Responsive image
Diverse

The Routes Of Slavery 1444 - 1888

Kasse Mady Diabaté, Violet Diallo, Tembembe Ensemble, Königliche Kapelle Katalonien, Hespèrion XXI, Jordi Savall

Alia Vox/harmonia mundi AVSA 9920
(130 Min., 7/2015) 2 SACDs + DVD CDs

Auf zwei SACDs und einer DVD ist in dieser Box ein großes interkulturelles Projekt von Jordi Savall dokumentiert, das in dieser Form im Juli 2015 in der französischen Abtei Fontfroide (nahe Narbonne) über die Bühne ging. Der Hörer kann also wahlweise visuell oder auch nur aural an diesem Spektakel teilnehmen, das an den Beginn der Versklavung afrikanischer Menschen bzw. an die von 1444 bis 1888 währende Phase dieser Barbarei erinnert.
Savalls Programm setzt auf die gliedernde Vermittlung basaler Fakten durch atmosphärische Rezitation, aber das Schwergewicht liegt freilich auf der Musik. Und auf diesem Gebiet geht es ihm um das kreative Miteinander von Musik, die die verschleppten Menschen mitgebracht haben, und derjenigen Musik, die in den Ländern der Eroberer gesungen und gespielt wurde. Savall hat zu diesem Zweck afrikanische und südamerikanische Musiker eingeladen und ist selbst freilich auch mit seinen Gruppen, der Königlichen Kapelle Katalonien und Hespèrion XXI, präsent.
Wie die Musikstücke des Programms genau gemacht sind, bleibt natürlich das Geheimnis von Savall und seinen außereuropäischen Kollegen: Es handelt sich um eigens arrangierte Collagen verschiedener Stile, geschickt und effektvoll gefertigt und mit großer Begeisterung vorgetragen. Freilich entfalten solche Experimente in der Live-Situation immer eine größere Wirkung als aus der Konserve – in diesem Sinne ist immerhin die mitgelieferte DVD, die auch einen genauen Blick auf zahlreiche unbekannte Instrumente ermöglicht, ein großer Gewinn.
Die Veröffentlichung wird begleitet durch ein üppiges, reich bebildertes und mit zahlreichen Aufsätzen zum Thema ausgestattetes Buch in mehreren Sprachen (darunter auch Deutsch), anhand dessen man sich bemerkenswert gründlich in die Thematik einarbeiten kann.

Michael Wersin, 26.08.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top