Responsive image

Hudson

Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Scofield, John Medeski

Pias/rough trade 39142482
(72 Min., 1/2017)

Treffen sich vier Giganten, kommt gigantische Musik heraus. So einfach ist es nicht immer. Bei „Hudson“ schon. Für dieses Projekt trafen sich der Schlagzeuger Jack DeJohnette, der Bassist Larry Grenadier, der Gitarrist John Scofield und der Keyboarder John Medeski im Studio und erinnerten sich daran, dass sie in jungen Jahren rockten, bevor sie sich in die Elite des Jazz spielten. In zehn Titeln bringen sie diese beiden für ihre musikalische Biografie prägenden Welten wieder zusammen, und im elften, dem „Great Spirit Peace Chant“ huldigen sie mit Trommeln, Flöten und Gesang der indianischen Urbevölkerung des Hudson-Tals. Bob Dylans Songs „Lay Lady Lay“ und „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ erleben eine verblüffende Renaissance, ebenso Joni Mitchells „Woodstock“, Jimi Hendrix‘ „Wait Until Tomorrow“ und „Up On Cripple Creek“ aus dem Repertoire von „The Band“. In ihren Neufassungen greifen die vier vor allem die Themen auf und übertragen sie in ihr eigenes Konzept, in dem sie vereinen, was sie groß gemacht hat: spitze Gitarrensounds, abgedrehte Schlagfolgen, souverän grundierende Basslinien und angeraute Hammond- und Rhodes-Sounds. Dabei bewahren sie eine feine Balance zwischen Rockbeats und Erinnerungen an den Souljazz der 1950er, lassen sich auf New Orleans Shuffles ein, mengen virtuose Soli ins Geschehen und verstoßen mit Breaks und unerwartet schrägen Ausbrüchen gegen die Konventionen von Jazz und Rock. Die Originals „El Swing“ und „Tony Then Jack“ von John Scofield sowie der von Jack DeJohnette komponierte „Song For World Forgiveness“ ergänzen diese Cover-Versionen. Zudem singt DeJohnette den für sein Album „Sound Travels“ mit Bruce Hornsby komponierten Öko-Song „Dirty Ground“. Im Text greift er auf, was Dylan, Mitchell, Hendrix und „The Band“ mit Robbie Robertson schon bewegt hat: die Hoffnung der Hippie-Generation auf eine weltoffene, soziale, von Zwang, Unterdrückung und Umweltverschmutzung freie Welt. Diese Themen sind ebenso wie die Verschmelzung von Jazz und Rock seit mehr als 50 Jahren aktuell.

Werner Stiefele, 19.08.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Seine fröhlichen Werktitel wie „Rheinische Sinfonie“ oder „Frühlingssinfonie“ lassen einen bei Robert Schumann manchmal denken, er sei eine unbeschwerte Frohnatur gewesen. Dabei hat wohl kaum ein anderer Komponist so mit sich und dem Leben gehadert und zugleich sich selbst immer wieder so grandios aus den Tiefen der Depression in die Höhenflüge der Musik gerettet wie Schumann. Seine zweite Sinfonie entstand in einer Zeit, in der sich der Komponist von einer schweren Lebens- und […] mehr »


Top