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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Johann Sebastian Bach

Sei suonate à cembalo certato è violino solo

Chiara Zanisi, Giulia Nuti

Arcana/Note 1 A 426
(95 Min., 10/2014)

Johann Sebastian Bachs sechs Violinsonaten sind – was würde man anderes erwarten – eine exzeptionelle Wundertüte innerhalb ihrer Gattung: Es handelt sich nicht um continuobegleitete Stücke, wie sie in der Barockzeit zuhauf anzutreffen sind, sondern um „suonate à cembalo certato è violino solo“, also um Sonaten für konzertierendes Cembalo und Solo-Violine. Das heißt, Bach hat eigentlich Triosonaten komponiert und deren beide Diskant-Solopartien auf die Violine und die rechte Hand des Cembalos verteilt. Die Bassstimme übernimmt die linke Hand des Cembalos, und eine Generalbass-Ebene in Form von zu improvisierenden Akkorden gibt es so gut wie gar nicht – sie ist nicht nötig, denn der kontrapunktische Satz, den die drei Stimmen miteinander flechten, ist auch klanglich so dicht, dass eine harmonische Stütze entfallen kann. Eine tour de force für die Spieler, denn kein Ton ist unwichtig, keine einzige Phrase erlaubt ein kurzes Zurücklehnen – beide Spieler weben permanent am polyphonen Netz, das diese Musik ausspannt.
Chiara Zanisi und Giulia Nuti widmen sich dieser anspruchsvollen Aufgabe durchaus engagiert, aber das Endergebnis will dem Rezensenten nicht wirklich gefallen: Zanisi entlockt ihrer Gagliano-Geige einen recht metallischen, nicht sehr geschmeidigen Ton, mit dem sie den Diskantpart des Cembalos – eigentlich ihr gleichberechtigter Dialogpartner – oft förmlich überdeckt. Ihre Intonation ist zudem nicht immer sauber, und das Miteinander von Griffhand und Bogen erweist sich als nicht durchgängig kongruent. Hinzu kommt eine merkwürdige Art des Artikulierens, bei der (besonders in langsamen Sätzen) innerhalb von längeren Sechzehntel-Kantilenen jeweils die eigentlich unbetonten Sechzehntel an zweiter und vierter Stelle einer Vierergruppe per Nachdruck das spürbar stärkere Gewicht zugeteilt bekommen. All dies führt zu einem eher angespannten als entspannten Hörerlebnis, und es verunklart die Strukturen bzw. den natürlichen Fluss der Musik. Man bleibt eher irritiert zurück.

Michael Wersin, 17.06.2017



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