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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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(c) Julien Benhamou

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Für Isabelle Faust, wichtigste deutsche Geigerin (neben Anne-Sophie Mutter), beginnt das Lampenfieber beim Wetterbericht. „Wann denn sonst?!“, so Faust in Berlin. „Das viele Reisen, die unterschiedlichen Klimazonen ... Gelernt habe ich, dass selbst das Publikum, wenn es in den Saal kommt, Feuchtigkeit mitbringt.“ Die Geige reagiert sofort. „Da kann es passieren, dass keine Note mehr da ist, wo sie hingehört.“ Auf die Frage, ob sie mit bestimmten Ritualen der Nervosität vorbeuge, habe sie sich früher immer „irgendwelchen Quatsch ausgedacht“, so Faust. „Dass ich einen Kopfstand mache oder so ... In Wirklichkeit hilft gar nichts.“ Lampenfieber sei das richtige „Mittel, um gelangweilte Routine zu vermeiden. Und wenn gar nichts mehr nützt, dann hilft doch immer noch ein Glas Wein“.
Cameron Carpenter, amerikanischer Orgel-Star, hat während des Lockdowns einen Job „als künstlerischer Berater eines Investment-Unternehmens“ angenommen. „Allein die Unterhaltskosten meines Instruments sind so hoch, dass ich in bürgerlichen Berufen nicht einmal so viel verdienen kann“, so Carpenter zuhause in Berlin. – „Meine Musikerexistenz ist hinüber. Ob es je wieder eine Infrastruktur geben wird, die uns eine Rückkehr zu den früheren Verhältnissen erlaubt, ist völlig offen.“ Sein einziger Trost sei, dass die Touring-Orgel, die er während des Lockdowns eingelagert hat, „nicht weit von meiner Wohnung entfernt liegt“ (sie wurde im Gebäude der Alten Münze in Berlin-Mitte verstaut). „Ich kann sie gelegentlich besuchen.“
Chorleiter Peter Phillips (68), Gründer des legendären Ensembles The Tallis Scholars, kann nicht singen. „Auch nicht vorsingen“, so Tallis in London angesichts geplanter Gastspiele in Deutschland. „Allerdings kann ich zeigen und auch mit Worten beschreiben, wie ich mir den Klang und die Interpretation eines Renaissance-Stückes vorstelle.“ Auf die Frage, warum er nicht gelegentlich Begleitinstrumente zulasse, antwortete er: „Ich habe die Tallis Scholars vor fast 50 Jahren als A-cappella-Ensemble gerade deswegen gegründet, um von den Begleitinstrumenten wegzukommen. Ich mag sie nicht.“
Pianist Martin Helmchen (39) übt noch am Tag eines Konzerts drei bis vier Stunden. „Oft noch mehr!“, so Helmchen in Brandenburg, wohin er vor einigen Jahren aufs Land gezogen ist. „Viele sagen, das bringt doch nichts. Ich möchte aber das Gefühl vermeiden, etwas sei fertig und ich weiß ohnehin, wie es läuft“. Durch das Üben werde nichts fester für ihn. „Sondern lockerer.“
Kristian Bezuidenhout, südafrikanischer Cembalo-Spezialist, beruhigt sich vor Auftritten, indem er bügelt. „Ich habe die Vorzüge und den Segen tragbarer Dampfbürsten entdeckt“, so Bezuidenhout. „Es sind kleine Geräte, mit denen man schwer zu bügelnde Kleidungsstücke glatt kriegt.“ – Sein Ideal-Körpergewicht, nachdem er seit 2009 sage und schreibe 55 Kilo abnahm, hat er während der Covid-Krise beinahe gehalten. „Aber nicht ganz!“. Trotzdem habe er „das Gewicht meines Vaters, bevor er 2012 leider starb“. Es sei ihm wichtig gewesen, so Bezuidenhout, „dass er den Schock verwindet, mich so übergewichtig zu sehen, wie ich damals war. Das hat mir, ich muss es zugeben, sehr viel bedeutet.“
Die französische Dirigentin Laurence Equilbey glaubt, dass Dirigentinnen heute immer noch strukturell benachteiligt sind. Zu großen Orchestern würden zwar „häufig Gast-Dirigentinnen eingeladen. Von einer Chefdirigentin sind wir aber noch weit entfernt“, so Equilbey. Sie habe sogar einmal an einem Forschungsprojekt zum Thema Frauen in der Klassik teilgenommen. „Am schlimmsten sah es in der Oper aus. Dort sind – in verantwortungsvollen Positionen hinter der Bühne – kaum Frauen anzutreffen.“ Grundsätzlich sei man „zu der frappierenden, aber auch fatalen Einsicht“ gekommen: „Je mehr Geld im Spiel ist, desto weniger Frauen werden engagiert.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2021



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