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17. — 23. November 2018

Friedensbotschaft

Sich auf Beethovens Musik zu spezialisieren, klingt heute nicht nach einem sonderlich originellen Schwerpunkt. Doch die Unbedingtheit, mit der der belgische Dirigent Jan Caeyers und sein Spezialisten-Ensemble „Le Concert Olympique“ sich den vielen Facetten des Bonner Komponisten widmen, ist durchaus beeindruckend. Caeyers gilt spätestens seit 2009 als wahrer Beethoven-Experte, als seine 800-seitige Beethoven-Biografie „Der einsame Revolutionär“ erschien. Mit seinem ein Jahr später gegründeten Projekt-Orchester „Le Concert Olympique“ durchleuchtet er seitdem akribisch die Werke Beethovens, wie demnächst die fünfsätzige „Missa solemnis“ in D-Dur, die er am 24. November in der Berliner Philharmonie und am 1. Dezember im Festspielhaus Baden-Baden aufführen wird. Mit dabei sind auch der Arnold Schoenberg Chor und als Gesangssolisten Malin Hatelius, Sarah Conolly, Steve Davislim und Hanno Müller-Brachmann. Mit dem Konzert wird an das Ende des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren erinnert, der so viele Menschen das Leben gekostet hat. Denn gerade die „Missa Solemnis enthält eine spirituelle Botschaft an die Menschheit, die den liturgischen Rahmen bei weitem übersteigt. Vor allem das abschließende Dona nobis pacem zeigt eine bis dahin unbekannte Eigenwilligkeit und eine bedeutende humanistische Ambition. Beethoven benutzt den kurzen Text, um ein langes Exposé über den Frieden zu gestalten“, so Jan Caeyers. Für das Konzert in Berlin haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und König Philippe von Belgien die Schirmherrschaft übernommen.

(Foto: Peter Adamik)


10. — 16. November 2018

„get real“

Zugegeben: Der Titel „rainy days“ weckt Assoziationen an gemütliches Teetrinken vorm Kamin, an Behaglichkeit und Weltenflucht. In Luxembourg zelebriert man die nass-kalte Jahreszeit aber seit ein paar Jahren ganz anders: mit einem Festival für Neue Musik, das sich sehen und vor allem hören lassen kann. Seit 2005 gibt es die „rainy days“, längst sind sie zu einem Magnet nicht nur für zeitgenössische Komponisten und Interpreten geworden, sondern auch für ein neugieriges Publikum. „Get real“ lautet das diesjährige Motto des gut 2-wöchigen Festivals, die „rainy days“ machen sich damit auf die Suche nach Interaktionen zwischen Kunst und Wirklichkeit. Wie bedingen sich Kunst und Politik gegenseitig, wie finden konkrete Klänge des Alltags Eingang in die Kunst, wie lassen sich Stadtleben und Klangerfahrung miteinander kombinieren? Diesen und vielen anderen Fragen wird vom 13. bis zum 25. November in der Philharmonie de Luxembourg, aber auch an vielen anderen Orten der Stadt, nachgegangen. Eingeladen sind u.a. das Klangforum Wien mit der Produktion „Third Space“, das Ensemble Mosaik, Einstürzende Neubauten, Florian Hoelscher und das Nadar Ensemble. Den Abschluss aber macht, wie im letzten Jahr, der „bal contemporain“, ein „rauschendes Fest mit United Instruments of Lucilin und Musik, Tanz, Suppe und Drinks“, so die Veranstalter. Klingt wie das perfekte Herbst-Programm.
Mehr Informationen gibt es auf www.rainydays.lu.

(Foto vom Klangforum Wien: Lukas Beck)


