home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Pasticcio

Pakt mit dem Teufel

Am 23. September ist an der New Yorker MET die neue Saison eingeläutet worden. Doch ganz ungestört ist die Eröffnungsgala mit Peter Tschaikowskys „Eugen Onegin“ nicht über die Bühne gegangen. Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene machten ihrem Unmut darüber Luft, dass die beiden Stars des Abends, Anna Netrebko und Valery Gergiev, ihrem Freund Vladimir Putin für sein Anti-Homosexuellen-Gesetz nicht die Leviten gelesen haben. Der Protest war berechtigt – und gleichzeitig naiv. Denn wer sich wie gerade Gergiev als treuer Gefolgsmann Putins versteht und erst Anfang des Jahres von ihm zum „Helden der Arbeit“ ausgezeichnet worden ist, der wird diesem „lupenreinen Demokraten“ wohl kaum ans Bein pinkeln.
Über so viel Opportunismus kann auch Gidon Kremer nur den Kopf schütteln. Denn für den ehemaligen sowjetischen Star-Geiger ist es ziemlich unbegreiflich, wie man sich widerspruchslos von einem Regime vereinnahmen lassen kann, bei dem die Menschenrechte nicht gerade zu den schützenswertesten Werten zählen. Um daher auf die wahre politische Lage im heutigen Russland aufmerksam zu machen, hat Kremer prominente Musikerfreunde wie Martha Argerich, Daniel Barenboim und Emmanuel Pahud zu dem Gedenkkonzert „To Russia with Love“ eingeladen. Am 7. Oktober erinnert man gemeinsam im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin an die Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja, die auf den Tag genau vor sieben Jahren ermordet wurde. Zeitgleich dürfte Valery Gergiev dagegen mit den Gedanken schon in Kasachstan sein. Dort wird er Mitte Oktober mit einem Konzert einen neuen Konzertsaal eröffnen – auf Einladung des ebenfalls guten Freundes Nursultan Nasarbajew, seines Zeichens kasachischer Diktator.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Neue Vorwürfe

Er war zunächst in Schweden und dann auch in den europäischen Feuilletons ein großes Thema, der […]
zum Artikel

Pasticcio

Bon Anniversaire!

Noch 2001 hatte Pianist Steven Osborne geglaubt, dass er eher Baseball-Sammelbildchen in einer […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top