnert sich Repušić noch gut: „In Kroatien sang der dortige Rundfunkchor sein ‚Kanon Pokajanen‘ – und ich war nicht nur begeistert, sondern auch sehr überrascht von dieser Schlichtheit und zugleich der tiefen emotionalen Wirkung seiner Musik.“ Musik, die wie ein Stopp-Signal in unserem sonst so rasanten Lebensalltag wirke und ihren Hörern eine innere Ruhe verleihe – da lag es für den Dirigenten nahe, den Pärt-Faden der Reihe aufzunehmen und mit dessen „Stabat mater“ sowie weiteren instrumentalen Werken das nun schon fünfte Album mit Stücken des Esten zu veröffentlichen. Fast überrascht es da ein wenig, dass sich in den „Paradisi gloria“-Konzerten der neuen, 70. Saison des MRO kein Stück des Meisters der Neuen Einfachheit auf dem Spielplan für das coronabedingt bezogene Ausweichquartier im Studio 1 findet. Dafür aber eine ebenfalls schon für CD vorgesehene „Johannes-Passion“ des Slowenen Damijan Močnik, in der eine Sopranistin die Rolle des Evangelisten übernimmt und für die Repušić auch über ihre von der Gregorianik geprägte Klangfarbigkeit hinaus wirbt: „Wir pflegen das Motto ‚Brücken schlagen‘ und werden den Slowenischen Philharmonischen Chor einladen und das Konzert dann in Ljubljana wiederholen.“ Ein kleines Bonbon in der Jubiläumsspielzeit – verbunden mit dem Geburtstagswunsch weiterer finanzieller Unterstützung, um auch künftig ganz besondere Projekte unserer Tage realisieren zu können. Immer mit dem fernen Sehnsuchtsziel vor Augen: Paradisi gloria.

Neu erschienen:

Pärt

Stabat Mater, Tabula Rasa, Fratres, La Sindone

mit Madić, Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester, Repušić

BR Klassik/Naxos

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Christoph Forsthoff, 18.09.2021, RONDO Ausgabe 4 / 2021



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