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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Johann Sebastian Bach

Sonaten und Partiten

Christian Tetzlaff

Ondine/Naxos ODE12992D
(131 Min., 10/2016) 2 CDs

Mit 50 Jahren kann man schon mal ein wenig zurückschauen. Und wenn man sich dafür erneut seine bisherigen Aufnahmen etwa der Bachschen Sonaten & Partiten zu Gemüte führt, kann man dabei genau den eigenen Reifeprozess studieren. Im Booklettext zu seiner inzwischen dritten Gesamtaufnahme der „Sei Solo“ von Bach beschreibt Christian Tetzlaff denn nun auch die eigene Entwicklung vom Geiger zum Musiker. In jungen Jahren (die erste Gesamteinspielung machte er 1993 mit 27 Jahren) hatte er dieses Geigen-Monument noch allzu sehr nach Lehrbuch gespielt. Heute, eben mit Fünfzig, „kann ich die natürliche Tiefe und Freiheit in dieser Musik jetzt mehr genießen.“ Es wäre natürlich schon merkwürdig, wenn sich ein (schon früh begnadeter) Violinist vom Kaliber eines Tetzlaff ein Vierteljahrhundert lang nur unwesentlich weiterentwickelt hätte. Aber jetzt scheint er tatsächlich endgültig an jenem Punkt angekommen zu sein, an dem er loslassen konnte, um sich ganz und gar frei durch diesen barocken Klangwundergarten zu bewegen und den Hörer durch die Brille seiner immensen Erfahrung hindurch am Staunen und Vergnügen an dieser Musik teilhaben zu lassen. Über Tetzlaffs spieltechnische Möglichkeiten muss man daher erneut nicht viele Worte verlieren. Wer allein in den so konzentriert wirkenden langsamen Sätzen etwa der Sonaten ein derart riesiges dynamisches Spektrum für diese intimen Gespräche zwischen sich und dem Instrument aufbietet, ist über jeden Zweifel erhaben. Und wie federleicht und doch körperreich sich bei Tetzlaff eine Fuge im Hier und Jetzt bewegen kann, unterstreicht das kontrapunktische Wunderwerk der a-Moll-Sonate. Aber im Grunde wird bei ihm jeder Satz zu einem Ereignis, da Tetzlaff nicht nur von erlesen und edel bis zur beeindruckend großen musikalischen Kathedrale „Chaconne“ die Einzigartigkeit dieser Musik zum reinen Leben erweckt. Zwischendurch, in der Loure aus der E-Dur-Partita, stimmt er mit demselben Genuss ein zärtliches Liebeslied an. Magisch – und irdisch schön.

Guido Fischer, 28.10.2017



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