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Four

Three Fall, Melane

ACT/Edel 1096762ACT
(61 Min., 2/2017)

Es kommt auch nicht oft vor, dass ein junges deutsches Instrumentaltrio von internationalen Showgrößen mit Lob überhäuft wird. Das seien die besten Coverversionen von Stücken seiner Band, die er je gehört habe, urteilte etwa Chad Smith, Schlagzeuger der „Red Hot Chili Peppers“, seinerzeit über das pfeffrige ACT-Debüt von Bassklarinettist/Tenorsaxofonist Lutz Streun, Schlagzeuger Sebastian Winne und Posaunist Til Schneider. Und auch Posaunenstar Trombone Shorty, der sich bestens mit New Orleans und Tuten und Blasen auskennt, hält das Berlin-Kölner Trio „Three Fall“ für „einzigartig“.
Recht hat er. Denn Streun, Winne und Schneider lassen einen immer wieder vergessen, dass hier nur zwei Blasinstrumente und ein Schlagwerk zu hören sind. Ihre Musik klingt deutlich voller, wie eine richtig große Band. Durch perfekt abgestimmte Bläsersatzarbeiten und den geschickten Einsatz von Effektgeräten emulieren „Three Fall“ auf so noch nicht gehörte Weise Keyboardflächen. Hinzu kommen verzerrte Soli, die eher nach E-Gitarre als nach Gebläse klingen, sowie eine gewisse Portion Schalk im Schalltrichter.
Denn die stilistischen Vorlieben von „Three Fall“ beschränken sich keineswegs auf funky Marching-Band-Repertoire, sondern reichen vom Rock über Soul bis hin zu Reggae und eigentlich gruseligem Plastik-Pop. Wie die Band etwa auf ihrem inzwischen dritten Album den 90er-Jahre-Hit „All That She Wants“ von Ace of Bass zu einem Seelendrama veredelt, das hat schon was.
Mitverantwortlich dafür ist die neue Stimme im Three-Fall-Mikrokosmos: die kongolesisch-deutsche Sängerin Melane Nkounkolo. Sie fügt sich mit ihrem feinen Timbre bestens in die Klangwelt des Trios ein, erweitert das Genre-Spektrum um Afro-Pop-Elemente und nachdenkliche Texte, die die Flüchtlingsproblematik thematisieren. Deutschlands kleinste, dabei voll funktionstüchtige Drum-und-Brass-Einheit wird dadurch massenwirksamer, ohne an Originalität einzubüßen. Vier gewinnt!

Josef Engels, 21.10.2017



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