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N° 1354
20. - 29.04.2024

nächste Aktualisierung
am 27.04.2024



Wenn schon wie zu Mozarts Zeiten, dann aber konsequent. Dirigent Arnold Östman trägt Zopf, die Musiker frisch entstaubte Perücken und lockere Rüschenhemden. Und Regisseur Göran Järvefelt hat sich von seinen Kostümmeistern genau die Dienerschafts-Livrees und -Häubchen schneidern lassen, dass bloß kein Zweifel an der Authentizität dieser Aufführung von Mozarts Opera buffa "La finta giadiniera" aufkommen möge. 1988 gab es somit eine durchaus perfekt inszenierte Zeitreise zurück in die 1770er Jahre. Aber mal ehrlich: Wer wollte schon Ende des 20. Jahrhunderts erneut mit diesem lieblichen Rokoko-Aufwand konfrontiert werden, der heute noch unerträglicher wirkt. Eine beschwingt leichte Verwechslungskomödie hatte der 18-jährige Mozart 1774 komponiert, für die sich der Librettist Giuseppe Petrosellini ganz an die Normen der klassischen Buffa-Dramaturgie hielt. Weil man aber eben damals noch nichts vom Regietheater wusste, hielt sich Järvefelts Anspruch an das Ensemble in Grenzen. Hektisches Handfächerwedeln, brave Verbeugungen gepaart mit einem neckisch-quirligen Hasch-Mich-Tempo - das ist ein klarer Fall von Augen zu, bei dem wenigstens die Ohren nicht unterfordert bleiben.
Denn die Aufführung im schwedischen Schlosstheater von Drottingholm bot "La finta giardiniera" in der italienischen Originalfassung mit dem erst 1970 aufgespürten ersten Akt. Und die liedhafte Grandezza, die einfühlsamen Charakterporträts und impulsiven Ensemble-Finali wie "Che tratto è questo" und "Perfido! Indegno, indegno" weisen schon gekonnt in die Zukunft des großen Opern-Komponisten Mozart. Das mit alten Pauken und Trompeten besetzte Orchester zeigt dabei kernig-effektvolles Engagement. Tenor Stuart Kale füllt den Amtshauptmann Don Anchise temperamentvoll und präzise in Rhythmus und Artikulation mit Bühnenleben. Und ist Eva Pilats Mezzo mal üppig aufblühend, mal ebenmäßig schön klingend, beherrscht Richard Croft bereits jene Auszierungskunst und Ausdrucksexpansivität, mit der er später manche Händel- und Gluck-Oper so wertvoll machen wird.

Guido Fischer, 01.09.2007


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