home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Startseite · Künstler · Gefragt

Nikolai Lugansky

Grieg im Griff

RONDO: Was hat Sie an Griegs doch etwas abgespieltem Klavierkonzert gereizt?

Nikolai Lugansky: Also ich liebe und verehre diese Musik, vor allem die Melodik! Es gibt höchstens drei solcher Konzerte, die sind wie ein Gottesgeschenk. Ich weiß nicht, was man mit Grieg vergleichen könnte ... vielleicht Chopin 1, erster Satz?

RONDO: Ihre Einschätzung überrascht mich doch etwas ...

Lugansky: Wissen Sie, in vielen Musikschulen in Russland spielt man den ersten Satz. Ich kann das gar nicht verstehen. Das ist doch eines der schwierigsten Konzerte überhaupt, es fiel mir viel, viel schwerer als Rachmaninows Konzerte oder Liszts Transzendentaletüden. Es gibt Stellen im ersten Satz oder auch im Finale, die gehören zu den schwierigsten im ganzen Repertoire. Von der melodischen Seite her ist es vielleicht der Gipfel.

RONDO: Darum auch existieren nicht gerade wenige Aufnahmen.

Lugansky: Ja, es gibt viele großartige Interpretationen, Richter, Gilels, Lipatti, Lupu. Aber für mich gibt es eigentlich nur eine, einen live-Mitschnitt mit Michelangeli, das ist wirklich etwas Unvergleichliches. Ich muss das, wenn ich aufnehme, besser vergessen.

RONDO: Ungewöhnlich ist die Kombination mit Prokofjew 3.

Lugansky: Das war mein Vorschlag. Auf den ersten Blick sind das zwei völlig verschiedene Temperamente – Grieg der Melancholiker, Prokofjew der Sanguiniker. Aber der GenieTypus ist derselbe, diese unreflektierte Art, einfach aufzuschreiben. Es war nicht so wichtig für sie, Melodien zu verarbeiten und durchzuführen. Es ist ein Mozartartiges Talent, die Melodie kommt bei beiden einfach vom Himmel.

RONDO: Ich habe Sie gerade bei der letzten Aufnahmesitzung sehr bewundert. Dieses dauernde Springen von einer Korrektur zur anderen …

Lugansky: Oh ja, so etwas habe ich bis jetzt noch nie gehabt in meinem Leben. Normalerweise hätten wir mindestens noch einen Tag gebraucht. Keiner fragt bei diesen Takes: Was passiert mit der Form des Pianisten in diesen drei Stunden? Manchmal ist das unglücklich, wenn ich in Bestform bin und das Orchester noch ungenau, und wenn das Orchester nach einer halben Stunde endlich dieses Niveau erreicht, kann ich schon nicht mehr. Also ich muss schon sagen, das waren schwierige Konditionen. Hoffentlich, hoffentlich hat es geklappt.

Edvard Grieg, Sergej Prokofiew

Klavierkonzerte

Nikolai Lugansky, Kent Nagano, Deutsches Symphonie Orchester Berlin

naïve/Indigo

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Matthias Kornemann, 02.11.2013, RONDO Ausgabe 5 / 2013



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Fanfare

Proben, Pleiten und Premieren: Höhepunkte in Oper und Konzert

Im letzten November bekam der Klassikbetrieb Schnappatmung. Da wurde an der Mailänder Scala die […]
zum Artikel

Pasticcio

Grün hinter den Ohren

Schon seit Jahren wirbt Baden-Württemberg mit dem Slogan „Wir können alles. Außer […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top