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05. — 11. Mai 2018

„Machtspiele“

Mozart war fünf Mal zu Besuch in Augsburg, der Geburtsstadt seines Vaters Leopold. Grund genug für ein Musikfestival in der drittgrößten bayerischen Stadt. Unter der Leitung von Simon Pickel will das Deutsche Mozartfest, das in diesem Jahr vom 4. bis zum 13. Mai geht, sich nicht nur intensiv mit der Kunst und Bedeutung Mozarts befassen, sondern auch Begeisterung für die klassische Musik generell wecken – und das auch über die Mozartstadt Augsburg hinaus. Daher wählt man als Motto immer große Themen mit vielen Facetten und Dimensionen: in diesem Jahr die Beziehung zwischen Macht und Musik unter dem Titel „Machtspiele“. Zum Eröffnungskonzert am 4. Mai hat man etwa die „Musik für die Mächtigen“ in den Fokus gestellt und einen Konzertabend mit Werken von Antonio Vivaldi, Angelo Ragazzi und Joseph Umstatt konzipiert, musiziert vom Barockensemble Cappella Gabetta unter der Leitung von Andrés Gabetta. Im Verlauf der neun Festivaltage sind auch weitere bekannte Musikbotschafter in Augsburg zu Gast: etwa Dorothee Oberlinger, Sarah Christian, die Musicbanda Franui, der Chor des Bayerischen Rundfunks, die Akademie für Alte Musik Berlin und das Belcea Quartet. Künstlergespräche und andere Vermittlungs-Angebote, ein Symposium und ein Meisterkurs mit Herber Schuch runden das Programm ab. Und auch für Kinder ist einiges geboten, denn mit dem Programm KLING KLANG GLORIA! wurde ein eigenes Mozartfest für Kinder geplant, dessen Angebote für Schulen bereits ausverkauft sind. Musik spricht eben alle an – nicht nur in der Mozartstadt Augsburg.
Das ganze Festivalprogramm und Tickets gibt es auf www.mozartstadt.de.

(Fotos: Holger Talinski, Astrid Ackermann, Julia Stix)


