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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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(c) Gabo/DG

Rolando Villazón

Wolfgang Anonymus Mozart

Der mexikanische Tenor sprach mit uns über sein neues Album, das Licht ins Ariendunkel bringt, eine verlorene Musizierkultur und Glücksgefühle beim Singen.

RONDO: Mozart aus Mexiko, muss das sein?

Rolando Villazón: Buuh, wie gemein ist das denn! Auch wir sind lernfähig und mischen unser Können mit dem der Kultur, mit der wir uns verbinden wollen. Aber ja, es stimmt schon, in der Latinogesellschaft ist Mariachi etwas wichtiger als Mozart. Auch ich habe mich mit ihm zunächst schwergetan.

RONDO: Singen Sie heute Mozart anders?

Villazón: Ich hoffe. Ich lebe jetzt 14 Jahre in Europa, da habe ich mich zwischen Paris und Wien, Berlin und Mailand schon verändert, denke ich. Ich habe, das ist ja bekannt, meine Technik neu aufbauen müssen, und da hat mir Mozart sehr geholfen. Bei seinen Gesangslinien darf man keine Fehler machen, er ist ein untrüglicher Indikator. Ich habe mich natürlich aber auch selbst weiterentwickelt, habe vor allem Mozarts Zeugnisse gelesen, ja geradezu verschlungen. Diese Briefe sind eine der schönsten Leseerfahrungen, die man als Musiker überhaupt machen kann. Aber ich wollte meine Bekanntheit für Aspekte einsetzen, die selbst bei Mozart weitgehend unbekannt sind.

RONDO: Wie jetzt die Tenor-Arien?

Villazón: Genau. Uns ist ja das Wissen über diese Art von Musikkultur völlig abhanden gekommen. Dass man einfach für einen befreundeten Sänger eine Einlage-Arie für die Oper eines anderen schreibt, oder dass man für ein geselliges Beisammensein schnell mal eine Arie komponiert. Und auch, dass Pläne unfertig liegen gelassen werden. Diese wunderbare Musik fällt heute durch jedes Raster, die Opern, für die sie bestimmt waren, werden nicht mehr gespielt, und als Konzertarien singt sie kaum jemand. Es hat sie bisher auch kaum ein berühmter Tenor aufgenommen. Diese CD und die Tournee werden sicher für viele Menschen eine Überraschung. Man erlebt hier Mozart im Alter von neun Jahren und in seiner Reifezeit. Mit kurzen, knapp zwei Minuten langen Stücken, aber auch mit einer 13-minütigen Einlagearie für eine Hasse-Oper. Sogar eine deutsche Arie für eine unvollendete Oper ist dabei. Es ist ein sehr anspruchsvolles, mich restlos forderndes Konzept-Projekt, keine zufällige Nummernauswahl. Es hat eine Geschichte, ich will etwas zum Repertoire beitragen, Licht in eine dunkle Ecke bringen.

RONDO: Da sind Sie freilich als Solist unterwegs. Bedeutet Mozart-Singen in der Oper sonst aber nicht vielleicht auch mehr Sicherheit, weil man in einem Ensemble aufgehoben ist?

Villazón: Die Schwierigkeiten sind nicht kleiner, glauben Sie mir. Sicherlich muss man kaum je so osmotisch auf andere regieren wie bei Mozart, das vergrößert das Glück, Sänger zu sein, immens.

RONDO: Können Sie dieses Glückgefühl spezifizieren?

Villazón: Das Schöne ist, bei Mozart kann es sich dauernd ereignen. Bei Rodolfo in „La Bohème“ warten alle auf die hohen Töne, in der „Così“ kann sich Magie plötzlich in einer Phrase einstellen, auf die keiner wartete. Es geschieht vielmehr aus dem Moment heraus, besonders, wenn man einen Dirigenten hat, der Oper wirklich versteht, der mit den Sängern atmet, wie bei Yannick Nézet-Séguin im Mozart-Zyklus oder jetzt mit Antonio Pappano, dem man wirklich blind vertrauen kann, bei den Arien.

Neu erschienen:

Mozart

„Mozart“: Konzertarien (Arien aus „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“)

Rolando Villazón, London Symphony Orchestra, Antonio Pappano

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Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 1 / 2014



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