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14. — 20. Juli 2018

„Carmen la Cubana“

Carmen auf kubanisch: Mit einer Neuinterpretation des berühmten Carmen-Stoffs und der legendären Melodien von Georges Bizet kommt erstmals eine kubanische Musical-Produktion nach Deutschland, England und in die Schweiz. Regisseur Christopher Renshaw und Arrangeur Alex Lacamoire (übrigens Tony- und Grammy-Preisträger) lassen die Handlung in Kuba spielen, am Vorabend der Revolution. So übersetzen sie den Stoff von Prosper Mérimée und Georges Bizet in die Moderne und unterstreichen die zeitlose Brisanz und Kraft dieser Geschichte um Liebe, Unabhängigkeit und Stolz. Eine kubanische Zigarrenfabrik und die Bars und Clubs Havannas bilden dabei die Schauplätze der tragischen Geschichte, die von einer 14-köpfigen Latin-Big-Band begleitet wird. Fern der Hauptstadt träumt Carmen von einem besseren Leben. Der junge Soldat José erliegt ihren Verführungskünsten und flieht mit ihr in die Stadt. Als schillernde „Königin von Havanna” verliert sie das Interesse an ihrem treuen Begleiter und wendet sich dem charismatischen Boxer El Niño Martinez zu – mit verhängnisvollen Folgen … Das Musical feierte 2016 Weltpremiere und wurde bereits am Pariser Théâtre du Châtelet gezeigt. Nun kommt es ab 17. Juli als Gastspiel nach Köln, London, Leipzig, Frankfurt, Berlin, München und Zürich.

Weitere Informationen und Tickets gibt es auf www.carmen-la-cubana.de.

(Foto: Johan Persson)


