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Christoph Willibald Gluck

Kammermusik und Lieder

Le Parlement de Musique

Assai/Note 1 222272 - MU750
(60 Min., 9/2001) 1 CD

Ritter Gluck mal ganz anders: Nicht als Opernreformer in Wien und Paris, sondern als Verfasser ganz reizender Triosonaten für zwei Violinen und Basso Continuo. Solche entstanden u. a. im Jahr 1746 anlässlich eines London-Aufenthalts und spiegeln Glucks Beschäftigung mit italienischen Vorbildern dieser Gattung wieder, die er zuvor in Italien kennengelernt hatte, wo er über zehn Jahre als Instrumentalist, Kapellmeister und Komponist zubrachte. Musikalisch ansprechend und satztechnisch gekonnt gearbeitet sind diese kammermusikalischen Perlen, und sie bergen bisweilen Überraschungen, die sie vom Gros der Triosonaten-Produktion jener Zeit abheben.
Die drei auf dieser CD enthaltenen, engagiert und souverän musizierten Triosonaten werden ergänzt durch Vokalwerke: Zwei um 1780 entstandene französische Arien und vier Oden auf Texte von Klopstock sind darunter. Kirsten Blase (Sopran) und Stephan van Dyck (Tenor) tragen diese von Streichern bzw. vom Hammerklavier begleiteten Stücke nur recht nett vor: Von beiden würde man sich in den Klopstock-Oden etwas mehr sprachliche Gestaltung und Prägnanz wünschen; ferner trüben kleine gesangstechnische Unebenheiten bisweilen das Bild.
Interessant ist am Schluss des Programms die Konfrontation des Gluck-Repertoires mit zwei Werken von Mozart: Das bekannte Lied "Dans un bois solitaire", entstanden 1778 in Mannheim, steht für Mozarts Adaption eines französischen Textes, der ihn zu einer kleinen Opernszene für Gesang und Klavier anregte. Die 1784 entstandenen Klavier-Variationen über "Unser dummer Pöbel meint" haben direkten Bezug zu Gluck, denn ihnen liegt ein Thema aus dessen Oper "Pèlerins de la Mecque" zu Grunde.

Michael Wersin, 21.11.2002



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