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Franz Schubert

Arpeggione-Sonate, Trio Nr. 2 Es-Dur

Antje Weithaas, Marie-Elisabeth Hecker, Martin Helmchen

Alpha/Note 1 ALP284
(73 Min., 2/2016 & 5/2017)

Die Art und Weise, wie Franz Schubert innerhalb der klassischen Formmodelle – hier das Klaviertrio und die Duo-Sonate – eine neue, seiner Zeit gemäße Tonsprache und Ausdruckswelt herausarbeitete, ist einzigartig. „Schubert-Grundgefühl“, „Traurigkeit“, „bedrohliche Untiefen“ sind dazu passende Stichworte, die im Interview mit Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen im Beiheft dieser CD fallen: Es ist das Leiden an einer bzw. das Trauern um eine Welt im bedrückenden Zeitalter der Restauration, die ein sensibler, geistig weiter Mensch wie Schubert sich nicht zu eigen machen, in der er sich nicht wirklich zuhause fühlen konnte. Er liebte an ihr vor allem das Potenzial ihrer Möglichkeiten, die nicht zur Verwirklichung gelangen konnten.
Marie-Elisabeth Hecker und ihr Mann Martin Helmchen machen diesen Schubert-Tonfall in ihrer brillanten Darbietung der Arpeggione-Sonate ebenso durchgängig hörbar wie im Es-Dur-Trio, für das sie in Antje Weithaas eine kongeniale Mitstreiterin gefunden haben. Nun gerät die Darbietung freilich nirgends zum oberflächlichen Lamento: Zunächst einmal ist sie gekennzeichnet von einer großartigen Beherrschung des Materials in technischer, aber auch in strukturell-analytischer Hinsicht; sodann genießt der Hörer in jeder Minute, dass die Interpreten eine exakte Vorstellung davon haben, was sie mit dem musikalischen Material machen wollen: Wie sie auf motivisch-thematischer Basis miteinander kommunizieren, wie sie die einzelnen Phrasen interpretatorisch anlegen und ausspielen sowie farbenreich beleuchten, wie sie schließlich den Stimmungsgehalt der Musik differenziert vermitteln, nachdem sie ihn selbst als Künstler und einfach auch als Menschen verinnerlicht haben – all das ist als großartig zu bezeichnen. Es entstand auf diesem Wege eine CD, die uns Schubert wirklich näher bringt.

Michael Wersin, 18.11.2017



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