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15. — 21. Dezember 2018

„Marx in London“

Karl Marx ist auf der Bühne bisher eher ein Unbekannter, auch wenn zumindest das Potenzial seiner Ideen im vergangenen Sommer im Rahmen eines spannenden Kompositionswettbewerbs in Trier ausgelotet wurde. Dass Karl Marx in diesem zu Ende gehenden Jahr besondere Aufmerksamkeit erfährt, ist kein Zufall. Er hätte 2018 seinen 200. Geburtstag gefeiert. Für das Theater Bonn u.a. ein Grund, um ein Werk in Auftrag zu geben, das den Menschen Marx und seine Familie in den Fokus stellt. Das Libretto stammt von Charles Hart nach einem Originalszenario von Jürgen R. Weber, die Musik komponierte der 1959 geborene Jonathan Dove. Das Ziel der Produktion, so Hart und Weber (der auch Regie führte), sei es gewesen, „eine Oper zu schaffen, die nicht nur einen Tag im Leben von Marx, sondern auch einen Tag im Leben der Mutter aller modernen Metropolen, London, erzählt. Einen verrückten, unterhaltsamen, spannenden, aber auch typischen Tag in all seiner Dynamik und Widersprüchlichkeit. Dabei wird inhaltlich und musikalisch die Trialektik zwischen Utopie, Wissenschaft und Realität umgesetzt.“ Für die wissenschaftliche Expertise in dem musiktheatralen Projekt sorgten im Übrigen Tristram Hunt, ein Historiker und Marx-Experte, und die Wissenschaftler Prof. Gareth Stedman Jones vom Kings College und Rachel Holmes, die eine vielbeachtete Biografie von Marx Tochter verfasst hat. Man muss aber keine Sorge haben, „Marx in London“ könne ein trockenes wissenschaftliches Lehrstück sein, für die nötige Sinnlichkeit und den Esprit sorgt das Medium Musiktheater von ganz allein. Die musikalische Leitung hat David Parry, es spielt das Beethoven Orchester Bonn. Noch bis 14. Februar am Theater Bonn.

(Fotos: Thilo Beu)


08. — 14. Dezember 2018

Gefährliche Versuchung

Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ gehört für viele zur Adventszeit wie Stollen und Glühwein. Schließlich spielen ja hier der winterliche Wald und Lebkuchen (wenn auch als Hausverzierung) und ein Engelchor eine wesentliche Rolle. Und das Happy End macht einem so warm ums Herz. Traditionell gibt’s daher auch zur Winterzeit einige Neuinszenierungen des Stücks, das – trotz fieser Charaktere und eigentlich sehr gruseliger Handlung – gemeinhin als Kinder- und Familienoper gilt. So wurde bereits im November „Hänsel und Gretel“ von Robert Carsen in Zürich neu inszeniert sowie in Weimar von Christian Sedelmayer. Am 1. Dezember feierte das Theater Bielefeld mit einer Inszenierung von Jan Eßlinger Premiere (Fotos oben). Nur das Mainfranken Theater in Würzburg schert aus der Tradition aus und hat „Hänsel und Gretel“ als letzte Neuproduktion der Saison für den Juli kommenden Jahres programmiert (Regie: Sigrid Herzog). Denn die Oper ist weit mehr als ein nur ein Weihnachtsstück, kann man auf der Website des Theaters lesen: „Die Gattungsbezeichnung ‚Märchenspiel‘ weitet den Interpretationsrahmen aber auch zum abgründigen Symbolspiel um Leben, Tod und Erlösung. Der Irrpfad der Kinder, er führt nicht nur in den dunklen Wald, sondern auch in das unbehauste und unheimliche Dickicht der Seele.“

(Fotos: Sarah Jonek)


