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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

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am 03.12.2022



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Einladende Eröffnung: Die Osloer Philharmoniker unter Klaus Mäkelä mit Nielsen und Mahler © Marco Borggreve

Carl Nielsen Festival

Strandurlaub für Klangkörper

Romantiker der Moderne: Die Dänen widmen ihrem Nationalheiligen Carl Nielsen ein Festival auf seiner Geburtsinsel Fünen.

Skandinaviens erstes internationales Orchesterfestival? Kaum zu glauben angesichts der großen Klassikszene und langen Musiktradition im Norden Europas – und doch startet das Carl Nielsen Festival (CNF) auf der Insel Fünen Ende August unter eben dieser Überschrift. „Die Szene der lokalen Orchester in den skandinavischen Ländern war in der Vergangenheit so stark, dass internationale Ensembles hier auf ihren Touren kaum einmal Station gemacht haben“, erzählt Jacob Soelberg – mit der Folge, dass es in Skandinavien bis heute kein internationales Orchesterfestival gibt. Oder vielmehr gab, denn mit dem jüngsten Projekt des dänischen Musikmanagers startet hier nun eine neue Zeitrechnung.
Ausgeheckt hat der CNF-Geschäftsführer die Idee mit Geiger Nikolaj Szeps-Znaider – und da in Dänemark beim Stichwort ‚Orchester‘ niemand an dem ebenso kantigen wie tonalen Stachelkopf der Moderne vorbeikommt, lag es nahe, dem Komponisten (und Dirigenten) solch ein Festival zu widmen. Zumal an einem Spielort wie der malerischen (Urlaubs-)Insel mit ihren endlosen Naturstränden, wo nun erstmals fünf Tage lang bekannte Orchester, Solisten wie auch Kammermusikensembles aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. Ohne dass der dänische Nationalheilige dabei in puncto Programm einen Alleinvertretungsanspruch hätte: „Wir möchten Orchester ermutigen, Werke von Nielsen zu spielen, aber sie natürlich nicht dazu zwingen“, sagt Soelberg.
So werden zur Eröffnung die Osloer Philharmoniker unter Klaus Mäkelä neben Nielsens „Helios“-Ouvertüre etwa auch Mahlers Fünfte spielen oder das WDR Sinfonieorchester Köln und Christian Măcelaru Rachmaninows Zweite erklingen lassen – vermutlich ganz im Sinne des Publikums: Schließlich sind den Dänen die Werke ihres Landsmanns mehr als nur bekannt, allein schon ob seiner fast 300 Lieder, die nicht nur in der Kirche, sondern von den Kindern bereits in der Schule gesungen werden – kein Däne, der Hits wie „Sommersang“ oder „Jens Vejmand“ nicht auswendig kennen würde. Und doch ist das Werk des Festival-Namensgebers in seiner Heimat kein Selbstläufer, wie die Macher des renommierten Carl Nielsen Wettbewerbs vor einem Jahrzehnt feststellen mussten, als sie einen ersten Anlauf für ein Festival rund um den Meister aus Odense unternahmen – und mangels Resonanz noch vor seinem 150. Geburtstag wieder einstellten.
Soelberg ist dennoch zuversichtlich, dass nun mit neuem (Orchester-)Konzept, Stars wie Daniil Trifonov, Gautier Capuçon oder dem Danish String Quartet und losgelöst vom Wettbewerb das Festival die Herzen seiner Landsleute erobern wird. Zumal die Macher um den künstlerischen Leiter Znaider clevererweise unter den Mantel des zweiten großen Sohns der Insel Fünen geschlüpft sind – und zweifellos von der Ausstrahlung des Hans Christian Andersen Festivals profitieren werden. Dass zum 840.000-Euro-Etat des Festivals gleich im ersten Sommer Sponsoren und Stiftungen 330.000 Euro beisteuern, offenbart Zuversicht ebenfalls auf Seiten der Wirtschaft. Warum auch nicht: Immerhin sorgten Nielsens Werke einst schon für Begeisterung im größten Vergnügungspark des Landes – dem Kopenhagener Tivoli.

Weitere Infos und Tickets:
www.carlnielsenfestival.com

Christoph Forsthoff, 13.08.2022, Online-Artikel



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