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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Malia

Blumen für Nina Simone

Mit »Black Orchid« verbeugt sich die malawisch-britische Sängerin Malia vor ihrem großen Idol. Und zwar so, wie sich Nina Simone das gewünscht hätte – eigenwillig und aussagestark.

Die Sängerin Malia liebt blumige Vergleiche. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre erste, 2002 erschienene CD nannte die Tochter einer Malawierin und eines Briten »Yellow Daffodils« – verwirrenderweise verbarg sich hinter den titelgebenden gelben Narzissen ein Blumengruß an Billie Holiday, der Frau mit der Gardenie im Haar. Malias neues, inzwischen viertes Album trägt nun den Titel »Black Orchid«: »Wenn ich an Nina Simone denke, sehe ich eine schwarze Orchidee – also etwas, das wunderschön, selten, kraftvoll, mystisch und schwarz ist.«
Es sind Attribute, die auch zu Malias erstaunlicher Einspielung passen. Mit »Black Orchid« befreit sich die Mittdreißigerin von dem Ruf, eine weitere austauschbare Stimme im unübersichtlichen Dienstleistungssoul- Sektor zu sein. Sie findet einen eigenen Zugang zu den Liedern Nina Simones – und das geht weit darüber hinaus, im Text von »My Baby Just Cares For Me« augenzwinkernd Liz Taylor und Lana Turner durch Scarlett Johansson und Rihanna zu ersetzen. Mal entschleunigt Malia die Lieder der Simone gehörig, mal verpasst sie ihnen – wie in »I Put A Spell On You« oder »Marriage Is For Old Folks« – einen deftigen Afro-Einschlag. Aber immer taucht sie gemeinsam mit ihrem französischen Begleittrio in die Seele der Songs ein, mit enorm wandelbarer Stimme und großem Jazz-Einfühlungsvermögen.
Es sei wie ein Nachhausekommen für sie gewesen, erklärt Malia, die Songs hätten sie ihr ganzes Leben begleitet. Sie kennt den alltäglichen Rassismus, mit dem sich Simone zeitlebens auseinandersetzen musste. »Auch nach der Unabhängigkeit wurden Schwarze in Malawi noch ,Boy’ genannt. Als Kind denkst du, das sei normal. Du hörst das und hinterfragst es nicht. Aber tief in dir drin merkst du, dass das nicht in Ordnung ist. Es bricht dir das Herz.«
Im Zentrum von »Black Orchid« steht gleichwohl nicht die Frage nach der Hautfarbe, sondern etwas anderes. »Bei Nina Simone ging es auch immer darum, was es bedeutet, eine Frau zu sein und Dinge zu tun, die nicht dem entsprechen, was die Gesellschaft von dir erwartet«, sagt Malia. Sie selbst hat das oft genug getan. Sei es, dass sie sich als junge unausgebildete Sängerin ohne jegliche Bühnenerfahrung naiv um Auftritte in Londoner Restaurants und Jazzclubs bewarb (die sie natürlich bravourös absolvierte), sei es, dass sie sich dreist die Telefonnummer des französischen Produzenten André Manoukian besorgte (mit dem sie dann ihre ersten drei CDs aufnahm).
»Black Orchid« ist nun so etwas wie Malias Unabhängigkeitserklärung. Das Album produzierte die Mutter einer fünfjährigen Tochter im Alleingang – so unbeirrt und selbstbewusst wie ihr Vorbild. »Ich hatte das Gefühl, jetzt bin ich es wert, in Nina Simones Fußstapfen zu treten.« Man möchte Blumensträuße werfen.

Malia – Black Orchid

Malia

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Josef Engels, 30.11.1999, RONDO Ausgabe 1 / 2012



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