07. — 13. Juli 2018

Absichtlich optimistisch

Vor fünfzehn Jahren war Graz Kulturhauptstadt Europas. Seither schmückt sich die Hauptstadt der Steiermark nicht nur mit ihrem barocken Stadtkern, sondern auch mit futuristischer Architektur: dem bizarren Kunsthaus am Ufer der Mur und der kühn ins Wasser geworfenen Kunstplattform Murinsel. Bereits seit 1985 sorgt das alljährlich stattfindende Musik-Festival Styriarte für überregionale Aufmerksamkeit. Der vor zwei Jahren verstorbene, in Graz aufgewachsene Nikolaus Harnoncourt war bis zu seinem Tod die Galionsfigur des Festivals, das der Pionier der historischen Aufführungspraxis als einen seiner künstlerischen Ankerpunkte und als Versuchslabor begriff.
In diesem Jahr steht das Festival unter dem Motto „Felix Austria“, das sich einerseits sowohl auf den „World Happiness Report 2017“ der Vereinten Nationen bezieht, in dem Österreich ziemlich weit oben rangiert. Und andererseits auf den Leitspruch des Habsburgerreichs „Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, heirate“. Vor genau 100 Jahren aber zerfiel jenes Habsburger Riesenreich, der Vielvölkerstaat zugunsten der Republik Österreich. Man könnte das Festivalmotto als nostalgischen Blick zurück lesen in jene große Zeit, oder aber als betriebsblinde Bekräftigung eines glücklichen Österreichs der Jetztzeit. Dann aber müsste man die Augen vor den aktuellen Problemen Österreichs verschließen, der Diskussion um die Schließung der Grenzen und dem kräftigen Rechtsruck im Land.
Tatsächlich ist das Festival eine klug austarierte Mischung aus der Feier des reichen kulturellen Erbes, der Entdeckung unbekannter Schätze, der Aktualisierung von sattsam Bekanntem und der kritischen Betrachtung der brisanten Themen der Gegenwart. Natürlich gibt es Programmpunkte wie das Kammerkonzert „Verklärte Nacht“ mit dem tschechischen Zemlinsky-Quartett, die mit Brahms, Zemlinsky und Schönberg das Erbe feiern. Aber mit den beiden Letztgenannten auch die Zeit des Zerfalls thematisieren. Oder der Abend „Hundert Jahre Österreich“, an dem der bärbeißige Wiener Essayist Franz Schuh hoch aktuelle Texte von Karl Kraus, Joseph Roth und eigene messerscharfe Analysen und Polit-Diagnosen im schönsten Wiener Grantel-Ingrimm verliest. Dazu steuert der famose Saxofonist Gerald Preinfalk mit seinem Ensemble „MASX“ rasante Saxofon-Arrangements bei, die einen Parforceritt durch die österreichische Musikgeschichte vom Kärntner-Lied bis hin zu Georg Friedrich Haas’ Mikrotönen und Udo Jürgens’ Schlager-Schmalz hinlegen. „Warum liebt der Österreicher das Skifahren? Weil’s bergab geht!“ höhnt Schuh scheppernd ins Mikro und das Publikum amüsiert sich.
Auch das Programm „Schönberg im Weißen Rössl“ mit dem Wiener Armacord Ensemble und der Mezzosopranistin Iris Vermillion erinnert nicht an das heile Österreich, sondern daran, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Künstler das allzu gemütlich gewordene Wien verließen, um im Hotspot Berlin ihr Heil zu suchen.
Es gibt auch große Opernproduktionen, wie etwa das „Fux.OPERNFEST“, das zu Beginn des Festivals Johann Joseph Fux’ „Julo Ascanio, Re d’Alba“ auf die Bühne bringt. Mathis Huber, seit 1985 im Team von Styriarte und seit 1990 Intendant, ist der noch wenig bekannte Komponist ein besonderes Anliegen: „Fux ist der bedeutendste österreichische Barock-Komponist, und es ärgert mich, dass der Arme so einen schlechten Ruf hat. Weil man ihm unterstellt, ein Theoretiker zu sein, eine blutleere musikalische Gestalt, und das entspricht einfach nicht dem Befund.“
Huber bevorzugt bewusst politische Festival-Themen: „Sie liegen ja in der Luft.“ Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung, lautete das Thema des Osterfestivals „Gastfreundschaft“. Von Überlegenheitsgesten und Belehrung hält Huber allerdings wenig: „Ich denke, dass wir als Kulturmacher gut beraten sind, unsere Gäste nicht mit Moral zu verprügeln, sondern dass wir sie zunächst einmal gut unterhalten sollen und damit offen machen für das Nachdenken über die Themen, die wichtig sind.“
Zur intelligenten Unterhaltung gehören in Graz ein politisch zugespitzter „Fidelio“ und scharfe Kabarett-Abende ebenso wie die repräsentative Barockoper von Fux, oder Glucks wenig bekannte Oper „Le cinesi“, die ebenso wie die Fux-Oper eingebettet ist in ein Fest, das sich auf den eigens angelegten Glücksgarten an der Helmut List Halle erstreckt.
Für den Styriarte-Macher Mathis Huber sind der Fest-Gedanke und gesellschaftspolitische Kritik keine einander ausschließenden Widersprüche: Das „Felix Austria“-Thema ist nicht zufällig, sondern absichtlich optimistisch, weil wir erzählen wollen: Liebe Freunde, Mitbürger, Europäer – Austria steht nicht für Österreich, sondern für die freie europäische Gesellschaft – Ihr seid Euch hoffentlich darüber bewusst, dass unser paradiesischer Zustand, in Freiheit zu leben, kein Naturgesetz ist, sondern gemacht ist und dass wir auf diesen Zustand aufpassen müssen, weil er in Gefahr ist.“
Ein zentrales Projekt dieses Jahrgangs steht erst noch bevor: Am 13. Juli kommt Beethovens „Fidelio“ mit Andrés Orozco-Estrada am Pult zur Premiere mit Videos, die Interviews mit Flüchtlingen zeigen und die gesprochenen Dialoge ersetzen. „Wir präsentieren die zentrale Oper der Wiener Klassik als ein Stück, das total heutig ist. Dessen Problemstellungen heute auf der ganzen Welt brisant sind, nur eben nicht in Europa.“

Regine Müller

(Fotos: Werner Kmetitsch)


30. Juni — 06. Juli 2018

„Zuflucht“

Mit Festival-Mottos ist es immer so eine Sache: Oft sind sie als schöne Labels auf eine fertige Programmkonzeption draufgeklebt, dienen als Eye-Catcher für das Publikum und als vermeintlicher inhaltlicher Rahmen. Die Opernfestspiele Heidenheim (dieses Jahr vom 13. Juni bis 29. Juli) sind da ambitionierter: Programmplanung und Motto gehen hier eine fruchtbare Synthese ein. So gibt das aktuelle Thema „Zuflucht“ eine Perspektive vor, mit der man auch die drei Haupt-Produktionen in dieser Saison betrachten kann – Verdis Erfolgsoper „Nabucco“ und sein Frühwerk „I Lombardi“, aber auch das Kinderstück „Moses‘ Entscheidung“. Denn alle drei Musiktheaterwerke handeln von „Hoffnung, Angst, Verfolgung, Vertreibung, Errettung und nicht zuletzt – und trotzdem – auch von berührenden Liebesgeschichten im Dunstkreis erdrückender Mächte“, so der Festivalleiter Marcus Bosch dazu. Unter seiner Leitung feierte „Nabucco“ am 29. Juni Premiere und läuft noch bis 27. Juli – bei gutem Wetter open air in der spektakulären Schloss-Ruine. Als Festspiel-Ensembles sind wie jedes Jahr wieder die Stuttgarter Philharmoniker und der Tschechische Philharmonische Chor Brünn zu Gast.
Durch die Themen dieser Oper, aber auch Helen Malkowskys Inszenierung bei den Heidenheimer Opernfestspielen sollen Verbindungslinien entstehen zu den aktuellen Problemen und Herausforderungen unserer Zeit. Denn nicht nur die Konflikte zwischen den Völkern, die durch Vertreibung und Flucht aufeinander prallen, sind heute so aktuell wie wohl selten zuvor. Sondern auch die unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Grundauffassungen in der Frage, wie man mit Geflüchteten umgeht.

