Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Tiefsinniger Tastenzauber

Friedrich Guldas Amadeo-Produktion aller Beethoven-Sonaten (1968) hat einen Maßstab rigoros-sachlicher Interpretation gesetzt, neben dem diese erstmals auf CD präsentierte frühe Rundfunkeinspielung (1953) ein höchst faszinierendes Changieren zwischen letzter Zögerlichkeit, einigen wenigen rasanten Launen und unheimlich früher Stilsicherheit zeigt. Über manchen Werken, die dann später so erbarmungslos und stählern daherkommen, liegt noch ein wenig Konvention und jugendlicher Schmelz. So gerät die »Waldsteinsonate« motorisch vehement, aber doch nicht so rasselnd wie später. Gulda wusste schon als 23-Jähriger ziemlich genau, wohin seine Reise gehen sollte (und wo er sich nicht aufhalten mochte). Das sentimentale Schweifen des frühen Beethoven – etwa im Finale des Opus 7 – gefriertrocknet er ebenso wie das naturhafte Pulsen der »Pastorale«. Am Ende erwarten uns die in ihrer unerbittlich gemeißelten Klarheit dem späteren Entwurf kaum nachstehenden Kopfsätze der »Hammerklaviersonate « und des Opus 111.

Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten 1-32, Diabelli-Variationen u.a.

Friedrich Gulda

Orfeo

Matthias Kornemann, RONDO Ausgabe 4 / 2010



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Musiklehrer-Ebbe

„Groovy Grounds und Bodysounds-Rhythmus in der Klasse“, „Soundscapes - Mit zwei Ohren sieht […]
zum Artikel »

Fanfare

Proben, Pleiten und Premieren: Höhepunkte in Oper und Konzert

An der Staatsoper Hannover hat der Regisseur Vasily Barkhatov das „Tosca“-Libretto umgemodelt. […]
zum Artikel »




Top