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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Sopranistin Elsa Dreisig, Foto: (c) Simon Fowler

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Sopranistin Elsa Dreisig, die im Sommer als Salome in Aix-en-Provence debütiert, glaubt nicht, dass ihre Karriere sehr schnell in Gang gekommen ist. „Ich finde, es ging nicht schnell“, so Dreisig in Berlin. „Meine gute Freundin Nadine Sierra, ebenso Pretty Yende sind viel berühmter als ich, sie haben teilweise schon an der Metro­politan Opera und an der Scala gesungen…“ Sie habe keine Strategie. „Von außen geht man irgendwie davon aus, dass ich künstlerisch fertig und ausgereift sei. Das stimmt aber nicht. Ich bin meistens nicht einverstanden mit meiner Stimme.“ Sie wolle vor allem: die richtige Technik finden. „Ich würde sogar sagen: Sie haben meine eigentliche Stimme noch nie gehört. Hoffentlich werden Sie es aber!“

Der Geiger Christian Tetzlaff meint, dass man – bei aller sprachlichen Sensibilität – auf die musikalischen Qualitäten eines gewissen ‚Zigeunertums‘ nicht verzichten könne. „Wie man Worte verwenden soll, darüber lasse ich mich beraten“, so Tetzlaff. „Die Sache sollten wir aber nicht vorschnell preisgeben.“ Wenn man die Spielweise „alla zingarese“ ausradieren würde, so ginge ein gewisser „Witz“ verloren, so Tetzlaff. Das Ende des Brahms-Violinkonzertes etwa müsse „nach einer Csárdás-Band“ klingen. „Mit Ausrutschern.“ Tetzlaff, Vater von sechs Kindern, lebt in Berlin.

Ton Koopman, Alte Musik-Guru aus dem niederländischen Zwolle, ist wieder schuldenfrei. „Stellen Sie sich vor!“, so Koopman. „Wir haben eine Nachricht von der Bank bekommen.“ Koopman hatte, um seine Bach- und Buxtehude-Aufnahmeprojekte zu finanzieren, Hypotheken auf sein Haus aufgenommen. „Ich bin vorsichtiger geworden“, so Koopman im Hinblick auf künftige Projekte. Dass Dirigenten von Barockmusik oft lustige Leute sind, erklärt Koopman durch die Art der Alten Musik. „Ich glaube, es liegt am Rhythmus. Die europäische Musik ist im Lauf der Jahrhunderte immer langsamer und rhythmisch schwerfälliger geworden. Mein Vater dagegen war Jazz-Musiker“, so ­Koopman. „Das ist Körpermusik.“ Genauso verhalte es sich auch im Barock. „Jeder Vogel singt, wie er gemacht ist. Wir flattern ein bisschen mehr.“

Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato führt ihren Erfolg darauf zurück, dass sie „immer einen Schritt zurückgegangen“ ist. Das sagte sie in London am Rande einer Aufführung von Händels „Theodora“, wo sie die Nebenrolle der Irene sang. Sie habe ihr Ziel endgültig in der Barock-Oper gefunden. „Mein Repertoire habe ich von da aus immer nur vorübergehend erweitert“, so DiDonato. Die barocken Rollen nützten ihr sogar bei Didon in ‚Les Troyens‘. „Ich kann bei Berlioz genau jene Flexibilität brauchen, die ich in ‚Agrippina‘ oder in Mozarts ‚La clemenza di Tito‘ gelernt habe.“ Eine gewisse ‚Künstlichkeit‘, also ein „Kunstlicht“ amerikanischer Stimmen, erklärte sie damit, dass man als Gesangsstudentin in den USA immer zunächst lerne, „nicht auf sich selbst zu hören“. Man solle durch Technik gut machen, was an europäischer Herkunft fehle. „Ich persönlich muss sagen, dass ich erst kürzlich überhaupt über den Klang meiner Stimme nachzudenken begonnen habe“, so DiDonato. Früh genug.

Pianistin Elisabeth Leonskaja ist mit russischem Repertoire im Konzert vorsichtig. „Rachmaninow, Skrjabin und dann auch noch Prokofjew, wie man es oft findet: Das passt nicht“, so Leonskaja in ihrem Haus außerhalb von Wien. „Skrjabin und Rachmaninow, das wäre Süden“, so Leonskaja. Prokofjew dagegen „Norden, so empfinde ich das.“ Auch Tschaikowski, das sei „Winter, Pferdeschlitten, kalte Nacht. Bei Schostakowitsch finde ich ebenso nördliche Landschaften: Niedrigen Himmel und weite Horizonte.“ – Dass Leonskajas eigener Rang lange nicht recht erkannt wurde, habe sie eher demütig gemacht. „Tatsache ist, dass ich nicht ungeduldiger, sondern geduldiger dadurch wurde. Es war mir irgendwann egal. Und das, würde ich denken, ist doch etwas Gutes.“

Robert Fraunholzer, 16.04.2022, RONDO Ausgabe 2 / 2022



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