Startseite · Bild der Woche

19. — 25. Januar 2019

Eisige Welt

Musiktheater-Uraufführungen sind noch immer selten und nicht unbedingt ein Publikums-Magnet. Doch die Oper „Violetter Schnee“ von Komponist Beat Furrer, der 2018 mit dem renommierten Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, wurde in der Musikwelt mit Spannung erwartet. Die Inszenierung von Claus Guth feierte am 13. Januar in der Staatsoper Berlin Premiere. Eine Winteroper, wie der Titel suggeriert? Das Sujet jedenfalls lässt einen frösteln: Fünf Menschen sind in endlos wirkenden Schneewehen gefangen, sich selbst und der unheilvollen Gruppendynamik ausgeliefert. Die fünf Charaktere erweisen sich als Prototypen von Menschen, wie sie auf dieser Welt immer wieder vorkommen und miteinander kollidieren: Jacques, der Einzelgänger, der den Schneefall mit Optimismus sieht und ihn mit ganzem Herzen akzeptiert; Silvia und Peter, die sich – verständlicherweise – fürchten und mit ihren Emotionen zu kämpfen haben. Die „Tatkräftigen“, Jan und Natascha, die hoffen und planen und einen Ausweg suchen für die ungleiche Gruppe. Eine Fremde bringt in dieser weißen, einsamen Welt zunächst Hoffnung, dann aber Trostlosigkeit. Die Vorlage zu diesem Psycho-Drama stammt von Vladimir Sorokin, der österreichische Autor HändlKlaus entwickelte daraus das Libretto. Das Kammerstück ist an der Berliner Staatsoper mit Spitzenkräften besetzt: Anna Prohaska (Silvia), Elsa Dreisig (Natascha), Gyula Orendt (Jan), Georg Nigl (Peter) und Otto Kathameier (Jacques). Die wortlose Fremde Tanja wird von Martina Gedeck gespielt. Die musikalische Leitung hat Matthias Pintscher. Noch bis 31. Januar an der Staatsoper Berlin.

(Fotos: Monika Rittershaus)


12. — 18. Januar 2019

Monströse Kinderspiele

Mit „Die Drehung der Schraube“ ist der Titel von Benjamin Brittens Kammeroper nach Henry James gleichnamiger Novelle eher unbeholfen übersetzt. Die im Deutschen lahmende Metapher will darauf anspielen, dass es für die Figuren der Handlung kein Entrinnen gibt, weil die Schraube ihres Verhängnisses sich immer weiter zuzieht. Denn Brittens Kammeroper handelt von traumatisierten Kindern, die offenbar sexuell missbraucht wurden. Ein Thema von trauriger, jedoch zeitloser Aktualität, das in Brittens Opernschaffen immer wieder auftaucht („Peter Grimes“ und „Death In Venice“, wenn auch hier nur platonisch fantasiert).
Das mutmaßliche Verbrechen kommt im Laufe der mysteriösen Handlung jedoch nur sehr allmählich und nie wirklich deutlich ans Licht. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper belassen es bei mysteriösen Andeutungen, vieldeutigen Hinweisen und verdichten lediglich die düster lastende Stimmung der sich zuspitzenden Situation mehr und mehr.
Schon im orchestralen Vorspiel des Prologs ist in Braunschweig hinter einem Gazevorhang eine albtraumartige Nachtszene zu erkennen: Mondlicht fällt auf eine stuckverzierte Wand, im diffusen Licht sieht man eine geschwungene Treppe, und hinter einer Wand ragt die seltsame Klaue eines monströsen, echsenartigen Tiers hervor.
Dann ertönt die helle Tenor-Evangelisten-Stimme des Prologs aus dem Off und der Prolog-Sänger Matthias Stier steigt aus dem Graben auf die Bühne, eine schillernde Gestalt ganz in Schwarz gewandet mit kinnlanger weißer Mähne. Er bewegt sich tänzelnd, spielerisch und bleibt nach den Prolog auf der Bühne, wenn die namenlose Gouvernante, die im Prolog noch schlafend am Bühnenrand saß, sich für ihre Reise nach Bly rüstet, um dort ihre neue Position als Betreuerin anzutreten. Die Gouvernante zweifelt, ob ihre Entscheidung richtig war, kleidet sich an, aber der schwarze Sänger fährt ihr immer wieder durch die Haare, löst ihren Gürtel wieder und stört sie so penetrant und aufdringlich, aber scheinbar unsichtbar für sie, als sei er ihr personifizierter Selbstzweifel, ihre Angst, ihr Zögern.
Mattias Stier, der sich später als der untote Ex-Diener Quint entpuppt, ist in der Inszenierung der Braunschweiger Generalintendantin Dagmar Schlingmann der eigentliche Regisseur des unheimlichen Geschehens, beinahe omnipräsent auf der häufig kreisenden Drehbühne, die Sabine Mader mit wenigen Elementen zu einer Welt der bizarr verzerrten Perspektiven ausgestattet hat.
Die Echsen-Klaue gehört tatsächlich zu einem umgekipptenTyrannosaurus Rex, einem ins Riesenhafte vergrößerten Spielzeugtier, so naturalistisch gestaltet wie aus dem Hause Schleich, dessen langer Dino-Schwanz sich durch einen Spalt in der Wand in einen benachtbarten Raum schlängelt. Spielzeug taucht immer wieder auf in Schlingmanns subtil suggestiver, nah am Text bleibender und grandios getimter Aufführung. Mal in harmlosem Originalformat, dann 10 Mal größer – wie der Schlumpf, der plötzlich herumliegt – dann gigantisch aufgeblasen und dadurch unheimlich, ins Monströse gesteigert, wie am Ende das riesige, grell pinkfarbende Plüschtier.
Die Geschichte der jungen, namenlosen Gouvernante, die in das Landhaus Bly zieht, um dort die Betreuung der Kinder Miles und Flora im Auftrag ihres Vormunds zu übernehmen, erzählt Schlingmann schnörkellos. Für die seltsamen Gewohnheiten und rätselhaften Verhaltensweisen findet sie stimmige Bilder, auch das kollektive Schweigen, das über dem Anwesen zu herrschen scheint, ist bei Schlingmann sehr beredt: Wenn etwa Mrs. Grose, die ältere Betreuerin vor Ort, gleich zur Begrüßung der Gouvernante einen lasziven Kuss spendiert und die Kinder unablässig berührt. Die Übergriffe sind bei Schlingmann allgegenwärtig, alles klebt irgendwie unlösbar und unheilvoll aneinander.
Die Gouvernante glaubt bald, dass die Geschwister unter dem Einfluss von Geistern stehen, die das Haus heimsuchen. Schließlich erkennt sie in den Geistern die früheren Angestellten Quint und Miss Jessel, die einst die Kinder quälten und inzwischen längst gestorben sind. Die Kinder stehen jedoch nach wie vor unter dem psychischen Bann der Täter, aus dem sie sich nicht lösen können und letztlich eben nicht zu retten sind.
Schlingmann und ihrem Team gelingen triftige Bilder, und die bereits zu Beginn herrschende hohe Binnenspannung verdichtet sich über die gut zwei Stunden des Abends mehr und mehr. Einen großen Anteil am Gelingen hat Iván López Reynoso am Pult des solistisch besetzten Ensembles aus dem Staatsorchester Braunschweig, der ungeheuer transparent, präzis und sprechend musizieren lässt. Die Musiker sitzen auf der Stuhlkante, es klingt kammermusikalisch intensiv, besonders zu preisen ist die rhetorisch prägnante, dabei lyrisch singende Oboe. Auch das Sängerensemble ist mustergültig und homogen besetzt: Besonders herausragend Matthias Stier, dessen biegsamer Tenor weder Höhenangst noch Nuancengrenzen kennt und der auch darstellerisch glänzt, dicht gefolgt von Inga-Britt Andersson (als einzige zu Gast, alle anderen sind Ensemblemitglieder) als flammend singende Gouvernante und Carolin Löfflers Mrs. Grose, die ihre etwas undankbare Partie mit dunkel schillernden Mezzofarben grundiert. Imposant auch Ekaterina Kudryavtsevas somnambule Miss Jessel und das Kinderpaar, hier nicht mit Kindern, sondern mit ausgewachsenen Sängern besetzt: Jelena Bankovic ist eine lichte, mit gleißenden Farben spielende Flora, Milda Tubelytė fasziniert mit ihrem frischen Mezzo und der frappierend authentischen Darstellung eines pubertierenden Jungen mit dunklen Geheimnissen. Ein starker Abend, einhelliger Jubel beim Schlussapplaus.

