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Paul Hindemith, Arnold Schönberg

Streichtrios

Trio Zimmermann

BIS/Klassik-Center BISSACD-2207
(60 Min., 2015, 2016) SACD

Gleich beim Eröffnungssatz von Paul Hindemiths 1. Streichtrio op. 34 zeigen diese drei Streicher, was in ihren Fingern und Köpfen steckt. Kreuz und quer geht es nonstop bei dieser knapp fünfminütigen Toccata zu. Doch für das eingespielte Trio mit First Class-Geiger Frank Peter Zimmermann, dem tollen Bratscher Antoine Tamestit und dem furios aufspielenden Cellisten Christian Poltéra scheint es keinerlei Klippen und Limits zu geben. So beherzt auf Attacke gebürstet gehen sie diese etwas andere neoklassizistische Musik aus dem Jahr 1924 an. Und der finalen Fuge treiben die Musiker das Akademische mit entsprechend bärbeißigem Zugriff aus! Auch in ganz anderen Klangwelten haben es diese drei faustdick hinter den Ohren, etwa in Hindemiths 2. Streichtrio, das 1933 geschrieben wurde und über dem zunächst ein merkwürdig beklemmender Tonschatten liegt. Bald legt dieses Werk zwar dann ebenfalls an Fahrt zu. Dennoch macht das Trio Zimmermann zum Beispiel im Mittelsatz unmissverständlich und mit beeindruckender Intensität und Spannung deutlich, dass zum Zeitpunkt der Komposition auch für Hindemith ein neues schicksalhaftes Kapitel begonnen hatte. So wie für Arnold Schönberg sollte sich für ihn mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten bekanntermaßen das Blatt radikal wenden. Schönberg war bereits 1933 in die USA geflohen, wohin ihm später auch Hindemith folgte. In der neuen Heimat schrieb Schönberg 1946 sein einsätziges, wenngleich mehrteiliges Streichtrio op. 45, das im Gegensatz zu den Geschwisterwerken Hindemiths flüchtiger, ausgedünnter, schmerzhafter daherkommt. Und hier lässt das Trio Zimmermann nun keine Sekunde, keinen Takt vergehen, in dem nicht mit höchster Konzentration eine durch und durch beklemmend expressive und bisweilen erschütternde Klangwelt von innen heraus illuminiert wird.

Guido Fischer, 12.08.2017



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