home

N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Arbeit im Weinberg: Andris Nelsons und das Gewandhausorchester feiern das 40. Jubiläum ihres Konzertsaals © Jens Gerber

Pasticcio

Unter 2 Sekunden!

So kann eine Jubiläumssaison nun wahrlich starten. Noch bevor das Leipziger Gewandhausorchester zum ersten offiziellen Tusch auf den 40. Geburtstag des Gewandhauses einladen konnte, gab es eine große Überraschung. In Form einer großzügigen Erbschaft konnte man jetzt den Instrumentenpark erstklassig aufstocken – mit einem fabrikneuen Steinway-Flügel für 182.000 Euro. Reingard Beyer, ehemalige Wissenschaftlerin an der Universität Leipzig, hatte ihr Vermögen dem Traditionsorchester vermacht. Solche löblichen Taten kennt man eigentlich nur aus den USA, wo die Spitzenorchester ja ausschließlich am Tropf finanzstarker Privatförderer hängen.
Mit dem neuen Steinway kann das Orchester also doppelt beschwingt in die neue Saison gehen, die noch bis zum Dezember hinein einen besonderen Fokus eben auf das hiesige Konzerthaus richtet. Und selbstverständlich reiht sich auch Chefdirigent Andris Nelsons im Laufe der nächsten Wochen und Konzerte in die Gratulantenschar ein und feiert das Haus u.a. mit Schostakowitschs „Festlicher Ouvertüre“ sowie Prokofjews 5. Sinfonie. Und allein mit diesen beiden Werken werden Nelsons und sein Orchester erneut die vielfach gerühmte Akustik des Gewandhauses herausfordern und bestätigen.
Auch der aktuelle Gewandhausdirektor Andreas Schulz ist davon mehr als nur angetan. So gebe es im Großen Saal mit den 1.900 Plätzen einen nahezu perfekten Nachhall von 1,9 Sekunden (das Optimum liegt bei 2 Sekunden). Auf Anhieb hatten also 1981 die Architekten, Ingenieure und Akustiker das richtige Händchen – als sie unter den strengen Augen und Ohren vom damaligen Gewandhaus-Kapellmeister Kurt Masur sich an den ersten und überhaupt einzigen Konzerthaus-Neubau in der DDR machten. Und nicht zuletzt Masurs wurden direkt übertroffen. So wurde das Haus am 8. Oktober 1981 mit Beethovens 9. Sinfonie eingeweiht. Und bis heute ist das Gewandhaus mit den amphitheatralisch angelegten Sitzreihen und Rängen nicht nur eines der wohl herrlichsten Wohnzimmer geblieben, das sich anspruchsvolle Klassik-Fans vorstellen können. Hier klingen selbst Steinway-Flügel noch einmal exquisiter ( www.gewandhausorchester.de ).

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Sängergewerkschaft

Meldungen und Meinungen aus der Musikwelt

Bis vor kurzem war auch Star-Bariton Michael Volle ständig unterwegs und weltweit an den […]
zum Artikel

Hausbesuch

Wiener Staatsoper

Elysium der Opernfans

Die Wiener Staatsoper kann es sich leisten, als konservativ bezeichnet zu werden – sie ist der […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Freiluftmusik: Es muss schon eine besondere Ehre sein, sich als erwählter Liebling eines gekrönten Hauptes zu fühlen. Richard Wagner könnte ein Lied davon singen, aber auch James Paisible. Sagt Ihnen nichts? Jacques oder James Paisible war ein Franzose und im Gefolge Robert Camberts nach England gekommen. Dieser war enttäuscht davon, dass ihn der Italiener Giovanni Battista Lulli (oder später: Lully) aus dem französischen Musikleben verdrängt hatte, wollte daraufhin mit ein paar […] mehr


Abo

Top