Startseite · CD zum Sonntag

05. — 11. Dezember 2020

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Der Geburtstag naht: Am 17. Dezember 1770 wurde Ludwig van Beethoven in Bonn getauft. Das Beethovenjahr hatte man sich freilich anders vorgestellt, selbst wenn der diskografische Output trotz Pandemie gewaltig war. Sinfonien, Sonaten, Sonstiges – man hat die Qual der Wahl. Wer es nicht besser weiß, könnte in Hinrich Alpers bei Sony erschienener Beethoven-CD ein solches Album sehen, um das man im Jubiläumsjahr als Pianist eben nicht herumkommt. Nun hat sich Alpers bei aller Fülle des klaviertechnisch attraktiven Solo-Piano-Repertoires ausgerechnet Franz Liszts heikle Transkriptionen der Beethovenschen Sinfonien vorgenommen. Alle Neune, auf sechs CDs. Um mit Beethovens Worten zu fragen: Muss es sein? Es muss sein! Schließlich unterscheiden sich diese Bearbeitungen doch sehr von den virtuosen, mit Höchstschwierigkeiten gespickten Opernparaphrasen à la Mozarts „Don Giovanni“. Vielmehr versuchte Liszt, die orchestrale Klangsprache der Sinfonien mit viel Ernst und wenig Effekt auf das Klavier zu übertragen. Hinrich Alpers arbeitet Farben, Nuancen und Strukturen ohrenfällig heraus. Dass man diese Musik, von einem Orchester gespielt, klanglich vielfältiger und wirkmächtiger gewohnt ist – keine Frage. Sie wäre sonst wohl kaum so beliebt. Dennoch: Der Pianist beweist mit diesem Album, dass es sich der enorme Einstudierungs-Aufwand lohnen kann. Eine letzte Frage drängt sich auf: Was passiert mit dem Chorfinale der Neunten? Liszt notierte die Vokalstimmen auf Vorschlag seines Verlegers in die Klavierpartitur. Alpers lässt sie vom RIAS Kammerchor und Solisten nun tatsächlich vokal ausführen. Das klingt, bei aller Qualität, im Zusammenklang ungewohnt, führt letztlich aber nur vor Augen, wie selbst ein Meisterbearbeiter einst an seine Grenzen stieß. Ein Hauch von Menschlichkeit bei aller Transzendenz.

28. November — 04. Dezember 2020

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Aus Licht geboren: Wenn die längsten Nächte des Jahres wieder anstehen, haben die Menschen zugleich die meiste Kontrolle darüber, wie sie ihr Tagewerk oder ihren Feierabend ausleuchten wollen, hell oder dämmrig, elektrisch oder mit Kerzen, Kalt- oder Warmweiß. Die christlichen Lichtbräuche, die mit der nun beginnenden Adventszeit einhergehen, wie das zunehmende Kerzenlicht des Adventskranz, haben ihren Ursprung im viel älteren heidnischen Mythos des Sonnenhelden, der zur Sonnenwende die Dunkelheit besiegt und den Sommer des kommenden Jahres zurückbringt. „O nata lux de lumine“ (Oh Licht aus Licht geboren), heißt es in der Motette von Thomas Tallis, die das neue Album der Zurich Chamber Singers eröffnet und die thematische Richtung setzt. Der noch relativ junge Schweizer Chor unter der Leitung von Christian Erny hat Chorstücke zusammengestellt, die das Weihnachtsgeschehen aus verschiedenen Blickwinkeln, zugleich auch mit der wechselnden Tonsprache aus über 5 Jahrhunderten deuten. Und der Chor zeigt, was er kann: Neben weiteren anspruchsvollen Motetten von Victoria, Praetorius und Benjamin Britten entfaltet auch ein eigentlich liedhafter Satz wie „Maria durch ein Dornwald ging“ im Verlauf der Verse immer virtuoser verschränkte Ausgestaltung. Die frankophonen Talente der Schweizer Sängerinnen und Sänger finden ebenso fruchtbar Verwendung wie ihre Liebe zur Neuen Musik. Während „O magnum mysterium“ von Marcus Paus dem Chor den geheimnisvollen Klang des Marimbaphon an die Seite stellt, schlägt Rhiannon Randle in ihrer Auftragskomposition „O nata lux“ von 2018 den Bogen zu Tallis‘ gleichnamiger Motette, deren Text sie mit tastenden Fortschreitungen in immer neue harmonische Farben taucht. Ein gelungenes Debüt-Album, unser Tipp für die Adventszeit!

21. — 27. November 2020

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Durch Raum und Zeit: Die Lautten Compagney von Wolfgang Katschner ist bekannt für ihre Sprünge quer durch musikalische Epochen. Neben der Alten Musik beherrschen die Berliner Barockexperten auch jüngeres Repertoire, dem sie sich gerne in frischen Bearbeitungen nähern. Enttäuscht wurde man von den letzten Konzept-Alben freilich nicht. Da trafen schon Merula auf Glass, Biber auf Piazzolla und Dufay auf Reich. Der neueste Streich musikalischer Kombinatorik bringt nun wieder ein Komponisten-Pärchen, deren harmonischen Zusammenklang man nicht ohne Weiteres vermuten würde. Auf „Time Zones“ begegnen sich der deutsche Organist und Komponist Samuel Scheidt (1587–1654) und Erik Satie (1866–1925). Diesmal hat Bo Wiget Bekanntes und Unbekannteres des französischen Klavierkomponisten dem Ensemble passgenau auf die Instrumente geschrieben. Das verleiht Saties „Pièces froides“ einen pastoralen, gar nicht kalten, teils satten, immer wohlklingenden Anstrich, und rückt sie in die Nähe von Scheidts Instrumentalkompositionen, etwa den kurzweiligen „Ludi musici“. So ist diese Begegnung nicht von Kontrasten und Reibungspunkten bestimmt, hier knallt und knirscht nichts, hier fließt alles natürlich ineinander. Drei Jahrhunderte trennen diese beiden Komponisten? Kaum zu glauben. Auf den Kreativgeist der Lautten Compagney ist mal wieder Verlass, hier ist Neues entstanden. Großartig.

