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Marin Marais

Premier livre de pièces de viole

Franҫois Joubert-Caillet, L´Achéron

Ricercar/Note 1 RIC379
(256 Min., 9/2014, 5/2015) 4 CDs

Nachdem Franҫois Joubert-Caillet bereits 2016 diskografisch mit einer Auswahl an Gambenpiècen Appetit auf ein editorisches Großprojekt gemacht hatte, ist dieses Jahr der Startschuss endlich gefallen. Der französische Bassgambist legte unter Mitwirkung der Basso continuo-Gruppe seines Ensembles L´Achéron samt zugehörigem Bassgambenkollegen Andreas Linos die Gesamteinspielung des ersten der fünf Gambenbücher von Marin Marais vor. Die 2016 mit dem Album „Pièces favorites” geweckten Erwartungen wurden sogar übertroffen. Denn wenngleich das Gamben-Schaffen von Marais bereits von solchen Könnern wie Jordi Savall und Hille Perl meisterlich auf ihren dramatischen wie unterhaltenden Gehalt hin abgeklopft worden sind, hätte man nicht vermutet, dass einem noch einmal eine ganz neue Sicht auf diese magische Kammermusikwelt geboten wird. Die fünf „Livres de pièces de viole“, für jeden Gambisten so etwas wie das Alte und Neue Testament in einem, sind mit knapp 600 Stücken allein für Solo-Gambe eine Mammutaufgabe. Wie von ähnlich umfangreichen Einspielungszyklen bekannt, kann es verständlicherweise auch zu Aufmerksamkeitsschwankungen kommen. Nicht so bei diesem Marais aus der Hand von Franҫois Joubert-Caillet – insgesamt 93 Stücke für eine bzw. zwei Gamben umfasst das 1686 erstmals veröffentlichte und drei Jahre um den B.c.-Part erweiterte „Premier livre de pièces de viole“. Und obwohl sich hier fast immer dieselben damals beliebten Tanzsätze von der Allemande bis zum Menuet und Rondeau in Suitenform aneinanderreihen, lässt einen diese Musik 4 CDs lang nicht los. Von einem unvergleichlichen Charme und Anmut sind diese Piècen beseelt. Die darin versteckten kleinen und großen Geheimnisse offenbaren Joubert-Caillet & Co. zudem mit allerfeinstem Gespür für die Schwingungen einer Klangrhetorik, an der man sich nicht satthören kann. Wie gut also, dass uns noch vier weitere Gambenbücher von Marais mit diesem Interpreten ins Haus stehen.

Guido Fischer, 18.11.2017



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