home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Ein großer Konservativer

Obwohl Karl Böhm schon 1981 verstorben war, sorgte er 2015 erneut für Gesprächsstoff. Im Zuge der Aufarbeitung ihrer Geschichte in den Nazi-Jahren wiesen die Wiener Philharmoniker auf Böhms unrühmliche Rolle in jener Zeit hin. Diese Schatten der Vergangenheit gehören ebenso selbstverständlich zum Werdegang eines Dirigenten, der trotz seines (packenden) Engagements auch für Alban Bergs „Wozzeck“ ein Konservativer war. Die klassisch-romantische Linie von Mozart bis Wagner sowie die Opern von Richard Strauss – in diesem Radius bewegte sich Böhm. Anlässlich des 40. Todesjahres des Grazers wurden nun erstmals sämtliche Einspielungen, die für die Labels Philips und Decca entstanden sind, zu einer beachtlichen Box gebündelt. Darunter finden sich im Grunde fast nur Aufnahmen ohne Halbwertzeit und damit zum Zungeschnalzen. Über allen thront selbstverständlich das „Ring“-Paket, das 1966 bei den Bayreuther Festspielen mitgeschnitten wurde und bei dem Böhm ein legendäres Sängerteam unter anderem mit Wolfgang Windgassen, Birgit Nilsson und Anja Silja zu Höchstleistungen animierte. Böhms (stets akribischem) Händchen als Sängerdirigent begegnet man aber auch bei Mozarts „Zauberflöte“ und „Le Nozze di Figaro“ mit dem Sahne-Quartett Sena Jurinac, Rita Streich, Walter Berry und Christa Ludwig. Hinzu kommen Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ und die „Vier letzten Lieder“ mit der Mozart- und Strauss-Sirene Lisa Della Casa. Unter den Instrumentaleinspielungen finden sich weiters ausgewählte Beethoven-Klavierkonzerte, bei denen Böhm sich ausgenommen gut mit den pianistischen Antipoden Backhaus und Gulda verstand.

Karl Böhm: „Complete Decca & Philips Recordings“, 38 CDs + 1 Blu-ray

Decca/Universal

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Guido Fischer, 25.09.2021, RONDO Ausgabe 4 / 2021



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Musikstadt

Kulisse mit Kalamitäten

Orange

Die Chorégies d’Orange sind das älteste Festival. Vor 152 Jahren wurden sie erstmals im […]
zum Artikel

Pasticcio

Erneuerer und Leuchtturm

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Die finnische Musik kannte lange nur den Namen „Jean Sibelius“. Auch Einojuhani Rautavaara […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top