Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

16 frühe Streichquartette

Cuarteto Casals

harmonia mundi HMI 987060.62
(220 Min., 9/2004, 5/2005) 3 CDs

Auf ihrer ersten großen gemeinsamen Musiktournee versetzen Vater Mozart und seine beiden Wunderkinder Wolfgang und Nannerl das westliche Europa zwischen Salzburg, London und Paris in ungläubiges Staunen. Und als ob ihn die Muse nicht unablässig weiter mit Verlockungen und Herausforderungen überschüttet hätte, erprobte sich der Mozart-Sohn bereits mit 14 in der noch jungen, exquisiten Spezialität des Streichquartetts. In (bzw. auf Reisen zwischen) Salzburg, Mailand und Wien brachte er binnen drei Jahren gleich 16 Exemplare der Gattung zu Papier - von Anfang an alles andere als Schülerarbeiten, Kostproben, Talentbeweise.
Die Entwicklungskurve des gleichfalls noch jungen spanischen Cuarteto Casals (Gründungsjahr 1997) zeigt nicht ganz so steil nach oben. Weder der große Namensgeber noch Mozart erscheinen in Reichweite, auch wenn das Ensemble sich schon mancher Auszeichnung und Ehrung oder etwa der Mentorenschaft eines Walter Levin (des einstigen La-Salle-Primarius) rühmen darf. Was an ihrem Mozart-Spiel beim ersten Zuhören noch wie sympathisch frischer Tatendrang wirkt, ermüdet bald als draufgängerische Unbedenklichkeit. Die Vier gönnen sich keine Zeit, Töne mit Eigenschaft zu entwickeln, sie finden weder einen Eigen- noch einen Gesamtklang, sie hören einander einfach nicht zu. Einer hetzt am anderen vorbei oder der eine den anderen vor sich her, und über kurz oder lang nehmen sie allesamt Reißaus vor dem, der diese Musik (sicher in ebenso fliegender Eile, aber der hatte sie auch im Kopf) einmal komponiert hat.

Karl Dietrich Gräwe, 26.11.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

God Save the King, Rule Brittania, Tochter Zion. Was findet man nicht alles im Beethovenschen Œuvre, genauer gesagt unter den Variationswerken, wenn man nur ein bisschen in dem gräbt, was üblicherweise nicht zur Aufführung gebracht wird. Und so ist diese Gesamteinspielung der Werke Ludwig van Beethovens für Violoncello und Klavier von Nicolas Altstaedt und Alexander Lonquich zuallererst repertoiretechnisch interessant. Zumal sie die gesamte stilistische Bandbreite im Schaffen Beethovens […] mehr »


Top