home

N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Startseite · Künstler · Gefragt

(c) Josef Gallauer

Diana Damrau

Knallbunte Tüte

Mit „Forever“ kehrt die Damrau zu ihren Musical-Wurzeln zurück. Eine solch gewagte Mischung hätte sich nicht mal die Rothenberger getraut.

Das kommt von meinem Vater“, lacht Diana Damrau und meint damit die Frohnatur, mit der ihre neue CD überschüttet scheint. „Mein Album ‚Forever’“, sagt sie über die Melange aus Strauß, Kálmán, Loewe, Lloyd Webber und „Mary Poppins“, „soll nichts bieten außer schönen Melodien.“ Ein Grundsatz, mit dem schon Anneliese Rothenberger ihre Programme machte. Nur war selbst diese Haarspray- Lady von einst nicht so verwegen, neben großer Operette auch Musical und sogar Filmmusik auf eine einzige Platte zu pressen. Wem wäre so ein Spagat je zuvor gelungen? „Hm, weiß ich auch nicht“, sinniert Diana Damrau und wird richtig ernst. „Ich nehm’s als Kompliment!“ Und lacht schon wieder.
Die gute Laune hatte bei ihr von jeher eine bayerisch pragmatische Seite. „Eine positive Einstellung ist auf alle Fälle besser“, sagt die geborene Günzburgerin. „Man kriegt einen Schnupfen, wenn man sagt, ich hab’ die Nase voll.“ Nicht mit ihr. Und da sie ihr Bühnen-Debüt 1986 mit Szenen aus „My Fair Lady“ in den Donaulichtspielen Offingen gab, worauf etliche Adelen („Fledermaus“) und Valenciennes („Lustige Witwe“) im Mainfranken Theater Würzburg folgten, kann Diana Damrau mit Fug und Recht als eine in der Provinz groß gewordene Operetten-Soubrette gelten.
Wobei es nicht blieb. Denn inzwischen bevorzugt Damrau für neue Rollen wie Traviata, Lucia di Lammermoor oder Sonnambula ganz große Hütten, wie die Metropolitan Opera in New York. „Verstecken kann ich mich sowieso nicht mehr. Überall filmen oder schneiden die Leute mit Handys die Auftritte mit.“ Lieber gleich ins kalte Wasser. Selbst unser Interview findet am Mittag direkt vor einer Aufführung von „A Harlot’s Progress“ am Theater an der Wien statt. Das würde kaum eine andere Sängerin machen, die am selben Abend mehrere Stunden ununterbrochen auf der Bühne stehen muss. Das atonale Werk wurde für Damrau komponiert. „Es ist Neo- Verismo, aber das habe ich noch niemandem gesagt“, plaudert sie, indem sie ihren Mann, Bassbariton Nicolas Testé, nachhause zu den beiden Kindern schickt.
Ihr „Durchbruch“, sagt die Sängerin, sei mit dem folgenden Satz erfolgt, den der damalige Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender zu ihr sagte: „Damrau’chen, du wirst an der Scala singen! Eben hast du Riccardo Muti vorgesungen!“ So geschehen 2002 bei einer Vorstellung des „Riesen vom Steinfeld“ von Friedrich Cerha, wo Diana Damrau mitwirkte. Die Prophezeiung Holenders hat sich erfüllt. Nach einigen Jahren in Wien und einer letzten, festen Ensemble-Station in Genf lebt Damrau mittlerweile in Zürich.
Mit ihrer vielfach bejubelten „Forever“-CD kehrt Diana Damrau zu ihren leicht luftigen Wurzeln zurück. Nicht mit allen ihren bisherigen CDs hatte sie Glück. „Ich weiß auch nicht, warum meine Stimme eher schwer aufzunehmen ist.“ Bei ihrer „Coloraturas“-CD, klagt sie, war sie die meiste Zeit krank. „Meine beste Platte bisher war die Strauss-CD mit Christian Thielemann.“ (Eine Fortsetzung ist geplant.) Auch die knallbunte Tüte von „Forever“ rangiert ganz oben. Für immer.

"Forever"

Diana Damrau, David Charles Abell, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra

Erato/Warner

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2013



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Gustavo Gimeno

Der Taktgeber

Jung, dynamisch, mit großen Plänen für die Zukunft: Das Orchestre Philharmonique du Luxembourg […]
zum Artikel

Hausbesuch

Rheingau Musik Festival

Riesling als Rosen

Wenig subventioniert – und trotzdem vorne wie regionsübergreifend mit dabei: Das Rheingau Musik […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Im Mondschatten: Während Neil Armstrong und Buzz Aldrin den Mond erkundeten, verbrachte Michael Collins, der dritte Astronaut im Bunde, pro Umrundung je 46:38 Minuten allein im Funkschatten des Erdtrabanten. Exakt so lang dauert auch dieses Album des Jazzpianisten Michael Wollny, der Parallelen zieht zwischen jenen historischen Ereignissen aus dem Jahr 1969 und der Corona-Pandemie. Die Einsamkeit ist hier der Konnex. So nahm Wollny, als die Welt aus den Fugen geriet, in Pandemie-bedingter, […] mehr


Abo

Top