01. — 07. Dezember 2018

Vivaldi-Winter

Festivals sind keineswegs ein Fall nur für die wärmeren Jahreszeiten. Auch im Winter, parallel zum laufenden Saison-Betrieb, verstehen sich einige Festivals als kleine kulturelle Inseln mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wie derzeit das Festival „Winter in Schwetzingen“, das seit 30.11. (und noch bis 26.1.!) hauptsächlich im dortigen malerischen Rokokotheater stattfindet. Veranstaltet wird es vom Theater und Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg, die künstlerische Leitung hat Heribert Germeshausen. Und das Programm bietet durchaus eine spannende Ergänzung zum Besuch an den Opern-Stammhäusern der Gegend. Denn der Fokus liegt auf dem italienischen Barock und dieses Jahr speziell auf dem Schaffen Antonio Vivaldis, der ein riesiges, nahezu unbekanntes Opern-Oeuvre hinterließ. So feierte bereits seine Oper „La verita in cimento“ am 30.11. in Schwetzingen Premiere, neu inszeniert von Yona Kim. Neben dieser Kern-Produktion wird aber Vivaldis Musik auch in zahlreichen Konzerten beleuchtet, u.a. mit der Lautten Compagney Berlin und Wolfgang Katschner sowie mit der Austrian Barock Akademie. Auch ein traditionelles Weihnachtskonzert (mit dem Philharmonischen Barock Orchester Heidelberg unter der Leitung von Thierry Stöckel) widmet sich Vivaldis Kunst – wegen der großen Nachfrage wurde gerade ein drittes Zusatzkonzert angekündigt. Winter und Vivaldi: Das passt eben gut zusammen.

(Foto: Florian Merdes)


24. — 30. November 2018

Sing-along!

Singen tut gut, macht Spaß und verbindet die Menschen. Gerade in der Vorweihnachtszeit kommt bei vielen daher der Wunsch auf, gemeinsam zu musizieren – und dabei vielleicht noch ein bisschen Spiritualität und Entschleunigung zu erleben in einer ansonsten oft beängstigend rasanten Welt. Kein Wunder, dass sogenannte „Sing-alongs“ ab November hoch im Kurs stehen, also Mitsing-Konzerte auf oft recht beachtlichem Niveau. Vor allem Händels „Messias“ und Bachs „Weihnachtsoratorium“ stehen dabei oft auf dem Programm, die meist mit Hilfe eines (zumindest semiprofessionellen) Orchesters und professionellen Solisten musiziert werden, so wie beim „Mitsing-Konzert“ des Rundfunkchors Berlin, das bereits im November stattfand. Ein „Weihnachtsoratorium für alle“ gibt es am 12. Januar mit 300 Sängerinnen und Sängern in Hannover, veranstaltet von der dortigen Landeskirche. In der Hamburger Elbphilharmonie wird es im Rahmen des Festivals „Lux aeterna“ am 9. Februar ein großes gemeinsames „SINGING!“ geben, in Würzburg gibt’s traditionell ein Sing-along mit Händels „Messias“ am 6. Januar. Auch in Luzern, im Wiener Konzerthaus und an vielen anderen Orten kann man in den gemeinsamen Gesang einstimmen. Notenkenntnisse sind meist erwünscht, Chorerfahrung wird aber nicht vorausgesetzt. Also am besten schon mal Stimme aufwärmen!

(Foto: pixabay)


17. — 23. November 2018

Friedensbotschaft

Sich auf Beethovens Musik zu spezialisieren, klingt heute nicht nach einem sonderlich originellen Schwerpunkt. Doch die Unbedingtheit, mit der der belgische Dirigent Jan Caeyers und sein Spezialisten-Ensemble „Le Concert Olympique“ sich den vielen Facetten des Bonner Komponisten widmen, ist durchaus beeindruckend. Caeyers gilt spätestens seit 2009 als wahrer Beethoven-Experte, als seine 800-seitige Beethoven-Biografie „Der einsame Revolutionär“ erschien. Mit seinem ein Jahr später gegründeten Projekt-Orchester „Le Concert Olympique“ durchleuchtet er seitdem akribisch die Werke Beethovens, wie demnächst die fünfsätzige „Missa solemnis“ in D-Dur, die er am 24. November in der Berliner Philharmonie und am 1. Dezember im Festspielhaus Baden-Baden aufführen wird. Mit dabei sind auch der Arnold Schoenberg Chor und als Gesangssolisten Malin Hatelius, Sarah Conolly, Steve Davislim und Hanno Müller-Brachmann. Mit dem Konzert wird an das Ende des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren erinnert, der so viele Menschen das Leben gekostet hat. Denn gerade die „Missa Solemnis enthält eine spirituelle Botschaft an die Menschheit, die den liturgischen Rahmen bei weitem übersteigt. Vor allem das abschließende Dona nobis pacem zeigt eine bis dahin unbekannte Eigenwilligkeit und eine bedeutende humanistische Ambition. Beethoven benutzt den kurzen Text, um ein langes Exposé über den Frieden zu gestalten“, so Jan Caeyers. Für das Konzert in Berlin haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und König Philippe von Belgien die Schirmherrschaft übernommen.

(Foto: Peter Adamik)


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