28. April — 04. Mai 2018

Drama im Drehstuhl

Bernd Alois Zimmermann muss wohl von der damals noch fernen Zukunft der Oper geträumt haben, als er über sein Opus Maximum „Die Soldaten“ das Rätselwort von der „Kugelgestalt der Zeit“ raunte. Das Geschehen solle zugleich „gestern, heute und morgen“ spielen, verfügte er nicht minder geheimnisvoll, was in den 1960er Jahren technisch noch nahezu utopisch war. Nach langen Verzögerungen, Krächen und Abbrüchen gelangte das epochale Werk schließlich 1965 in Köln – als Auftragswerk der Stadt – zur Uraufführung und geriet zum Triumph und zum Markstein zeitgenössischen Musiktheaters. Lange danach galt es aber nach wie vor als nahezu unspielbar. Vor zwölf Jahren fand Regisseur David Pountney dann bei der Ruhrtriennale in der Bochumer Jahrhunderthalle mit einem 120 Meter langen Bühnen-Steg und daran entlang gleitenden Zuschauertribünen eine verblüffend handfeste, gleichwohl irrwitzig kostspielige Lösung für die geforderte Simulataneität der Handlung. Danach schien der Bann endlich gebrochen, das Werk wird nun immer häufiger gespielt.
In der Uraufführungs-Stadt Köln ist nun anlässlich Zimmermanns 100. Geburtstag eine noch ungleich konsequentere Annäherung an Zimmermanns Vision geglückt. Und das ausgerechnet in dem für das Format Oper eigentlich so problematischen Staatenhaus, das noch lange als Interimsstätte herhalten muss und so manches Repertoirewerk für die Guckkastenbühne in seiner akustischen und szenischen Weite schon buchstäblich verschluckt hat.
Über steile Stiegen entert das Publikum nun einen ovalen Theaterraum, der Bühne, Tribüne und Orchesterpodium auf überraschende Weise in eins fallen lässt. Denn das Geschehen spielt auf einer den ganzen Riesen-Raum umlaufenden Galerie, die Spiel- und Projektionsfläche zugleich ist, während sich das Publikum auf winzigen Dreh-Höckerchen nach Belieben dem zuwenden kann, was von den parallel stattfindenden Bildern und Aktionen gerade am meisten bannt. Die Hocker sorgten schon vorab für einen mittleren Skandal (den zweiten vor der Premiere, den ersten witterte die Kölner Lokalpresse in einem angeblichen Zerwürfnis zwischen GMD François-Xavier Roth und Intendantin Birgit Meyer). In der Tat sind die Sitzgelegenheiten mit ihren etwa handtellergroßen Rückenlehnchen orthopädisch bedenklich, erfüllen aber perfekt den Zweck der Rundumsicht. Und wem das Geflirre der Projektionen – relativ dezent, aber treffsicher: Marc Molinos, Alberto de Gobbi – und die Aktionen der effektvollen, aber holzschnittartig gezeichneten Regie zu viel werden, kann einfach nach vorne schauen und sich auf die eigentlichen Turbo-Motoren des Abends konzentrieren: das bombastisch besetzte Gürzenich-Orchester und seinen GMD François-Xavier Roth, der hier ganz zu sich kommt. Roth ist bekanntlich Spezialist für Neutöner, und nun zieht er triumphal alle Register. Allein, wie er den riesigen Apparat mit den teilweise ausgelagerten Schlagwerkern, Bühnenmusik, Jazz-Combo, Zuspielbändern und nahezu 20 Solisten mit makelloser Präzision zusammenhält, grenzt an ein Mirakel. Noch mehr zu bewundern sind jedoch die unerhörte Transparenz und klangliche Differenziertheit, mit der Roth Zimmermanns Monster-Partitur durchleuchtet und begreifbar macht. Endlich sind die vielen Zitate trennscharf herauspräpariert und die disparaten Collage-Puzzleteile so klar umrissen, dass sich die ja auch musikalisch simultan denkende Struktur des Werks in ihrer ganzen, faszinierenden Komplexität zu erkennen gibt. Gewiss wird es auch bisweilen sehr laut, aber nie suppt der Klang zu einem Chaos-Brei zusammen. Und oft dimmt Roth die Dynamik in nie gehörte Zartheiten herunter und lässt lyrische Momente sinnlich aufblühen. Auch die Sänger, die sich über weite Distanzen mittels Monitoren und drei Assitenz-Dirigenten orientieren müssen, bleiben stets akkurat in der Spur und imponieren mit einer seltenen Niveau-Geschlossenheit. Allen voran und stellvertretend für alle anderen Höchstleistungen Emily Hindrichs gleißende Marie, gefolgt von Nikolay Borchevs anrührend balsamischem Stolzius und Martin Kochs heiß-kaltem Desportes. Millimeter-Arbeit leistet für die verstärkten Sänger und optimale Klang-Mischverhältnisse Paul Jeukendrups Klangregie. Regisseur Carlus Padrissa von der katalanischen Theatertruppe „La Fura dels Baus“ hält sich diesmal angenehm zurück mit Artisten- und überbordendem Technik-Klimbim und findet starke Bilder, die Andreas Grüters zwingende Licht-Regie bohrend zugspitzt. Das Ganze hat enormes Tempo und einen mitreißenden Drive, auch wenn Padrissas Regie zwar atmosphärisch dicht ist, aber analytisch an der Oberfläche bleibt und nichts wirklich Neues erzählt. Großer Jubel im Staatenhaus.