Weitere Informationen und Tickets gibt es auf www.opernfestspiele.de.

(Fotos: Oliver Vogel/Festspiele Heidenheim)


23. — 29. Juni 2018

„Freundschaft“

Am 23. Juni beginnt mit dem Eröffnungskonzert des Rheingau Musik Festivals eines der großen Sommer-Events – und das bereits zum 31. Mal seit der Gründung des Traditionsfestivals im Jahr 1988 durch Michael Herrmann. Bespielt wird unter seiner Intendanz auch diesmal eine nicht gerade kleine Region von Wiesbaden bis Rüdesheim: vom altehrwürdigen Kloster Eberbach über das Wiesbadener Kurhaus bis zu Weingütern auf dem Land. Wohl einzigartig bei diesem Festival: Neben musikalischen Genüssen aller Art wird auch ein „Festival-Riesling“ angeboten von eben jenem Weingut, in dem auch das Festivalbüro seine Heimstätte hat. „Sein feinherber Charakter besticht durch Eleganz und Harmonie“, kann man dazu auf der Website lesen. Harmonie und Eleganz: Das bringen auch die vielen eingeladenen Künstler mit, die in etwa 170 Konzerten die Gegend zum Klingen bringen werden. Im Mittelpunkt stehen dabei in diesem Jahr die Jubilare Claude Debussy (dessen 100. Todestag 2018 gewürdigt wird) und Leonard Bernstein (100. Geburtstag). Artist in Residence ist Sopranistin Annette Dasch (oben auf dem Foto). Gemeinsam mit Klaus Florian Vogt wird sie etwa Duette von Schumann und Brahms präsentieren. Mit Brett Dean rückt man zudem einen spannenden Komponisten und Bratscher in den Fokus, der u.a. gemeinsam mit Oboist Albrecht Mayer zu hören sein wird, dem ebenfalls ein Schwerpunkt gewidmet ist. Bis zum 1. September und damit den ganzen Sommer dauert dieses musikalische Gipfeltreffen an, das 2018 unter dem Motto „Freundschaft“ steht.

Weitere Informationen und Tickets gibt es auf www.rheingau-musik-festival.de.

(Foto: Klaus Weddig)


16. — 22. Juni 2018

Blick auf Europa

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci (vom 8.-24. Juni) sind schon immer international ausgerichtet, schließlich sind nicht nur in diesem Jahr Künstler aus mehr als 30 Ländern beim Festival zu Gast. Doch der Blick über die Grenzen hinaus steht bei der diesjährigen Festivalausgabe mit dem Motto „Europa“ besonders im Fokus. Denn gerade in Potsdam mit seinen herrschaftlichen Schlössern und Gärten spiegelt sich die europäische Geschichte wie wohl nur an wenigen Orten sonst: Ihren Aufstieg verdankt die Stadt und damit auch die Region der Migration. Sie brachte „Holländer mit ihrer Bau- und Handwerkskunst, Schweizer Fabrikanten und Landwirte, flämische Schmiede, böhmische Weber und Musiker, italienische Schneider oder russische Soldaten und Choristen“ in die Region, wie die Kuratoren des Programms, Dr. Andrea Palent und Thomas Höft, auf der Festival-Website betonen. Und diese europäische Geschichte, aber auch die grenzenüberschreitende Kraft von Musik wird 2018 in Potsdam besonders gefeiert, das Festival will damit auch seinen Beitrag leisten zum Europäischen Kulturerbejahr 2018, „Sharing Heritage“. Wer wissen will, wie die Utopie Europa klingt, der sollte sich noch bis 24. Juni aufmachen in das beschauliche Städtchen an der Havel.

Das ganze Programm und Tickets gibt es auf www.musikfestspiele-potsdam.de.

(Foto: Stefan Gloede)


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