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Frederick Delius, Edward Elgar

Streichquartette e-Moll (1917/18)

Villiers Quartet

Naxos 8.573586
(71 Min., 7 & 10/2016)

Während Edward Elgars Musik schon immer als durchweg very british galt, war das Schaffen seines Landsmannes Frederick Delius so simpel nicht einzuordnen. Delius war schließlich ein Mann mit Bielefelder Wurzeln und stets auf Wanderschaft. Nach Aufenthalten in den USA und in Leipzig, wo er u.a. bei Carl Reinecke studierte, ließ sich Delius 1897 für den Rest seines Lebens in der Nähe von Fontainebleau nieder. Hier komponierte er 1917 auch sein einziges Streichquartett, das das junge englische, mit einer wunderbaren Tonfülle und Farbpalette gesegnete Villiers Quartet nun mit dem ebenfalls einzigen Elgar-Vierer gekoppelt hat. Und wenn sich der französische Geist jemals in dem Werk eines Engländers niedergeschlagen hat, dann bei Delius. Allein schon der Eröffnungssatz ist ein einziges herrliches Schmachten, eine Mischung aus sanften Brisen und dahinschwebendem Melos im besten Belle Époque-Charme. Gefühlskalte Ignoranten werden diese Musik als puren Kitsch abtun. Die anderen geben sich ihr einfach hin. Zumal Delius nicht zuletzt im Finale des viersätzigen Werks immer wieder gekonnt seine Liebe auch zu Ravel hörbar macht. Einen kleinen Blick in die Werkstatt von Delius gewähren zudem die Weltersteinspielungen des Eingangs- und des mit „Late Swallows“ bezeichneten langsamen Satzes in den Urfassungen von 1916. Zwei Jahre danach setzte sich Elgar an sein dreisätziges Opus in c-Moll, das wie das Geschwisterwerk seines Landsmannes meilenweit von jenen Ultra-Modernitäten entfernt ist, die sich in der Streichquartett-Gattung nicht zuletzt dank der Schönbergs & Co. zusammengebraut hatten. Doch auch hier werfen die Villiers dank ihrer exquisit ausbalancierten kammermusikalischen Partnerschaft ausreichend viele Köder aus, um dieses mal rhapsodisch in sich gekehrte und dann wieder mit großer Klangfülle die ganze Welt umarmende Werk in vollen Zügen genießen zu können.

Guido Fischer, 01.07.2017



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