14. — 20. November 2020

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Nachtgedanken: Eher unwahrscheinlich, dass es erst den schlaflosen Grafen von Keyserlingk gebraucht hätte, um Johann Sebastian Bach zur Komposition eines ausufernden Variationszyklus für dessen Kammercembalisten Johann Gottlieb Goldberg zu motivieren. Denn die „Aria mit verschiedenen Veränderungen“ erschien 1741 als bereits vierter Band seiner „Clavier-Übung“, in der Bach unterschiedlichste Zielsetzungen phänomenal überein brachte. Er verfolgte dabei sowohl pädagogische Ziele (für seine Meisterschüler), bot ein Kompendium der Klaviertechnik seiner Zeit und verschiedener Kompositionsgattungen, und schaffte das alles in Form musikalischer Meisterwerke, die weit über ihre Zeit hinaus strahlen. So sehr, dass Bachs Biograf Nikolaus Forkel lieber die Anekdote vom Grafen erzählte, der des Nachts Ablenkung braucht, als angesichts der Durchformungswut in diesen „Goldberg-Variationen“ ratlos da zu stehen. Die schlichte „Aria“, schon im „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ enthalten, steuert lediglich die Basslinie bei, die aber wie ein Katalysator einen Reigen bunter Gestalten entfesselt. Virtuoses Laufwerk, Hornquinten, Tanzsätze, eine französische Ouvertüre und ausufernde Lamenti folgen ihr, in uhrmacherartiger Präzision von Kanons in aufsteigendem Abstand der Stimmen gegliedert. Und noch während der Streit über die Frage läuft, ob man dem Werk heute besser auf dem ursprünglichen zweimanualigen Cembalo oder doch dem Konzertflügel gerecht wird, melden sich Arrangeure ganz unterschiedlicher Besetzungen zu Wort. Im letzten Jahr präsentierte das Trio Zimmermann eine besonders geglückte Version für Streichtrio, eine im ersten Moment nicht sehr nahe liegende Besetzung für ein Klavierwerk. Aber ob es nun die geschickte Verteilung der Stimmen ist, das Auskosten von Klangfarben und Spieltechniken der Streichinstrumente, viel mehr noch die überragende Musikalität und das aufeinander Eingehenkönnen des Trios – hier wirken Bachs Variationen, als hätte er von Anfang an den Streicherklang im Ohr gehabt. Oder besser noch: Als hätten die Musiker, losgelöst von ihrer Besetzung, die Essenz dessen getroffen, was Bach als eine Fassung für Klavier zu Papier brachte. Kein Wunder, wenn dieser Gedanke schlaflos macht.

07. — 13. November 2020

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Gerade noch Kammermusik oder schon Sinfonik? Franz Schuberts Oktett, das wohl beliebteste klassische Werk für diese Musikerzahl, bewegt sich irgendwo dazwischen. Mit seinen Grenzen austestenden 62 Minuten, Zeitgenossen empfanden es als viel zu lang, passt es praktischerweise ohne Beigabe auf eine CD – wie auf diese neue des Quatuor Modigliani. Nicht erst nach Ludwig van Beethovens formensprengender 9. Sinfonie befassten sich Komponisten mit der Frage, wie es überhaupt weitergehen solle mit der Musik. Mit seiner Kammermusik wollte sich Schubert den Weg zur Sinfonie bahnen, was dieses Oktett besonders eindrücklich zeigt. Getrost kann man es eine Art sinfonische Studie verstehen, auch wenn der Komponist sie nie zur Großform ausbaute. Als Vorbild diente Beethovens Septett op. 20, das Schubert um eine zweite Geige ergänzte. Neben dem Streicherquartett spielen ergo Klarinette, Horn, Fagott und Kontrabass (Sabine Meyer, Bruno Schneider, Dag Jensen und Knut Erik Sundquist). Als Folge dieser Besetzung ist das Miteinander von Streichern und Bläsern, vom Quatuor Modigliani und Gästen exzellent beherrscht, weniger „Geistvolles Gespräch unter vier“, wie Johann Wolfgang von Goethe einst so prägnant formulierte, als eine von ganzheitlichem und homogenem Miteinander geprägte, heiter-bewegte Gruppenunterhaltung. Die Divertimento-artige Fröhlichkeit dieser sechs teils ausladenden, durchweg romantischen Sätze, kommt jedenfalls bestens zur Geltung.

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CD zum Sonntag:

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Reisebeschränkt: Wer würde jetzt nicht gerne dem Alltagseinerlei entfliehen, etwa unter die Sonne Italiens? Auch der junge Johann Sebastian Bach muss sich für seine Sehnsucht nach Italien aufs virtuelle Gastspiel bescheiden, denn über die Alpen schafft er es zu Lebzeiten nie. Wobei er dabei auch weniger an Strände, Tempel und Sprizz gedacht hat, als an die aufregenden musikalischen Impulse, die von der jungen Konzertform ausgingen. Virtuoser Biss, leidenschaftlicher Überschwang, Balance […] mehr »


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