Von Regine Müller

(Fotos: Paul Leclair)


21. — 27. April 2018

Lebenselixier Musik

Vom 25. bis 29. April findet in der documenta-Halle das Musikfest Kassel statt. Und diesmal dreht sich dabei alles um Clara Schumann. Die gefeierte Pianistin und begabte Komponistin stand zu Lebzeiten und vor allem darüber hinaus oft im Schatten ihres ungleich berühmteren Ehemanns Robert. Das Musikfest Kassel geht bei seiner diesjährigen Festivalausgabe auf Spurensuche nach der Bedeutung Clara Schumanns – als wichtige Wegbegleiterin von Robert Schumann und Johannes Brahms, als Managerin einer krisengeschüttelten Familie, als Instrumentallehrerin und Dozentin, aber vor allem auch als Künstlerin und Komponistin. Denn Clara Schumann meinte selbst über sich: „Die Ausübung der Kunst ist ein großer Teil meines Ichs, es ist mir die Luft, in der ich atme“. Mit Ragna Schirmer, die seit 2016 das Musikfest Kassel künstlerisch leitet, hat Clara Schumann ihre wohl engagierteste Fürsprecherin in der Gegenwart gefunden. Ragna Schirmer hat bereits zahlreiche von Claras Werken auf CD eingespielt und sie in Konzerten dem Publikum nahe gebracht. Als musikalische Gäste für die diesjährige Festivalausgabe in Kassel – in der Clara Schumanns Werken mit anderen Kompositionen sinnfällig verkoppelt werden – sind u.a. das Henschel Quartett, der Bariton Benjamin Appl, der Schauspieler und Rezitator Christian Brückner und das Morgenstern-Trio eingeladen.
Das Festival-Programm und weitere Informationen gibt es auf www.konzertverein-kassel.de.

(Foto von Ragna Schirmer: Maike Helbig)


14. — 20. April 2018

„Es liegt in der Luft“

Eine Operette im Kaufhaus: Das Theater Erfurt feierte am 12. April Premiere von Mischa Spolianskys „Es liegt in der Luft“ – und zwar im Erfurter Modehaus Breuninger. Nach der Kaufhausoperette „Rufen Sie Herrn Plim!“ im Jahr 2014, die bereits an diesem Ort inszeniert wurde, ist es die zweite Produktion an diesem ungewöhnlichen Originalschauplatz. Die Handlung von „Es liegt in der Luft“ nach einem Text von Marcellus Schiffer ist so unterhaltsam wie skurril, sie zeigt ein Panorama der Alltagsgesellschaft im Kaufhaus: ein Gaunerpärchen, zwei Freundinnen, die in den gleichen Mann verliebt sind, vergessene Zwillinge, die zum Kaufhaus wie das Inventar gehören. Eine Satire der Konsumgesellschaft der Goldenen 20er Jahre. Die musikalische Leitung hat Ralph Neubert, die Regie führt Fernando Blumenthal. Am Theater Erfurt (Breuninger Modehaus) noch bis 17. Mai.

(Fotos: Lutz Edelhoff)


07. — 13. April 2018

Bewegungsdrang

Pünktlich zum Frühlingsausbruch starten auch die diesjährigen, 16. Movimentos Festwochen in der Autostadt Wolfsburg. Wie immer steht hier vieles im Zeichen der Bewegung, des Tanztheaters. Doch auch Klassik- und Jazz-Konzerte, Podiumsgespräche und Workshops sind für die nächsten vier Wochen geplant. Das „Festival für Tanzbegeisterte und Kulturinteressierte“, wie es sich selbst bezeichnet, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Würde“, das auch am 9. April als Ausgangspunkt einer öffentlichen Podiumsdiskussion dient. Seit 2003 lockt die Autostadt mit hochkarätigen Künstlern und namhaften Tanzcompagnien nicht nur die Wolfsburger an, sondern Besucher aus der ganzen Region. Zu den künstlerischen Gästen zählt in diesem Frühling u.a. die Company Wayne McGregor, die Sydney Dance Company und die Compagnie Ballet BC. Außerdem kann man in diesem Jahr Künstler wie Kit Armstrong gemeinsam mit Annika Treutler, William Youn und das Emil Brandqvist Trio erleben. Eröffnet wurden die Festwochen am 4. und 5. April bereits durch Tanzvorstellungen der hauseigenen Movimentos Akademie, die Kinder und Jugendliche in die Welt des Tanzes einführt. Das Festival läuft noch bis 6. Mai.

Movimentos Akademie (c) Matthias Leitzke


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