Camille Saint-Saëns

Cellokonzerte Nr. 1 & 2, Suite für Cello und Orchester, Allegro appassionato u.a.

Gabriel Schwabe, Malmö Symphony Orchestra, Marc Soustrot

Naxos 8.573737
(66 Min., 8/2016)

 

Camille Saint-Saëns, Jacques Offenbach

Cellokonzert Nr. 1, Suite für Cello und Orchester u.a.

Camille Thomas, Nemanja Radulović, Rolando Villazón, Nationalorchester Lille, Alexandre Bloch

DG/Universal 4797520
(68 Min., 4 & 5/2017)

 

Der Franzose Camille Saint-Saëns war das, was man ein Allround-Talent nennt. Universell gebildet und mit klarem Sachverstand ausgestattet, beschäftigte er sich mit Astronomie und Naturwissenschaft, schrieb Dramen und Gedichte, war Philosoph und Zeichner. Vor allem aber schuf er in seinen 86 Lebensjahren ein umfangreiches musikalisches Œuvre, aus dem auch seine Cellowerke herausragen. Erstaunlicherweise aber sollte man zeitlebens dem Cello-Komponisten Saint-Saëns eine kalkuliert-kühle Klangsprache vorwerfen, was genau das Gegenteil dessen ist, was nun zwei junge Top-Cellisten auf ihren Einspielungen zeigen. Während der Berliner Gabriel Schwabe sein ganzes Album dem Franzosen widmet, hat die Pariserin Camille Thomas Saint-Saëns mit dem Wahl-Pariser, ausgebildeten Cellisten und Opéra Bouffe-König Jacques Offenbach kombiniert. Trotzdem überschneiden sich ihre Programme beim 1. Cellokonzert und der fünfsätzigen Cello-Suite. Und in beiden Werken gibt es durchaus markante Unterschiede zwischen zwei Musikern, die sich spieltechnisch auf höchstem Niveau bewegen.
Gabriel Schwabe ist vielleicht der größere Empfindungsmusiker, der die romantischen Kantilenen so eindringlich wie möglich auskostet. Dennoch überdreht er nie die Pathos-Schraube. Leichter und beweglicher, auch mit einem Schuss französischer Operettenkunst nimmt Camille Thomas dagegen beispielsweise die „Romance“ aus der Suite. Das 1. Cellokonzert gestaltet sie unmittelbarer, dramatischer als ihr deutscher Kollege, während man beim Restprogramm auf beiden Alben auf seine Kosten kommt. Schwabe hat u.a. die orchestrierte Fassung des „Allegro appassionato” sowie den „Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ in der Orchesterversion von Paul Vidal aufgenommen. Bei Camille Thomas kommt zu der Transkription einer Arie aus Saint-Saëns´ „Samson et Dalila“ eben noch Offenbach deluxe hinzu, bestreut mit Gaststars. Bei der „Barcarolle“ gesellt sich ihr Geiger Nemanja Radulović zur Seite, während es beim Bonus-Track „Je suis brésilien“ aus Offenbachs „La vie parisienne“ zu einem schmissigen wie prickelnden Flirt zwischen Thomas und Rolando Villazón kommt. Alles angeheizt vom dem erneut großartig aufgelegten Nationalorchester Lille unter Leitung von Alexandre Bloch. Dieses Finalstück ist es denn auch, durch das Thomas bei diesem Kopf an Kopf-Rennen um wenige Zentimeter vor Schwabe ins Ziel kommt.

Guido Fischer, 25.11.2017




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