Regine Müller

(Fotos: Thomas M. Jauk)


05. — 11. Januar 2019

Happy Birthday, BJO!

50 Jahre, ein halbes Jahrhundert! Das ist schon ein Grund zum Feiern, vor allem für ein Orchester, das sich in den letzten Jahrzehnten seinen Ruf als exzellente Nachwuchs-Schmiede sichern konnte. Das Bundesjugendorchester, da sich aus jungen Musikbegeisterten zwischen 14 und 19 Jahren zusammensetzt, feiert 2019 sein 50-jähriges Bestehen. Im April 2019 wird der Geburtstag ganz offiziell mit Festkonzerten und einer großen Feier mit aktuellen Orchestermitgliedern und Ehemaligen in Köln begangen. Doch bereits jetzt, zum Jahresbeginn, steht eine ausgedehnte Tournee auf dem Programm, die das Jubiläumsjahr einläutet: Vom 6.1. bis zum 14.1. gastiert das BJO u.a. in Luxemburg, Essen, Hamburg, Berlin und Bonn. Die ersten vier Konzerte leitet Kirill Petrenko, designierter Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Danach übernimmt Hermann Bäumer das Dirigat des anspruchsvollen Programms. Auf dem Programm: Strawinskis legendäre Ballettmusik „Le sacre du printemps“, außerdem Sinfonische Tänze aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein und William Krafts Paukenkonzert Nr. 1 mit Solist Wieland Welzel. Energie und Enthusiasmus, aber auch Perfektion und Musikalität – diese Eigenschaften prägen das junge Orchester heute ebenso wie vor 50 Jahren. Happy Birthday, Bundesjugendorchester!

(Foto: Kai Bienert/mutesouvenir)


29. Dezember 2018 — 04. Januar 2019

Weihnachtsgrüße

Das RONDO-Team wünscht allen Leserinnen und Lesern entspannte und inspirierende Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019!

(Bild: Thomas Thiesen)


22. — 28. Dezember 2018

Weihnachtsgrüße

Das RONDO-Team wünscht allen Leserinnen und Lesern entspannte und inspirierende Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019!

(Bild: Thomas Thiesen)


« zurück 117/117 weiter »





Top