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Jean-Philippe Rameau

Pygmalion, Les fêtes de Polymnie

Cyrille Dubois, Marie-Claude Chappuis u.a., Arnold Schönberg Chor, Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

Aparté/harmonia mundi AP155
(72 Min., 1/2017)

Selbst Jean-Philippe Rameau konnte sich in aller Öffentlichkeit emotional zeigen. Als er 1748 eine Aufführung seines Einakters „Pygmalion“ besuchte, wurde er so überschwänglich begrüßt, dass er außer sich war vor Freude. Wie ein Augenzeuge berichtete, „weinte [Rameau] vor Rührung und war vom Empfang durch das Publikum dermaßen überwältigt, dass er sich schwor, seinen Anhängern den Rest seines Lebens zu widmen.“ Im Gegensatz zu vielen seiner Werke erwies sich sein „Acte de ballet“ auf Anhieb als einzige Erfolgsgeschichte. Kaum war „Pygmalion“ im August 1748 an der Pariser Académie Royale de Musique uraufgeführt worden, gehörte das Werk fortan zu den meistgespielten Bühnenwerken im 18. Jahrhundert. Mit ihren Gesangs- und Tanznummern war der „Acte de ballet“ sozusagen der kleine Bruder von der großen, aus mehreren Akten bestehenden „Ballettoper“. Und in keinem anderen „Acte de ballet“ hat Rameau den Tanz derart mit dem Inhalt eines Stücks verknüpft wie in der Fassung des von Ovid beschriebenen Mythos über den Bildhauer Pygmalion und sein Geschöpf als Sinnbild der Menschwerdung.
Bereits in der Ouvertüre hört man den Künstler noch bei der Arbeit. Wenn nach dem galanten ersten Teil das Orchester mit furiosen Tonrepetitionen aufwartet, die die Meißelhiebe Pygmalions versinnbildlichen. Danach schlägt der Drive der Musik in magisches Weh und Ach um, mit dem Pygmalion erst die unerfüllte Liebe besingt („Fatal amour“) und sich in seiner Arie „Que d'appas!“ dann hoffungslos in die Schönheit seiner Statue verliebt. All diese Momente feinster französischer Barockmusik hat jetzt Christophe Rousset auf für ihn gewohnt hochklassigem Niveau mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques umgesetzt. Wobei sich das vierköpfige, von Tenor Cyrille „Pygmalion“ Dubois angeführte Sängerensemble einfach nur traumwandlerisch einfühlsam, von herzbewegend bis ergreifend durch diese Zauberklangwelten bewegt. Zum Glück blieb danach noch Platz für eine etwas längere Zugabe – in Form einer „Suite d´orchestre“ mit den instrumentalen Highlights aus der Märchenoper „Les fêtes de Polymnie“. Und auch hier sorgt Rousset für ein farbenprächtiges und rhythmisch mitreißendes Hörvergnügen und beweist nach zuletzt umfangreichen Großtaten in Sachen „Jean-Baptiste Lully“, dass er immer noch ein Ramist erster Güte ist.

Guido Fischer, 21.10.2017



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