03. — 09. November 2018

„Todsünden“

„Todsünden“ lautet das Motto der diesjährigen Tage Alter Musik in Herne, das von der Stadt und dem WDR3 Kulturradio veranstaltet wird. Und genauer: „Laster & Moral im Spiegel der Musik vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert“. Klingt spannend! Wie also setzten sich Musikwerke in der Vergangenheit mit dem Thema „Todsünde“ auseinander und sind mit diesen in Beziehung zu bringen? Das kann man vom 8. bis 11. November u.a. am Beispiel von Johann Sebastian Bachs „Kaffee-Kantate“ erleben oder auch den Kompositionen des Lebemanns und Gourmets Gioacchino Rossini, der hier mit seinem Klavierzyklus „Alterssünden“ vertreten ist. Neben der Völlerei stehen im Fokus der diesjährigen Tage Alter Musik auch Hochmut und Wollust (beleuchtet durch Kompositionen etwa von König Heinrich VIII, der Musik der Lazzaroni in Neapel und Opern von Stradella und Vivaldi, in denen das Liebesleben eine Schlüsselrolle spielt). Aber auch die Todsünden Zorn, Neid, Faulheit und Geiz geben dem diesjährigen Gesamtprogramm einen klugen dramaturgischen Rahmen. Und wie immer gibt es neben den zahlreichen Konzerten (von denen einige auch im WDR übertragen werden) auch eine Musikinstrumenten-Messe der Alten Musik, in der nicht nur Instrumentenbauer vertreten sind, sondern auch Spezialverlage und Labels.

Mehr Infos und das genaue Programm gibt es hier.

(Foto vom La Cetra Barockorchester: Martin Chiang)


27. Oktober — 02. November 2018

Schöne Dekadenz

Er zeigte die Abgründe, die dunkle Erotik, die Triebkräfte des Menschen in aller Klarheit, ohne zu moralisieren: Richard Strauss` „Salome“ ist ein eigentümliches Meisterwerk mit psychologischen und gesellschaftskritischen Tiefen. Oscar Wildes gleichnamige Dichtung lieferte die Story um die Liebes- und Machtkämpfe der Prinzessin Salome mit ihrem Stiefvater Herodes und dem gefangenen Propheten Jochanaan. Dieser lässt sich von Salomes erotischen Annäherungsversuchen nicht aus seiner asketischen Haltung locken – und reizt sie dadurch umso mehr. Am Ende muss er mit dem Tod dafür bezahlen, und Salome bekommt ihren grausamen Willen, wenn sie den abgeschlagenen Kopf des Propheten endlich küssen kann. Dafür aber muss auch sie letztlich ihr Leben lassen.
Der US-amerikanische Regisseur Ted Huffman inszeniert erstmals in Köln und findet für die düstere Welt der Salome eine dunkle, kalte Ästhetik, in der die Gewaltexzesse umso drastischer wirken. Der GMD der Stadt Köln und Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth hat die musikalische Leitung. Noch bis 18. November an der Oper Köln.

(Fotos: Paul Leclaire)


20. — 26. Oktober 2018

Großes Opern-Kino

Wagners „Ring“ gilt als absolutes Opus Magnum der Operngeschichte. In vier Teilen von epischer Länge wird eine Handlung voller Intrigen und Emotionen durchlebt in einer Zwischenwelt der Götter und Menschen. Den zweiten Teil daraus, die „Walküre“, kann man am 28. Oktober ab 18 Uhr als abendfüllendes Spektakel in vielen Kinos in Deutschland und Österreich erleben. Der Kinosaal wird zum Opernhaus, wenn die Vorstellung aus dem Royal Opera House in London live übertragen wird. Die „Walküre“ kreist um Wotans Versuche, den Ring des Nibelungen zurückzuerobern, der seinem Träger einzigartige Kraft verleiht. Und es geht – natürlich! – auch um eine Liebesgeschichte, in diesem Fall der zwischen Siegmund und seiner (ihm zuvor unbekannten) Zwillingsschwester Sieglinde, die nach der Geburt getrennt wurden. Brünnhilde, Wotans Lieblingstochter und stolze Walküre, tritt für Siegmund ein, der dennoch sterben muss, aber zumindest kann sie die schwangere Sieglinde retten. Als Rache für ihren Ungehorsam lässt ihr Vater Wotan sie auf dem Walkürenfelsen mit ewigem Feuer umlodern, in einen Dauerschlaf versenkt, bis sie ein mutiger Sterblicher erlösen wird.
Mit Stuart Skelton als Siegmund, Emily Magee als Sieglinde, John Lundgren als Wotan, Nina Stemme als Brünnhilde und Sarah Connolly als Fricka hat man eine Star-Besetzung engagiert für die Inszenierung von Keith Warner. Die musikalische Leitung hat Antonio Pappano, der Musikdirektor der Royal Opera.

Die Oper beginnt um 18 Uhr und dauert knappe fünf Stunden, es gibt zwei Pausen. Alle Kinos, die die Vorstellung übertragen, finden sich auf www.rohkinotickets.de.

(Foto: Clive Barda)


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